
Erste seliggesprochene Christin Madagaskars;
verheiratet, Witwe, Laienmissionarin, Gemeindeleiterin
Viktoria (Raschou) Rasoamanarivo (1848-1894) übte eine Leitungsrolle in der Kirche aus, die damals fast ausschließlich von Männern geprägt war – prophetisch für die Betonung der Laien in der Kirche gemäß dem 2. Vatikanischen Konzil.
„Viktoria verdeutlicht die Stellung, die den Frauen in der Kirche zukommt.“ Johannes Paul II., 30.4.1989
Name
Viktoria Rachou oder Victoire Rasoamanarivo (abgekürzt Rasoa, ausgesprochen „Rachou“)
Gedenktag
21. August
Lebensdaten
Geboren: 1848 in Antananarivo, Madagaskar; gestorben am 21. August 1894 ebendort.
Zeitgenossen
• Katharina Drexel (1858–1955) – Gründerin für die Evangelisierung benachteiligter Bevölkerungsgruppen in den USA.
• Thérèse von Lisieux (1873–1897) – „kleiner Weg“ des Vertrauens und der Liebe.
• Joseph Freinademetz (1852–1908) – Südtiroler Missionar in China.
• Daniel Comboni (1831–1881) – großer Missionar Afrikas.
• Katharina Drexel (1858–1955) – Gründerin für die Evangelisierung benachteiligter Bevölkerungsgruppen in den USA.
• Thérèse von Lisieux (1873–1897) – „kleiner Weg“ des Vertrauens und der Liebe.
• Joseph Freinademetz (1852–1908) – Südtiroler Missionar in China.
• Daniel Comboni (1831–1881) – großer Missionar Afrikas.
• Pius X., (1835–1914) - Papst.
Lebensgeschichte
Lebensgeschichte
Victoire Rasoamanarivo wurde am 21. November 1848 in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, geboren. Sie entstammte der königlichen Familie der Merina, einer hochgestellten Dynastie des Landes.
Mit dreizehn Jahren erlebte sie den Tod von Königin Ranavalona I. und die Thronbesteigung ihres Sohnes Radama II., der erstmals katholischen Missionaren erlaubte, sich in Madagaskar niederzulassen. Ende 1861 kamen Jesuiten nach Antananarivo, begleitet von zwei Schwestern des Heiligen Josef von Cluny. Am 14. November 1861 eröffneten sie die erste katholische Mädchenschule der Hauptstadt. Zu den ersten Schülerinnen gehörte die junge Rasoamanarivo.
Schon damals fiel sie durch Ernst, Hingabe und ihre Leidenschaft für religiöse Bildung auf. Nach einer achtzehnmonatigen Vorbereitung empfing sie am 1. November 1863 im Alter von fünfzehn Jahren die Taufe zusammen mit 25 weiteren Personen, darunter auch Familienangehörige. Sie nahm den Namen Victoire an. Ihre Patin war Schwester Gonzague, die Oberin der Schwestern. Bereits drei Monate später, am 17. Januar 1864, empfing sie die Erstkommunion. Das große Fest in der Kirche von Andohalo erregte Aufsehen, da auch Protestanten und Nichtchristen anwesend waren, die den Aufschwung des Katholizismus mit Skepsis betrachteten.
Am 13. Mai 1864 heiratete Victoire ihren Cousin Radriaka, den ältesten Sohn des Premierministers Rainilaiarivony. Es war eine arrangierte Ehe. Ihr Mann teilte ihren Glauben nicht und führte ein unordentliches Leben.
Währenddessen gewann der Protestantismus in Madagaskar an Einfluss. Ab 1867 wurde er unter Königin Ranavalona II. Staatsreligion, und Katholiken gerieten zunehmend unter Druck. Innerhalb der Familie wurde Victoire wiederholt bedrängt, zum Protestantismus zu konvertieren, besonders durch ihren Onkel Rainimaharavo. Doch sie widerstand unbeirrt. Unterstützung erhielt sie vor allem von ihrem Cousin Antoine Radilofera sowie von ihrer vertrauten Sklavin Rosalie.
