Pfarrkirche St. Fides

 

Die Kirche in Grafenhausen ist der Hl. Fides geweiht.

Fides, eine junge Christin aus dem 4. Jh. stammte aus einer führenden Familie in Agen in Südfrankreich. Der Gedenktag ist der 6. Oktober.

Lebensdaten: Die 13. jährige Fides von Agen erlitt zwischen 287 und 303 in der Stadt Agennum, dem heutigen Agen in der südwestfranzösischen Region Aquitanien (zwischen Toulouse und Bordeaux) das Martyrium.
 
Lebensgeschichte: Fides entstammt einer herrschenden Familie aus Agen. Als junges Mädchen bekennt sie sich zum Glauben an Jesus Christus. Ein Beamter des Kaisers namens Datian versuchte sie von ihrem Glauben abzubringen und zum Götzendienst zu zwingen. Er wollte sie, als sie sich weigerte, einem Götterbild der Diana zu opfern, bei lebendigem Leib auf einem Gitter verbrennen lassen. Durch einen auf wundersame Weise einsetzenden Gewitterregen misslang dieses Vorhaben, so dass er schließlich die Enthauptung der Dreizehnjährigen befahl.
Ihr Leichnam wurde von den anwesenden Christen vor den Toren der Stadt bestattet.
 
Verehrung: Die Legende der Standhaftigkeit von Fides für das Be­ken­ntnis des Glaubens vor dem römischen Richter Dacius (angesichts ihres jugend­lichen Alters) verbreitete sich rasch im Zusam­menhang mit der Erlangung der Freiheit des Christentums als Religion im römischen Reich im Jahre 313 unter Kaiser Konstantin.
 
Die Menschen kamen zu ihrem Grab und Fides wurde als Märtyrerin durch außergewöhnliche Gebetserhörungen weithin bekannt. Im 5. Jahrhundert übertrug Bischof Dulcidius von Agen die Reliquien der Märtyrerin in eine von ihm erbaute neue Kirche in Agen.
 
Reliquienübertragung
Zu Beginn des 9. Jahrhunderts war Conques-en-Rouergue (zwischen Toulouse und Clermont-Ferrand) 
200 km nordwestlich von Agen ein entlegener kleiner Ort, mit ein bis dahin unbedeutendem Benediktinerkloster. Um für Belebung zu sorgen, beschloss man, Reliquien von verehrten Heiligen zu erlangen. Ein Mönch aus dem Kloster von Conques, sei nach Agen gezogen und hätte dort das Vertrauen der Gemeinde erlangt, so dass er - inzwischen zum Wächter der Reliquien der hl. Fides bestimmt - irgendwann im Zeitraum zwischen 864 und 875 diese entwendet und nach Conques gebracht habe.
 
Eine andere Erklärung ist, dass die Normannen nach der Belagerung von Toulouse im Jahre 862 auf dem Fluss Garonne weit ins Landesinnere vordrangen, so dass die Bewohner auf der Flucht vor den Plünderern die Reliquien ins Hinterland in Sicherheit gebracht haben. Dort blieben sie auch als die Normannengefahr vorüber war.
 
Im Jahr 883 wurden die Reliquien der hl. Fides offiziell und feierlich in Conques vorgestellt.
 
Reliquien kamen nach Sant Cugat del Vallès westlich von Barcelona in Spanien, in die Benediktinerabtei St. Gallen in der Schweiz und nach Schlettstadt im Elsass.
 
Zahlreiche Orte im französischen Sprachbereich sind nach „Sainte Foy“, im spanischen Sprachbereich nach „Santa Fe“ benannt.
 
Um das Jahr 1070 wurde Fides’ Geschichte in einem Lied in altokzitanischer Sprache gefasst, bekannt als Chanson de Sainte Foy.
 
Patronin deutscher Kirchen ist sie für St. Fides und Markus in Sölden (Schwarzwald) und St. Fides in Grafenhausen im Schwarzwald sowie auch die vom hl. Otto von Bamberg im Jahr 1124 gegründete Benediktinerpropstei St. Getreu in Bamberg. 
 
Reliquiar
Die älteste erhaltene dreidimensionale Skulptur in der christlichen Kunst des Mittelalters ist vermutlich die Statue der heiligen Fides. Die Statue befindet sich seit ihrer Entstehung im späten 9. Jahrhundert in Conques-en-Rouergue. Sie ist heute in der Schatzkammer der Klosterkirche aufgestellt, deren Bau durch die Einnahmen, die der Kult um sie und ihre Wundertätigkeit dem Kloster gebracht hatte, zu einem guten Teil mitfinanziert wurde.
 
