Die Ortschaft Grafenhausen
Im 9. Jahrhundert begann durch Mönche des Klosters Rheinau und nach der Gründung des Klosters St. Blasien im Jahr 850 die Besiedlung des Schwarzwaldes.
Um die Jahrtausendwende wurde die Verwaltungsordnug durch Adelsgeschlechter weiter geordnet.
Bedeutend für die Entstehung der Ortschaft Grafenhausen war das Geschlecht der Grafen von Nellenburg, deren Stammsitz in der Nähe von Stockach am Bodensee lag. In dem Geschlecht dieser Grafen sind Kaiser und Könige und Papst Leo IX. zu finden.
Graf Eberhard III. von Nellenburg gründet 1050 das Kloster Allerheiligen in Schaffhausen und konkurrierte damit mit dem Kloster St. Blasien und andern kirchlichen und weltlichen Herrschaften im Gebiet des Hochrheins und südlichen Schwarzwaldes.
1050-1078 Beginn der Gründung einer Siedlung in Grafenhausen durch Graf Eberhard III. Die Gründung Grafenhausen unterstellte er der Verwaltung durch das Kloster Allerheiligen.
1078 stirbt Graf Eberhard der III.
1080-1085 Abt Siegfried von Allerheiligen gründet in Grafenhausen eine Klosterzelle, ein Benediktinerinnenkloster als Tochterkloster des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Das Kloster wurde der heiligen Fides geweiht. Die hl. Fides ist bis heute die Schutzpatronin der Pfarrkirche und Gemeinde.
Das Kloster stand vermutlich an der Stelle der Grundschule. Beim Bau des Schulhauses stieß man auf einen Steinplattenweg, der zur Kirche führte. Es wird vermutet, dass die "Cella ad St. Fidem'' dort stand.
1095 bestätigte Papst Urban II. in einer Bulle den Besitz und das Kloster von Allerheiligen (Siegel einer Urkunde). In dieser Urkunde wird Grafenhausen erstmals urkundlich erwähnt und der Klosterbesitz Allerheiligens beschrieben. Dort heißt es im Text: "In nigra silva in locis Gravenhusin et Schluochsee et monte Stouphin dictis."
1096 weiht Bischof Gebhard der III. (1084-1111) von Konstanz die Frauen-Propstei Grafenhausen ein. Siedlung und Kloster wurden von einem Mönch als Vorsteher betreut. Aus der einfachen Klosterzelle und der Siedlung erwuchs dem Ort eine immer größere Bedeutung. Während die Grundherrschaft und geistliche Herrschaft bei den Äbten von Allerheiligen lag, wurde die Oberhoheit über Grafenhausen bis 1285 vom Hause Nellenburg wahrgenommen.
1125 kommt es zu einem Streit zwischen dem Kloster Allerheiligen und dem Kloster St. Blasien über Grenzfragen der Verwaltungsgebiete.
1164 wird durch ein Schiedsgericht der Grenzstreit beendet. Das Gericht bildeten die Äbte von Engelberg, Salem und Lützel. Das Grenzgebiet zwischen den beiden Klöstern ist der Kamm des Hohenstaufen.
1165 wird der Einfluss eines Adelsgeschlechtes in Signau, eines Nikolaus von Signau erwähnt.
1285 erhält Grafenhausen das Stadtrecht. Vermutlich bekam der Ort die Stadtrechte als Privileg unter der Zugehörigkeit zum Kloster Allerheiligen in Konkurrenz zum Stadtrecht von St. Blasien. Als Stadt durfte sich der Ort befestigen, bekam das Marktrecht und die Gerichtsbarkeit. 1928 stieß man bei Grabungen auf alte Mauerreste, die vermutlich Teile der früheren Stadtbefestigung waren:
- nach Nordosten der Graben der Schlücht
- nach Nordwesten Graben und Wälle
- nach Süden Häuserfront
Noch 1471 wird der Stadtgraben genannt. Grafenhausen spielte eine Rolle als Sitz eines Gerichtes, wo Urteile gesprochen und vollstreckt wurden. Das heutige Wappen der Gemeinde, das die Justitia mit Schwert, Waage und verbundenen Augen zeigt, erinnert an jene Zeit (dabei symbolisiert die Augenbinde die Nichtbeeinflussbarkeit des Gerichtes, das ohne Ansehen der Person ein Urteil fällen soll). Das Haus des Grafen, das ihm als Wohn- bzw. Amtssitz während der Gerichtstermine gedient hat, dürfte dem Ort den Namen gegeben haben.
1285 überträgt Graf Mangola von Nellenburg seine Rechte und damit die Oberhoheit über Grafenhausen an den Abt von Allerheiligen.
1289 Erstmalige Erwähnung von Geroldshofstetten. Dem Namen nach muss Geroldshofstetten einem weitern Adelsgeschlecht zugehört haben, denn mit dem Namen Hofstätten waren immer besondere Rechte und Freiheiten verbunden.
1475 verliert Grafenhausen die Stadtrechte. Die Gründe sind unbekannt. In diese Zeit fällt auch das Ende des Klosters in Grafenhausen, das fast 400 Jahre bestand. Mit der Auflösung des Klosters Allerheiligen in der Reformation fällt Grafenhausen an die Stadtverwaltung von Schaffhausen.
1524/25 Wegen seiner Zugehörigkeit zu Schaffhausen berührte der Bauernkrieg (1524/25) Grafenhausen kaum. Allerdings machte Hans Müller von Bulgenbach als Führer des Stühlinger Aufstandes von sich reden. Er stammte aus dem Ortsteil Bulgenbach von Grafenhausen. Höhepunkt seiner Agitation war die Einnahme der Stadt Freiburg im Mai 1525. Im August des gleichen Jahres durch das Schwert des Scharfrichters von Schaffhausen enthauptet. Sein Leichnam wurde in seinem Heimatort Bulgenbach beigesetzt.
