Clemens August von Galen, 22. März

Der Löwe von Münster -Hartnäckigster Gegner des Nationalsozialismus - Prangerte das Bombardement der deutschen Städte durch die Alliierten an. 

Clemens August von Galen (1878-1946)

„Nicht Menschenlob, nicht Menschenfurcht soll uns bewegen. Das Lob Gottes zu fördern sei unser Ruhm; selbst in heiliger Gottesfurcht zu leben sei unser beharrliches Streben“. (Clemens Galen)


Bischof, bekämpfte den Nationalsozialismus
 
Namen
Clemens August von Galen 

Gedenktag
22. März

Lebensdaten
Geboren, 16. März 1878 in Dinklage 40 km nördlich von Osnabrück; Gestorben, 22. März 1946 in Münster, Westfalen zwischen Dortmund und Osnabrück. 
 
Lebensgeschichte
Clemens August war das elfte von 13 Kindern von Ferdinand Heribert Graf von Galen und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Gräfin von Spee in Dinklage. 

Die Erziehung im Elternhaus war konsequent, auf Glauben, Ordnung, Pünktlichkeit und Fleiß ausgerichtet. Die Mutter schrieb ihrem Sohn zum 13. Namenstag: „Das Leben ist so kurz, und eine so herrliche Ewigkeit sollen wir uns damit erkaufen; da darf kein Tag verloren werden, um uns dieses Zieles zu versichern und für Gott etwas zu leisten, sei es in welcher Stellung es sei.“ Der Vater war Reichstagsabgeordneter für die Partei das Zentrum. 
 
Clemens wurde zunächst von einem Hauslehrer unterrichtet, ab 1890 in dem von Jesuiten geführten Internat Stella Matutina in Feldkirch in Österreich (das 1933 nach Deutschland, St. Blasien im Schwarzwald verlegt wurde) und machte das Abitur in Vechta, Münster. Die Abiturzeitung seines Jahrgangs vermerkte über ihn: „Ein Mann ohn’ Suff und Liebe, liebt nicht der Welt Getriebe“. 

Clemens August studierte Philosophie, Geschichte und Literatur an der Universität Fribourg in der Schweiz. 1898 reifte während einer dreimonatigen Italien- und Romreise, bei der er eine Privataudienz bei Papst Leo XIII. erhielt, sein Entschluss Priester zu werden und er trat 1899 in das Jesuiten-Konvikt Canisianum in Innsbruck ein. Ostern 1903 wechselte er in das Priesterseminar Münster und an die Universität Münster. Am 28. Mai 1904 empfing er durch Bischof Hermann Jakob Dingelstad die Priesterweihe.
 
Im August 1923 nahm er an einem Treffen der westfälischen Aristokratie im Verein des katholischen Adels von Rheinland und Westfalen teil. Im  Protokoll werden die Ansichten der Teilnehmer zur Judenfrage erwähnt. Danach wurden die Anschuldigungen der „Protokolle der Weisen von Zion“ aufgrund ihrer „inneren Wahrheit“ als plausibel, die Assimilation von Judentum und Deutschtum aber als unmöglich erachtet. Der Kampf gegen das Judentum widerspräche nicht den katholischen Prinzipien, denn „seit Christi Tod sind die Juden das verworfene Volk, die Geißel Gottes, die Hauptvertreter des Materialismus, der Zersetzung, des Antichristentums“.
 
Bei der Wahl des Reichspräsidenten 1925 unterstützte er nicht den Kandidaten der katholischen Zentrumspartei, Wilhelm Marx, sondern den Kandidaten der nationalen Rechten, Paul von Hindenburg. 1927 schrieb er aber in einem Brief: „Ich bin nicht Politiker, sondern einfacher Zentrumswähler [sic!], aber Pfarrer und als solcher immerhin interessiert an einer Ordnung der politischen Angelegenheiten nach den Grundsätzen der Vernunft, des Naturrechts und dem göttlichen Sittengesetz“. Anonym veröffentlichte er aber am 21. September 1932 im „Münsterischen Anzeiger“ einen Kommentar, in dem er die Führung der Zentrums-Partei angriff, weil sie die Auflösung des Reichstags am 12.9.1932 ermöglichte und damit den Sturz Franz von Papens unterstützte und damit die Nazionalsozialisten stärkte. 
 
1933 war er der erste im Dritten Reich nach dem mit Hitler abgeschlossen Konkordat gewählte katholische Bischof. Er war zunächst von Rom nicht für dieses Amt vorgesehen, „da von herrischer (arroganter) Auftretensweise, Starrsinn und – mit Blick auf sein Buch ‚Die Pest des Laizismus‘ (1932) – von zu schulmeisterlichem Ton für einen einfachen Pfarrer“. Erst als der zunächst gewählte Kandidat aus Gesundheitsgründen abgelehnt hatte und die verbliebenen zwei Kandidaten darum gebeten hatte, das Amt nicht antreten zu müssen, erweiterte der Papst die Kandidatenliste mit von Galen, den dann das Kapitel am 18. Juli 1933 einstimmig wählte. Am 28. Oktober 1933 empfing Franz von Galen die Bischofsweihe durch den  Erzbischof von Köln, Karl Joseph Kardinal Schulte. 

