Kapelle St. Jakobus

 
Zur Geschichte der Kapelle
An der Verbindungsstraße von Ühlingen nach Untermettingen steht im Gewann Bildäcker die Jakobus-Kapelle. Seit rund 180 Jahren wurden an 3 Sonntagen vor dem Fest des Apostel Jakobus (25.07.) von der Gemeinde Ühlingen Flurprozessionen zur Kapelle durchgeführt.
Die Kapelle wurde gebaut, nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts ein schweres Unwetter im Raum Ühlingen die gesamte Ernte vernichtet hatten. In einem Gewann, das heute noch "Gibt mir nichts" heißt, wurde der gute Boden zu Tal geschwemmt. Damit sich eine solche Katastrophe nicht mehr wiederholen möge, hat der damalige Gemeinderat 1835 unter Bürgermeister Ferdinand Kech ein Gelübde abgelegt, an den drei Sonntagen vor dem Festtag des Apostel Jakobus (25.07.) Bittprozessionen zu dieser Kapelle durchzuführen. Jede Familie des Dorfes wurde verpflichtet, mit wenigstens einer Person an der Prozession teilzunehmen.
 
Relief von Erich Rastätter
Die Kapelle, wie sie heute auf der Höhe zwischen Ühlingen und Untermettingen - zwischen Schlücht- und Steinatal - steht, wurde im Jahre 1980 von Grund auf renoviert. Zuvor fand die letzte Erneuerung in den Jahren 1946/47 statt. Die Kosten der Renovation im Jahre 1980 wurden, eingedenk des Gelübdes der Ühlinger Bürger von 1835 größtenteils aus Spendengeldern finanziert. Weit über die Grenzen Ühlingens hinaus bekannt ist das Steinrelief über der Eingangstür mit den drei Totenschädeln und Inschrift: "Sag mir Beschauer, wer war König, wer Bettler, wer Bauer", das vom Ühlinger Künstler Erich Rastätter (1910-1982) angefertigt wurde. 
 
Altarbild
Die Zahl der Bürger, die die alte Tradition des Gelübte aufrechterhalten haben, wurde von Jahr zu Jahr kleiner bis die Prozession ganz ausfiel. 2016 hat die Ortschaftsverwaltung Ühlingen, unter Ortsvorsteher Klaus Müller, die alte Tradition wieder ins Leben gerufen. Statt der Prozession findet heute ein Gottesdienst an der Kapelle statt.
 
Der Apostel Jakobus (der Ältere)
Jakobus, der Sohn des Zebedäus und der Salome und der Bruder von Johannes dem Evangelisten, war einer der ersten der zwölf Apostel die Jesus aus der Schar seiner Jünger berief (Mt 4,21). Nach der Auferstehung Jesu hat er wahrscheinlich in Jerusalem und Samaria das Evangelium verkündet. König Herodes Agrippa (Enkel von Herodes dem Großen) ließ Jakobus durch das Schwert ermorden aufgrund der Anschuldigung fanatischer Einwohner von Jerusalem. Als erster der 12 Apostel erlitt Jakobus das Martyrium um Ostern 44.
 
Die Legende erzählt, dass Jakobus auf dem Weg zu seinem Hinrichtungsplatz einen Gelähmten, der ihn zu sich rief, heilte. Daraufhin fiel einer seiner Henker, der Pharisäer Josias, vor ihm auf die Knie und bekannte sich zu Jesus Christus. Deshalb wurde auch er mit Jakobus hingerichtet. Anscheinend bat der Apostel, der als erster der Zwölf als Märtyrer starb, vor seinem Tod noch um Wasser, um Josias damit noch vor seinem Tod zu taufen.
 
Die Gebeine des Heiligen wurden im 10. Jahrhundert nach Santiago de Compostela ("St. Jakob im Sternenfeld") gebracht. Diese Stadt in Galizien (Nordspanien) war im Mittelalter vor Jerusalem und Rom der meistbesuchte Pilgerort und ist heute noch Ziel vieler Gläubigen.
 
Der liturgische Gedenktag des Heiligen Jakobus ist der 25.07.