Kapelle St. Gallus, Raßbach

 
  
 
Blick auf Raßbach und die Galluskapelle
 

Die Galluskapelle (12. Jh) im Ortsteil Raßbach von Untermettingen ist ein uralter Wallfahrtsort im Landkreis Waldshut.
 
Geschichte
Der Baustil lässt karolingische Zeit also das 8. Jahrhundert vermuten.
 
Der kleine Weiler Raßbach war bis 1806 fürstenbergisch und gehörte zur Landgrafschaft Stühlingen.
 
Raßbach, Löhningen und Hagnau waren einst Teile der Pfarrei Schwerzen. Der Ort Raßbach findet erstmals um 1152 im Thurgauer Urkundenbuch Erwähnung.

Die im 12. Jahrhundert erneuerte romanische Kapelle ist eines der ältesten Gotteshäuser im Südschwarzwald. Es haben sich in der kleinen Apsis einige Fresken erhalten, auch der Altarstein ist vermutlich ursprünglich.
 
Um 1700 Erneuerung der Kapelle

Im 20. Jahrhundert Renovation der Kapelle
 
  • Quellen
    Pfarrei St. Johannes d. T. Schwerzen. Pfarrei St. Johannes, Schwerzen (Hrsg.), 1992.
  • Albert Krieger, Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, 1905
  • Wikipedia hier...

 

Patron

Der heilige Gallus gehörte zu zwölf Mönchen, die um das Jahr 550 aus Irland als Glaubensboten kamen, zusammen mit dem heiligen Kolumban (23.11.) Zuerst missionierten sie in Gallien, dann kamen sie zu den Alemannen in das Gebiet nördlich und südlich der Alpen.

Kolumban zog weiter nach Italien, Gallus blieb südlich des Bodensees, dem heutigen St. Gallen zurück. Im Lauf der Zeit wurde der Einsiedler zu einem begehrten Ratgeber für das Volk. Alle Anträge, Bischof oder Abt zu werden, lehnte er ab. Am 16. Oktober 640 starb er.

Über dem Grab des Glaubensmannes entstand in der Folge das Kloster St.Gallen und schließlich wurden auch die entstehende Stadt und Kanton in der heutigen Schweiz nach ihm benannt.

Namensbedeutung

der Gallier (lateinisch)

Darstellung
als Mönch, Pilger, mit einem Bären

Patron

der Stadt und des Kantons St. Gallen

Gedenktag  

16. Oktober

 

Mehr zur Geschichte
(vgl. gallus.net)
 
Der Weiler Raßbach der Ortschaft Untermettingen besteht nur aus ein paar wenigen Häusern und Höfen.
 
Im 12. Jahrhundert, in dem Raßbach erstmals urkundlich erwähnt wird, könnte auch der Bau der ersten Steinkirche erfolgt sein, die bis heute ziemlich ursprünglich erhalten geblieben ist. 
 
Renovierungsarbeiten im Jahr 1967 haben in der Apsis romanische Fresken zu Tage gefördert. Recht gut erhalten hat sich im unteren Wandbereich ein Vorhangmotiv, während die darüber liegende Darstellung der Majestas Domini, umgeben von den vier Evangelistensymbolen, nur fragmentarisch erhalten ist.
 
 
Unklar bleiben die Gründe für die Wahl des Patroziniums, das erst 1731 erwähnt wird. Hauptpatron war damals Sankt Gallus, Nebenpatrone die Heiligen Erasmus und Antonius (der Einsiedler).
 
Im 12. Jahrhundert entstanden auch außerhalb des direkten Einflussbereichs des Klosters St.Gallen mehrere Galluskirchen, die auf die Vermittlung von Reliquien durch St.Galler Äbte (Werinher) an adlige Kirchengründer zurückgehen könnten.
 
Die beiden Nebenpatrone haben sich vielleicht erst im Laufe der Zeit zu Sankt Gallus gesellt, und zwar dem Bedürfnis der ländlich-bäuerlichen Bevölkerung nach umfassendem Schutz folgend. Sankt Gallus wurde bei Fieberkrankheiten angerufen, blieb sonst aber eher ein nüchterner, intellektueller Heiliger. Mit Erasmus und Antonius ergänzten ihn in Raßbach zwei ausgesprochen volkstümliche Patrone. Erasmus gehört zu den vierzehn Nothelfern und wird unter anderem bei Beschwerden in Bauch und Unterleib, bei Geburten sowie gegen Viehkrankheiten angerufen. Antonius ist der Patron der Bauern und ihres Nutzviehs, hilft bei Furunkeln und Abszessen und sollte die Menschen darüber hinaus vor dem gefürchteten ›Antoniusfeuer‹ (Mutterkornvergiftung) sowie anderen Seuchen bewahren.
 
Ihre Patrone machten die Raßbacher Kapelle zu einem beliebten Wallfahrtsort in der Region. Über die Raßbacher Wallfahrt unterrichtet uns 1731 der Untermettinger Pfarrer Joseph Frey.
 
1694, als Raßbach von der alten Mutterpfarrei Schwerzen im Wutachtal der Pfarrei Untermettingen zugeteilt wurde, wird die Sankt Gallus-Kapelle als ›reich‹ bezeichnet.
 
Die Baugeschichte der Raßbacher Sankt Gallus-Kapelle bleibt weitgehend im Dunkeln. Die Bausubstanz ist romanisch, die freigelegten Fresken in der Apsis könnten im 12. Jahrhundert entstanden sein. Eine Umgestaltung der Kapelle dürfte in der Barockzeit erfolgt sein, als die Raßbacher Wallfahrt ihren Höhepunkt erlebte. Das Retabel des einstigen Choraltars, das anlässlich der 1967 erfolgten Umgestaltung des Chorraums einen Platz an der nördlichen Langhauswand gefunden hat, trägt die Jahreszahl 1700, gleich wie die Mensa des ebenfalls 1967 neu platzierten Altartischs. Dies könnte auf einen Umbau der Kapelle in dieser Zeit hinweisen. Möglicherweise wurden damals auch die ursprünglichen romanischen Fenster vergrößert und das Fenster in der Apsis (das 1967 wieder geöffnet wurde) zugemauert.
 
Mehr und eine Bildergalerie zur Kapelle auf der Seite gallus.net