Die Figur der heiligen Fides wurde vermutlich unmittelbar nach der Übertragung ihrer Schädelreliquie aus dem Kloster in Agen, also nach 883 angefertigt.
 
 
Quellen:  vgl. Wikipedia, heiligenlexikon.de und andere. 

Kunstwerke in der Pfarrkirche

Das Bild an der rechten Wand des Kirchenschiffes (ein Werk von Konrad Schmieder aus dem Jahr 1890) zeigt wie Fides zum Tode verurteilt wird. Auch der Chorraum mit seinem Gewölbe und dem reichen Stuck enthält ein Gemälde der Hl. Fides aus neuerer Zeit. Das farbige Deckengemälde 1950 gemalt vom Kunstmaler Manfred Schmidt, vermittelt vom Grafenhausener Bürger und späteren Domkapitular Julius Schäuble zeigt neben der Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel auch die Hl. Fides. Darunter ist das Dorf Grafenhausen mit Kirche und Rathaus zu sehen, welche gleichsam um den Schutz der Gottesmutter und der Hl. Fides bittet.

 

Das bedeutendste Kunstwerk in der Grafenhauser Kirche ist neben dem neugotischen Marienschnitzaltar der Kreuzweg von Eduard Stritt.


Eduard Stritt (18
70-1937), der aus Grafenhausen stammt, schuf ihn 1927 im Auftrag von Prälat Friedrich Schlatter (geb. 1878 in Grafenhausen) in Majolika-Technik. Ursprünglich sollte dieser in Brooklyn, New York in die Kirche St. Patrick kommen. Da aber Prälat Schlatter unter der Zeit der Herstellung des Werkes verstarb, kam der Kreuzweg stattdessen in die hiesige Kirche. So ist auch erklärlich, dass die Titel der Tafeln in Latein geschrieben sind. Streng wird die Zahl der Personen beschränkt und auf den wesentlichen Inhalt reduziert, die Farbgebung ist zurückhaltend.

Pietà

Die Entstehungszeit ist unbekannt.
Zwei Besonderheiten der Darstellung fallen auf: Statt der "Ankündigung des Leidens" durch Simeon wird die "Beschneidung Jesu" genannt und die Beschreibung des siebten Schmerzens, die "Grablegung Jesu" fehlt.
Die Kirche feiert das Fest der "sieben Schmerzen Mariens" am 15. September, am Tag nach dem Fest "Kreuzerhöhung".
Durch den Marienwallfahrtsort Kibeho in Ruanda, Ostafrika und das schreckliche Ereignis des Genozids im Jahr 1994 wurde die Besinnung auf die Betrachtung der sieben Schmerzen Mariens in unserer Zeit erneuert.

Geschichte

Im 9. Jahrhundert begann durch Mönche des Klosters Rheinau und des Klosters St. Blasiens die Rodung des Schwarzwaldes. Um die Jahrtausendwende interessierten sich Adelsherrschaften für das ungerodete Land in unserer Gegend. Bedeutend für die Entstehung von Grafenhausen war das reichbegüterte Geschlecht der Grafen von Nellenburg, deren Stammburg in der Nähe von Stockach am Bodensee lag. In dem Grafengeschlecht sind Kaiser und Könige, ja sogar Papst Leo IX. zu finden.

1050          Graf Eberhard III. von Nellenburg gründet das Kloster Allerheiligen in Schaffhausen
1050-1078   Beginn der Gründung einer Siedlung in Grafenhausen durch Graf Eberhard III.. Das Grafengeschlecht versuchte die Expansionsbestrebungen des Klosters St. Blasien einzudämmen und den Einfluss einer eigenen Klostergründung Schaffhausens in dieser Gegend zu stärken. Die Gründung Grafenhausens schenkte er dem Kloster Allerheiligen.
1078   Graf Eberhard III. stirbt.
1080-1085   Abt Siegfried von Allerheiligen gründet in Grafenhausen eine Klosterzelle, ein Benediktinerinnenkloster als Tochterkloster des mächtigen Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Das Kloster wurde der heiligen Fides geweiht, das vermutlich an der Stelle der Grundschule stand. Beim Bau des Schulhauses stieß man auf einen Steinplattenweg, der zur Kirche führte. Es wurde vermutet, dass die "Cella ad St. Fidem'' dort unten stand - mindestens eine Erweiterung. Die Schwestern lebten nach der Regel des hl. Benedikt nach seinem Wahlspruch: Ora et labora - bete und arbeite.
1095  

Papst Urban II. bestätigt in einer Bulle am 8. Oktober 1095 den Besitz und das Kloster von Allerheiligen (Siegel einer Urkunde).

