Kapelle St. Augustinus, Mettenberg

 

Bis zur Säkularisation gehörte der Ortsteil Mettenberg (250 Einwohner) zur Pfarrei St. Leodegar und Kirchspiel Riedern am Wald. Dort bzw. zuerst in Detzeln bei Tiengen hatte das Augustiner-Chorherren Kloster von Kreuzlingen am Bodensee 1190 eine Propstei errichtet und die Verwaltung und Seelsorge für ein knappes Dutzend kleiner Dörfern und Gehöfte in dem weitläufigen Gebiet zwischen Schlüchttal und Mettmatal ausgeübt. 

Seit 1980 gehört Mettenberg zur Pfarrei St. Fides Grafenhausen. Das Alter der Kapelle ist nicht bekannt, aber schon die Vorgängerin der Kapelle war dem heiligen Kirchenvater und Kirchenlehrer Augustinus geweiht, dessen Gedenktag die Kirche am 28. August feiert.

  

Der Heilige Bischof Augustinus

 
I.
Augustinus, ist der bedeutendste und im christlichen Abendland einflußreichste Kirchenvater, ein Menschen voller Leidenschaft, der sich ebenso durch höchste Intelligenz wie – nach der Bekehrung – durch großen Glaubenseifer auszeichnete und der sich als Bischof in einem unermüdlichen seelsorglichen Einsatz bewährte.
 
Unter dem enormen Umfang der von ihm überlieferten Bücher, Predigten und Briefe tritt vor allem das autobiographische Werk der »Bekenntnisse« hervor, das zu einem Modell für Autobiographien bis in die Neuzeit herein geworden ist. Darin schildert er seine bewegte Jugend, wie er zunächst von Monika, der Mutter, in den Glauben hineinwächst, ihn dann verliert, nach Neuem sucht, immer auf dem Wege bleibt und schließlich wieder auf mühsamen Wegen in die Kirche hineinfindet.
 
Augustinus kam im Jahre 354 in Thagaste in Numidien, dem heutigen Algerien, zur Welt. Sein Vater Patrizius war Heide, dann Katechumene. Seine Mutter, die hl. Monika, war dagegen eine eifrige Christin, die Augustinus und seine Geschwister – er hatte einen Bruder und eine Schwester, die dann als Witwe Nonne und Äbtissin geworden ist – im christlichen Glauben unterwies. Er erhielt eine sehr gute Ausbildung in der Rhetorik, die damals eine der wichtigsten wissenschaftlichen Disziplinen war und in der er selber ein gefeierter Lehrer wurde. Er hat allerdings beklagt, daß er als Schüler im Griechischen faul war, denn später als Bischof hätte er es gut brauchen können. Aber da war es zu spät.
 
Die Suche nach einer rechten »Lebensphilosophie« führte Augustinus zunächst zum Manichäismus, zu einem System, das erklärte, die Welt beruhe auf zwei Prinzipien, dem guten und dem bösen; so lasse sich alles erklären. Und die Moral sei zweigeteilt: für die Erwählten, die auf der Höhe angekommen sind, sehr streng und für die anderen auf der Vorstufe etwas lockerer. Und da er sich auf der Vorstufe fühlte, war dies für ihn sozusagen eine angenehme religiöse und philosophische Beheimatung.
 
In seiner beruflichen Laufbahn kam er über Rom schließlich nach Mailand, in eine bedeutende Position als Rhetor am Kaiserhof. Unter dem Eindruck der Predigten des Bischofs Ambrosius bekehrte er sich aber und wurde in der Osternacht 387 getauft. Daraufhin entschloß er sich, in seine Heimat zurückzukehren; unterwegs erlitt er einen großen Schmerz durch den Tod seiner Mutter, die hier in Ostia, im damaligen Hafen von Rom, gestorben ist und begraben wurde. Er gründete zu Hause eine klösterliche Gemeinschaft, eigentlich eine Philosophengemeinschaft mit christlichem Grund, wurde aber bei einem Aufenthalt in Hippo während des Besuchs der Eucharistiefeier zu seiner Überraschung vom betagten Bischof Valerius nach vorn beordert, der sagte: Ich brauche schon lange einen Priester, der gut predigen kann – der Bischof konnte es nämlich nicht –, und so weihte er ihn zum Priester.
 
Augustinus hatte gedacht, er sei nur zur Philosophie berufen, und er litt zunächst, als man ihm das pastorale Amt, das Priestertum, verlieh. Aber ist dann ganz hineingewachsen, wurde 395 Bischof, wirkte fast 40 Jahre segensreich dort und starb 430 während der Belagerung der Stadt durch die Vandalen.
 
II.
Im Jahr 426, vier Jahre vor seinem Tode, bestimmte Augustinus in einer Versammlung der Gläubigen seinen Nachfolger, den Priester Eraclius. Er selbst wollte sich in den ihm verbleibenden Jahren vermehrt dem Studium der Heiligen Schrift widmen. So folgten in der Tat vier Jahre einer außergewöhnlichen intellektuellen Tätigkeit, die die Vollendung wie Inangriffnahme bedeutender Werke sah, ebenso öffentliche Diskussionen mit Häretikern und Bemühungen um die Förderung des Friedens in den afrikanischen Provinzen. Die Hoffnung auf Frieden wurde jedoch enttäuscht, als die Vandalen von der Straße von Gibraltar her Nordafrika zu erobern begannen und schließlich im Jahr 430 die Stadt Hippo belagerten.
 