Mit zwanzig Jahren bezog Victoire ihr eigenes Haus in der Nähe des königlichen Palastes. Sie verband die Pflichten als Hofdame mit einem einfachen Lebensstil, intensiver Gebetspraxis und karitativen Werken. Trotz anfänglicher Ablehnung gewann sie mit der Zeit durch ihre Güte, Hilfsbereitschaft und moralische Autorität den Respekt der Gesellschaft – sogar in protestantisch oder heidnisch geprägten Kreisen.
Wirken in Kirche und Gesellschaft
1876 begann unter Pfarrer Causseque eine neue Blütezeit der katholischen Mission in Antananarivo. Er gründete die Zeitschrift Resaka, rief die „Katholische Union“ ins Leben und baute die Kongregation der Heiligen Jungfrau Maria auf, die sich der Armen- und Leprafürsorge widmete. Victoire trat dieser Vereinigung bei und unterstützte auch großzügig den Bau der Kathedrale von Antananarivo.
Eine große Bewährungsprobe kam 1883 mit dem Ausbruch des ersten französisch-madagassischen Krieges. Den Missionaren wurde die Ausreise befohlen; die katholische Gemeinde stand plötzlich ohne Leitung da. Pfarrer Causseque übertrug Victoire die Verantwortung, die Gläubigen zu führen und zu stärken.
Victoire erwies sich als mutige Führerin: Sie setzte sich erfolgreich bei den Behörden für die Wiederöffnung der Kirchen ein, unterstützte die Lehrer in den Dörfern, organisierte Versammlungen und stärkte die bedrängte Gemeinde. Gemeinsam mit der Katholischen Union, unter der Leitung des jungen Paul Rafiringa, gelang es ihr, den Glauben lebendig zu erhalten.
Viele Katholiken verdankten ihr in dieser Zeit Schutz und Rettung – Lehrer, die unrechtmäßig inhaftiert worden waren, ebenso wie Gläubige, die von Protestanten vor Gericht gezogen wurden.
Als die Missionare am 29. März 1886 zurückkehrten, wurde Victoire feierlich als jene vorgestellt, die die Kirche während der Verfolgung durch ihr Ansehen und ihre Tatkraft zusammengehalten hatte.
Ehe und persönliche Bewährung
Ihr sehnlichster Wunsch war es, dass ihr Mann Radriaka den Glauben annahm. Lange Zeit widersetzte er sich, doch nach einem Unfall ließ er sich am 14. März 1888 von seiner Frau taufen, wenige Stunden vor seinem Tod. Für Victoire war dies die Erfüllung jahrelangen Gebets und Leidens.
Von da an führte sie ein zurückgezogenes, vom Gebet bestimmtes Leben. Sie widmete sich weiterhin den Armen, Kranken und Gefangenen.
Krankheit und Tod
Ab 1890 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. 1893 zog sie sich in das Missionsgelände von Ambohipo zurück. Am 21. August 1894 starb Victoire Rasoamanarivo im Alter von nur 45 Jahren.
Ihr Begräbnis in der Kathedrale von Antananarivo wurde zu einem großen Ereignis. Drei Tage später wurde sie in der Familiengruft von Isotry beigesetzt.
Verehrung
Schon bald galt Victoire als Vorbild für die Kirche Madagaskars. 1931 eröffnete Bischof Fourcadier den Seligsprechungsprozess.
Am 30. April 1989 sprach Papst Johannes Paul II. sie während seiner Reise nach Madagaskar im Beisein von über 500.000 Gläubigen selig – die erste Seligsprechung auf madagassischem Boden.
Seit 1993 ruhen ihre Gebeine in einer Kapelle der Kathedrale von Antananarivo. Heute ist etwa ein Viertel der Bevölkerung Madagaskars katholisch.
Bedeutung
Victoire Rasoamanarivo gilt als Patronin der katholischen Laien in Afrika,
von Frauen in schwierigen Ehen,
des Durchhaltevermögens in Zeiten der Verfolgung.
des Durchhaltevermögens in Zeiten der Verfolgung.
Ihr Leben zeigt, wie tief der christliche Glaube in afrikanische Kulturen hineinwachsen kann, ohne deren Wurzeln zu zerstören.
Sie war eine Heilige des Alltags, ganz in der Linie der kleinen Heiligen wie Thérèse von Lisieux, mit der sie nahezu zeitgleich lebte.
Quellen
vgl. Bistum Augsburg; wikipedia; Dictionnaire Biographique des Chrétiens d‘Afrique u. a.