Die Pfarrkirche in Riedern am Wald ist dem hl. Leodegar geweiht.
Leodegar wurde bei seinem Onkel, Bischof Dido von Poitiers, ausgebildet, zum Diakon geweiht und zum Archidiakon ernannt, dann 653 Abt im Kloster St. Maixent in Poitiers und 659 Bischof von Autun.
Sein Gedenktag ist am 02.10.
Ortsgeschichte
Die Ortschaft Riedern am Wald wird heute durch das Barock-Gebäude der ehemaligen Propstei der Augustinerchorherren geprägt. an das Gebäude schließt sich die Propsteikirche mit einem Dachreiter für 4 Kirchenglocken an. Die Kirche ist dem heiligen Märtyrer St. Leodegar - einem Lieblingsheiligen der Augustinerchorherren - geweiht. Die Propstei war mit maximal 4 Priester besetzt, die die Verwaltung für die umliegenden Dörfer und weiterer verstreut liegender Güter ausübten.
Bis Ende des 18 Jh. existierte in Riedern im südlichen Ortsteil ein Frauenkloster für 20 Nonnen das 1247 gegründet wurde. Die Kirche des Frauenklosters mit Turm war zugleich die Pfarrkirche der Gemeinde. Durch die Säkularisation 1803 wurde dieses Kloster aber aufgelöst und Kirche und Klostergebäude abgebrochen. Nur das ehemalige Verwaltungsgebäude mit 6 stöckigen Giebel ist bis heute erhalten. Es befindet sich in Privatbesitz. Nach der Aufhebung des Frauenklosters wurde die Prosteikirche der Augustinerchorherren zur Pfarrkirche.
Die Propstei bzw. das Augustinerchorherrenstift von Riedern a. w. wurde Anfang des 12. Jahrhunderts von Marquard von Krenkingen-Weissenburg ursprünglich in Detzeln bei Tiengen (Waldshut-Tiengen) gründete aber bald Ende des 12. Jh. nach Riedern am Wald verlegt. Stift und Kirche fielen mehrmals Brandkatastrophen zum Opfer so 1504 und 1740.
1812 wurde das Augustinerchorherrenstift das zum Stift Kreuzlingen am Bodensee gehörte aufgelöst, die verschiedenen Gebäude aber an Privatpersonen und das sogenannte Klostergebäude an zwei Basler Bürger verkauft. Die St. Leodegar-Kirche aber wurde Pfarrkirche. Sie ist, wie das Propsteigebäude nach einem Großbrand, zwischen 1738 und 1742 erbaut. 1749 erfolgte die Kirchweihe.
1968 wurden alle Teilgebäude der einstigen Propstei in denen die Schule und das Rathaus untergebracht waren durch die Katholische Pfarrei St. Leodegar gekauft und Ende der 1990er Jahre saniert. Die Räume des Obergeschoßes wurden zu einem kleinen Museum für sakrale und historische Gegenstände aus der Zeit der Prostei, einem Klassenzimmer aus der 1. Hälfte des 20.Jahrhunderts und für moderner Gemälde lokaler Künstler umgestaltet.
| 1214 | Urkundliche Erwähnung der Augustinerchorherrenstift durch Papst Innonzenz III. zuerst mit Sitz in Detzeln. | |
| 1618-1648 | Verwüstung während des 30-jährigen Krieges | |
| 1648 | Wiederaufbau des Stiftes | |
| 1651 | Inkorporation als Propstei in das Augustinerchorherrenstift Kreuzlingen | |
| 1740 | Grossbrand. Stift und Kirche werden vollständig zerstört. | |
| 1740-49 | Das "neue" Riedern entsteht. | |
| 1749 | Kirchweihe | |
| 1812 | Auflösung und Teilverkauf der Propsteigebäude | |
| 1968 | Erwerb von Teilen der Propsteigebäude die in den Besitz der politischen Gemeinde Riedern a.W. gelangten. (Die politische Gemeinde Riedern a.W. wurde 1975 durch eine Gemeindereform Teil der Gemeinde Ühlingen-Birkendorf) durch die Pfarrei bzw. Kirchengemeinde St. Leodegar (jetzt Kirchengemeinde Oberes Schlüchttal). | |
| seit 1998 | Bemühung der Pfarrei und Kirchengemeinde die Klostergebäude zu erhalten und sie neben der Nutzung zu pastoralen Zwecken auch als Ort für kulturelles Leben zur Verfügung zu stellen. |
Zwei wichtige Äbte des Chorherrenstiftes Kreuzlingen
Johann Baptist Dannegger (*24. Juni 1682 in Rottweil; † 24. August 1760 in Kreuzlingen) war von 1725 bis 1760 Abt des Chorherrenstifts Kreuzlingen zu dem die Propstei Riedern gehörte. Johann Baptist Dannegger legte 1707 seine Profess bei der Ordensgemeinschaft der Augustiner-Chorherren im Kreuzlingen ab.
1725 wurde er zum Abt des regulierten Chorherrenstifts Kreuzlingen gewählt. Dannegger strukturierte das klösterliche Leben neu und konnte über 30 neue Ordensbrüder aufnehmen. Er engagierte er sich für den Neuaufbau der Propstei Riedern am Wald, die 1740 bei einem Brand zerstört wurde. Als Inhaber der seit 1749 reichsunmittelbaren Herrschaft Hirschlatt, die zu Kreuzlingen gehörte, wurde Dannegger zu den Reichstagen einberufen. Zu seinem Nachfolger wurde 1760 der aus dem Kloster Riedern am Wald, stammende Prosper Donderer gewählt.
Prosper Donderer (*5. Mai 1715 in Wald-Michelbach; † 26. Juni 1779 in Kreuzlingen) war Abt des Chorherrenstifts Kreuzlingen von 1760 bis 1779. Donderer studierte an der Universität Dillingen und der Universität Augsburg. 1731 trat er dem Augustiner-Chorherrenstift in Kreuzlingen bei. 1732 legte er seine Profess ab und empfing 1738 die Priesterweihe.
Donderer wurde zunächst Propst in Riedern am Wald. 1760 wurde er als Nachfolger von Johann Baptist Dannegger zum Abt des Stiftes Kreuzlingen gewählt. Neben Aufgaben im Leben des Stifts und der Bildung war er in die Seelsorge von 9 benachbarten Pfarreien eingebunden. Er engagierte sich für den Ausbau der Bibliothek und der Stiftsschule sowie zahlreiche bauliche Maßnahmen. Er gestaltete Kirche und Stift in Kreuzlingen im Rokokostil um.
Orgel
Die Orgel wurde 1881 von der Ludwigsburger Traditionswerkstatt E. Fr. Walcker & Cie erbaut. Nach vielen Dienstjahren wurde sie in den späten 60er Jahren tiefgreifend umgebaut.
2009 sollte die Orgel nun erneut restauriert werden. Allerdings standen dabei die Reorganisation und der qualifizierte Rückbau der Orgel im Mittelpunkt.
Walcker-Orgeln genießen bis heute ein weltweites Ansehen, Bauart und Technik gelten noch immer als ausgereift.
In Riedern bemühten sich die Experten auch deshalb, die alte Substanz bestmöglich zu erhalten. Um dieses Projekt erfolgreich abschließen zu können, unterstützte die Erzbischof Bernhard Stiftung die Kirchengemeinde.