Trotz seines Alters war Augustinus an vorderster Front tätig und bestärkte die leidgeplagte Bevölkerung im Vertrauen auf den geheimnisvollen Plan der göttlichen Vorsehung. Er erinnerte daran, daß der Christ angesichts des Unheils nicht verzagen darf, sondern sich bemühen muß, der Not Abhilfe zu leisten. Hippo war Zufluchtsort vieler schutzsuchender Menschen, und Augustinus hatte die Bischöfe, die vor den Barbaren fliehen mußten, in sein Haus aufgenommen. Unter ihnen war auch Possidius, sein späterer Biograph, der uns ein direktes Zeugnis dieser letzten dramatischen Tage hinterlassen hat. Im dritten Monat der Belagerung Hippos erkrankte Augustinus schwer. Im Bewußtsein, daß niemand „ohne eine angemessene und zutreffende Buße aus dem Leben scheiden kann“, verbrachte er seine letzten Lebenstage in intensivem Gebet und ließ sich dazu die Bußpsalmen Davids an die Wand vor seinem Bett heften. Am 28. August 430 schließlich fand das Herz dieses großen Bischofs und Kirchenlehrers seine Ruhe in Gott.
 
Eine Frage, die Augustinus zeit seines Lebens sehr beschäftigt hat, war die des Verhältnisses zwischen Glaube und Vernunft. Er betonte, daß der Glaube der Vernunft niemals entbehren dürfe, aber auch umgekehrt die Vernunft den Glauben braucht. Der Einklang zwischen Glaube und Vernunft ist nötig, um in der Erkenntnis Gottes voranzuschreiten und das Ziel des ewigen Heils zu erreichen. Die innere Wechselbeziehung von Glaube und Vernunft läßt uns bewußt werden, daß Gott im Innersten unseres Ichs erkannt und gefunden werden kann. Das ist die andere große Frage, die Augustinus unaufhörlich bewegt hat: die Beziehung zwischen Gott und Mensch.
 
In den Bekenntnissen stellt Augustinus sich die zweifache Frage: „Was bist du mir, Gott? … Was bin ich dir?“ In seinem Innersten, dort wo die Wahrheit und die Liebe Raum finden, erfährt der Mensch die Gegenwart Gottes. „Du aber warst noch innerer als mein Innerstes und höher als mein Höchstes“ (Conf. III,6,11). In einer ähnlich intensiven Weise ist Christus, der einzige Mittler des Heils, in der Kirche gegenwärtig. Deshalb liebt Augustinus das Bild der Kirche als Leib Christi. Sie ist der Ort einer inneren Gemeinschaft mit Christus: „Er betet für uns als unser Priester, er betet in uns als unser Haupt, wir beten zu ihm als unseren Gott. In ihm wollen wir unsere Stimme hören und seine Stimme in uns“ (En. Ps. 85,1). Der ganze Christus, Christus und die Kirche, sind eine einzige mystische Person, die den Menschen das Heil bringt.
 
IV.
Augustinus selbst hat wenige Jahre vor seinem Tod eine kritische Übersicht seiner Schriften erstellt, die er „Retractationes“ nannte und die uns Aufschluß über die Entstehung der Werke wie auch über die Entwicklung seines Denkens gibt. Eine Liste der Werke findet sich auch im Anhang an die von seinem Freund Possidius verfaßte Vita des Bischofs von Hippo. Unter seinem reichen literarischen Schaffen ragen einige Werke in besonderer Weise hervor, die großen Anklang und Erfolg gefunden haben. Dazu zählt seine autobiographische Schrift der „Confessiones“, die nicht nur als Bekenntnisse Einblick in das innere Leben Augustins gewähren, sondern vor allem eine Anerkennung des gütigen Wirkens Gottes sind.
 
Die 22 Bücher des Gottesstaates „De civitate Dei“ hingegen übten einen entscheidenden Einfluß auf das politische Denken im Abendland und auf die christliche Geschichtstheologie aus.
 
Ebenso bedeutend ist sein großes Werk über die Dreifaltigkeit „De Trinitate“, das er im Laufe von 14 Jahren verfaßt hat.
 
Als Seelsorger lag Augustinus die Verbreitung der christlichen Botschaft und die Verkündigung für die Gläubigen besonders am Herzen. Davon zeugen unter anderem seine unzähligen Predigten und Briefe. Mit seinem Wirken und in seinen Schriften hat dieser Kirchenvater in der Tat großen und andauernden Einfluß auf die Theologie und die geistesgeschichtliche Entwicklung des Abendlandes ausgeübt.
 
V. Der Weg seiner Bekehrung
Augustinus schreibt in den „Bekenntnissen“, seiner faszinierenden Autobiographie, daß er von seiner Mutter, der heiligen Monika, von Kind an in den christlichen Glauben eingeführt wurde. Selbst in seinen ungestümen Jugendjahren fühlte er sich im Innersten stets von Christus angezogen, auch wenn seine leidenschaftliche Suche nach der Wahrheit manche persönliche und denkerische Um- und Abwege durchlief.
 
Nach einer entscheidenden Begegnung mit der Gnade Gottes in der Heiligen Schrift gelingt es ihm schließlich, die Versuchungen des Fleisches zu überwinden und sich aus ganzem Herzen für Christus zu entscheiden und die Taufe zu empfangen. Doch die Vorsehung Gottes führte ihn gleichsam noch zu einer zweiten Bekehrung und stellte ihn nach drei Jahren monastischen Lebens als Priester und Bischof in den Dienst seiner Mitchristen.
 
Auch als bekannter Lehrer und Bischof bewahrte Augustinus stets eine tiefe Demut vor dem einzigen Herrn Jesus Christus. Dieses tägliche Streben nach Bekehrung zeigt sich auch darin, daß er seine großen theologischen Überlegungen ganz bewußt dem einfachen und reinen Glauben der Kirche unterordnen wollte.
 
(Zusammenfassung aus fünf Ansprachen von Benedikt XVI. 2008 bei den Mittwoch-Audienzen)