Noch vor seiner Amtseinführung protestierte er erfolgreich gegen das NS-Regime unter Bezugnahme auf Artikel 21 des Preußenkonkordats, wonach der Unterrichtsstoff für den Religionsunterricht im Einvernehmen mit den kirchlichen Stellen festzulegen war, gegen die Anweisung des  Stadtschulrats von Münster, im Religionsunterricht, „die demoralisierende Macht des Volkes Israel bei den Gastvölkern“ aufzuzeigen. In seinem ersten Osterhirtenbrief 1934 griff er zentrale Aussagen der NS-Ideologie an. Er bezeichnete es als Neuheidentum, wenn behauptet werde, die Sittlichkeit gelte nur insoweit, als sie der Rasse nütze, wenn die Offenbarung des Alten Testaments abgelehnt und eine Nationalkirche angestrebt werde, die auf den Lehren von Blut und Rasse beruhe. Er verurteilte die neuheidnische Weltanschauung des Nationalsozialismus und ihren religiösen Charakter: „Eine ruchlose neue totalitäre Doktrin, welche die Fundamente der Religion selbst und die heiligsten Geheimnisse der Offenbarung leugnet oder fälscht. Offensichtlich wird dadurch die Rasse über die Sittlichkeit gestellt, das Blut über das Gesetz… Eine Täuschung der Hölle ist im Gange… Manchmal verbirgt sich freilich dieses neue Heidentum sogar unter christlichen Namen".

In Briefen an seine Amtsbrüder und in einer für den Vatikan bestimmten Denkschrift sprach sich von Galen immer deutlicher gegen die leise Diplomatie der meisten Bischöfe, insbesondere des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, hinter geschlossenen Türen und für die Einschaltung der Öffentlichkeit gegen die Machthaber aus. 1941 ermutigte ihn der Dominikanerpater Odilo Braun trotz der Gefahr eines drohenden Redeverbots oder einer Verhaftung offen zu predigen. Im Juli und August 1941 hielt von Galen drei Predigten, in denen er das NS-Regime und die Gestapo (Geheimpolizei) anprangerte. Die Predigten wurden durch illegale Flugblätter sowie Nachdrucke in ganz Deutschland verbreitet. Die Alliierten warfen diese sogar als Flugblätter über deutschen Städten ab. Darin sagte Von Galen: „Das Verhalten der Gestapo [z.B. die Beschlagnahmung der Niederlassung der Jesuiten und anderer kirchlichen Institutionen in Münster und andernorts im Juli 1941] fügt weiten Teilen der deutschen Bevölkerung schweren Schaden zu. Und darum erhebe ich im Namen des rechtschaffenen deutschen Volkes, im Namen der Majestät der Gerechtigkeit und im Interesse des Friedens und der Geschlossenheit der inneren Front meine Stimme, darum rufe ich laut als deutscher Mann, als ehrenhafter Staatsbürger, als Vertreter der christlichen Religion, als katholischer Bischof: ,Wir fordern Gerechtigkeit!`“ … „gegen das himmelschreiende Unrecht, das unsere Ordensmänner und unsere lieben Schwestern wie Wild jagt… das unschuldige Männer und Frauen verfolgt".
 
Aufgrund der Kenntnis des Plans der Nationalsozialisten, behinderte Kinder, alte Menschen und Geisteskranke in westfälischen Heimen töten zu lassen sagte er: „Jetzt werden hilflose Unschuldige ermordet, barbarisch ermordet; ebenso werden auch Menschen anderer Rasse, anderer Herkunft getötet. Wir haben es mit mörderischem Wahnsinn zu tun, der seinesgleichen sucht… Mit solchen Leuten, mit diesen Mördern, die stolz unser Leben mit Füßen treten, kann ich keine Volksgemeinschaft mehr haben! … ‚Ihr Gott ist der Bauch‘ (vgl. Phil 3,19)".
Abschriften der Predigten wurden unter der Hand weitergereicht – so auch von Soldaten an den damaligen Zwangsarbeiter Karol Wojtyła in Polen, dem späteren Papst Johannes Paul II. dem so das „andere Deutschland“, das zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus bereit war, aufzeigte.
 
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs und dem Ende des 2. Weltkriegs wurde Clemens August von Galen am 16. Februar 1946 von Papst Pius XII. zum Kardinal ernannt. Auf der Rückreise von Rom nach Deutschland erwähnte Clemens August bei einem Besuch von Kriegsgefangenenlagern in Italien seine Todesahnungen. Der ihn begleitende Domkapitular berichtet den Satz: „Meine Zeit ist bald vorbei, und wenn ich dort oben bin, wendet euch nur an mich.“ Am 19. März 1946 wurde er mit starken Bauchschmerzen in das St.-Franziskus-Hospital in Münster eingeliefert und starb dort am 22. März 1946 an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs. Er wurde am 28. März in einer Seitenkapelle des noch zerbombten Doms von Münster beigesetzt. 
 
Verehrung
Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland äußerte an seinem Todestag den Wunsch, an seinem Grab nach jüdischem Brauch das Kaddisch, das Gebet für die Toten  beten zu dürfen.
 
Benedikt XVI. sprach Von Galen 2005  selig. Er sagte: „Von Galen trat in einer unmenschlichen Zeit als Anwalt der göttlichen Rechte und der Menschenwürde auf und wurde für Menschen aller Konfessionen und Rassen zum Bezugspunkt im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. … Die Briefe zwischen Papst Pius XII. und Clemens August Galen sind für alle zu ‚Meilensteinen eines neuen Deutschland’ geworden.“
 
Quellen
wikipedia.de; www2.bistum-augsburg.de; heiligenlexikon.de; evangeliumtagfuertag.org; orthpedia.de; mittelalter-lexikon.de; vaticannews.va und andere
 
Tagesheilige