1530 kommt Grafenhausen und Birkendorf zur Herrschaft des Stühlinger Landgrafen Wilhelm und Christoph von Lupfen im Tausch mit den Ortschaften Schleitheim und Beggingen. Die Stadt Schaffhausen behällt sich auf der Gemarkung Grafenhausen das Recht vor, 360 ha Wald zu bewirtschaften, ein Recht, das bis auf den heutigen Tag besteht. Ein eigener Förster des Kantons Schauffhausen betreut den Wald.
1582 kommt Grafenhausen unter die Verwaltung des Freiherren von Mörsperg, der in Bonndorf residiert. Landgraf Heinrich IV. von Stühlingen verstarb kinderlos. Um sein Erbe stritten sich: Kaiser Maximilian II., die Grafen von Sulz, die Fürstenberger, die Mörsperger und die Pappenheimer.
1603 Joachim Christoph von Mörsperg verkauft den Ort zusammen mit anderen Besitzungen an den Erbmarschall von Pappenheim.
1609 Erbmarschall von Pappenheim verkauft Grafenhausen an das 850 gegründete Kloster St. Blasien.
1609/12 Grafenhausen wird von der Herschaft des Klosters St. Blasien verwaltet und seelsorglich betreut.
1622 Eine schwere Brandkatastrophe wütete in Grafenhausen, der neben einer Anzahl Häuser auch die Kirche und die gebäude bei der Kirche zum Opfer fielen. Lediglich der markante Kirchturm mit den Eckquadersteinen überstand die Katastrophe.
1596-1625 Abt Martin I. begann mit dem Bau einer neuen Kirche. Sie konnte vermutlich wegen des Dreißigjährigen Krieges erst 1656 eingeweiht werden.
1634 bekam Grafenhausen auch die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zu spüren, die Plünderungen, Tod und Elend über den Ort brachten. Noch heute erinnern sogenannte Schwedenkreuze in den Fluren der Ortschaft an jene unheilvolle Zeit.
1687 wurde die Pest durch fremde Truppen eingeschleppt, die grausam unter der Bevölkerung wütete. Ein Peststein oder das Pestkreuz mit einem Totenkopf das sich heute in der südlichen Friedhofsmauer befindet erinnert daran. Massengräber aus den Schwedenkriegen sind nach landesgeschichtlichen Forschungen auch in dem kleinen Wäldchen beim Schützenhaus gefunden worden. Die Ausgrabungsarbeiten - man vermutete dort auch Schwedenschätze - wurden zu Beginn des 2. Weltkrieges gestoppt. Grafebhausen hatte immer wieder unter durchziehenden Söldnertruppen zu leiden.
1791-1792 Mit der Gründung der Brauerei Rothaus sorgte Fürstabt Martin Gerbert für eine wirtschaftliche Belebung der Gemeinde. An der Stelle der Brauerei stand früher die Weinschenke "Zum Rothen Haus", das seinen Namen nach dem Schaffhauser Herrengeschlecht, der Edlen von Roth hat, das hier einen Wohnsitz hatte und mit den Nellenburgern verwandt war. Das Kloster St. Blasien kaufte 1766 die Weinschenke und gründete 1791-1792 die Brauerei Rothaus.
1803 Im Reichsdeputationsbeschluß 1803 und der allgemeinen Säkularisation im Jahr 1806 wurden in Deutschland fast alle geistlichen Herrschaften aufgehoben, so auch das Kloster St. Blasien im Jahr 1807.
1805 wird Grafenhausen für ein Jahr württembergisch.
1806 wird Grafenhausen dem Großherzogtum Baden zugeordnet.
St. Fides, Patronin der Kirche und Pfarrei
Die hl. Fides (Fides = Treue), eine junge Christin aus einem Adelsgeschlecht, lebte in Agen in Südfrankreich. Als noch nicht 13-jähriges Mädchen weigerte sie sich während der Christenverfolgung unter Kaiser Maximinus (303—313) die heidnischen Götter anzubeten. Sie erlitt im Jahr 303 das Martyrium durch Folter auf einem glühenden Rost und Enthauptung.
Die Legende ihrer Standhaftigkeit als Frau und angesichts ihres jugendlichen Alters beim Bekennen des Glaubens vor dem römischen Richter Dacius begünstigte die Verbreitung ihre Verehrung im Zusammenhang mit der Zulassung und Förderung des Christentums als Staatsreligion im römischen Reich im Jahre 313 unter Kaiser Konstantin.
Im 5. Jahrhundert übertrug Bischof Dulcidius von Agen die Reliquien der Märtyrerin in eine von ihm erbaute neuen Kirche. Seit dem 6. Jahrhundert lässt sich die Verehrung der heiligen Fides sicher nachweisen.
Darstellungen in der Pfarrkirche
Das Bild an der rechten Wand des Kirchenschiffes, ein Werk von Konrad Schmieder aus dem Jahr 1890, zeigt wie Fides zum Tode verurteilt wird. Auch der Chorraum mit seinem Gewölbe und dem reichen Stuck enthält ein Deckengemälde der Hl. Fides aus dem Jahr 1950, gemalt vom Kunstmaler Manfred Schmidt. Die Entsehung des Gemälde vermittelte der Grafenhausener Bürger und späteren Domkapitular Julius Schäuble. Es zeigt neben der Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel auch die heilige Fides. Darunter ist das Dorf Grafenhausen mit Kirche und Rathaus zu sehen, welche gleichsam unter den Schutz der Gottesmutter Maria und der Hl. Fides gestellt sind.
Gedenktag der hl. Fides 6. Oktober