In dieser Urkunde wird Grafenhausen erstmals erwähnt. Dort heißt es im Text: "In nigra silva in locis Gravenhusin et Schluochsee et monte Stouphin dictis."
1096   Bischof Gebhard III. (1084-1111) von Konstanz weiht die Propstei Grafenhausen ein. Siedlung und Kloster wurden von einem Mönch als Vorsteher betreut. Aus der einfachen Klosterzelle und der Siedlung erhielt der Ort eine immer größere Bedeutung. Während die Grundherrschaft und geistliche Herrschaft im Besitz der Äbte von Allerheiligen blieben, lag die politische Hoheit über Grafenhausen bis 1285 beim Hause Nellenburg.
1125   Zwischen dem mächtigen Kloster Allerheiligen und dem Kloster St. Blasien kommt es zu einem Streit über Grenzgebiete.
1164   In einem neutralen Schiedsgericht wird der Grenzstreit beendet. Das Gericht bildeten die Äbte von Engelberg, Salem und Lützel. Das Grenzgebiet zwischen den beiden Klöstern ist der Kamm des Hohenstaufen.
1165   Erwähnung eines Adelsgeschlechtes in Signau, eines Nikolaus von Signau.
1285  

Grafenhausen erhält das Stadtrecht. Noch 1471 wird der Stadtgraben genannt. Grafenhausen spielte eine bedeutende Rolle als Sitz eines Gerichtes, wo Urteile gesprochen und vollstreckt wurden. Das heutige Wappen der Gemeinde, das die Justitia mit Schwert, Waage und verbundenen Augen zeigt, erinnert an jene Zeit. Die über die Augen gelegte Binde will sagen, dass das Gericht nicht zu beeinflussen ist, also ohne Ansehen der Person ein Urteil gefällt wird. Das Haus des Grafen, das ihm als Wohnsitz während der Gerichtstermine gedient hat, dürfte dem Ort den Namen gegeben haben.               

Grundherrschaft und geistliche Herrschaft über Grafenhausen waren beim Kloster Allerheiligen bis im Jahre 1285 Graf Mangola von Nellenburg seine Rechte und damit auch die politische Hoheit an den Abt von Allerheiligen überstellte.
1289   Erstmalige Erwähnung von Geroldshofstetten. Dem Namen nach muss Geroldshofstetten früher auch ein Adelsgeschlecht gehabt haben, denn mit Hofstätten waren immer besondere Rechte und Freiheiten verbunden.
1475   Verlust der Stadtrechte. In diese Zeit fällt auch das Ende des Klosters in Grafenhausen, das fast 400 Jahre bestand. Mit der Auflösung des Klosters Allerheiligen in der Reformation fiel auch Grafenhausen an den Stadtstaat von Schaffhausen.
1524/25   Wegen seiner Zugehörigkeit zu Schaffhausen berührte der Bauernkrieg 1524/25 Grafenhausen kaum. Allerdings machte Hans Müller von Bulgenbach als Führer des Stühlinger Aufstandes von sich reden. Er stammte aus dem Grafenhausener Ortsteil Bulgenbach. Sein Leichnam wurde in seinem Heimatort Bulgenbach beigesetzt.
1530   Die Stadt Schaffhausen tauschte Grafenhausen und Birkendorf gegen die Ortschaften Schleitheim und Beggingen aus.
1582   Grafenhausen fiel den Freiherren von Mörsperg zu, die in Bonndorf residierten.
1603   Joachim Christoph von Mörsperg verkauft den Ort zusammen mit anderen Besitzungen an den Erbmarschall von Pappenheim.
1609   Erbmarschall von Pappenheim verkauft Grafenhausen an das Kloster St. Blasien.
1612   Seit 1612 unterstand Grafenhausen dem Kloster St. Blasien und wurde von dorther seelsorgerisch betreut.
1622   Eine schwere Brandkatastrophe wütete in Grafenhausen, der neben einer Anzahl Häuser auch die Kirche und das Pfarrhaus zum Opfer fielen. Lediglich der markante Kirchturm mit den Eckquadersteinen überstand die Katastrophe.
1596-1625   Abt Martin begann mit dem Bau einer neuen Kirche. Sie konnte vermutlich wegen des Dreißigjährigen Krieges erst 1656 eingeweiht werden.
1634   Ab 1634 bekam der Ort auch die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zu spüren, der Schrecken, Tod und Elend über den Ort brachte. Noch heute erinnern Schwedenkreuze an jene unheilvolle Zeit.
1687   wütete die Pest. Ein Massengrab an der Friedhofsmauer mit Peststein gibt davon Zeugnis. Der sogenannte Peststein oder das Pestkreuz mit Totenkopf befindet sich in der südlichen Friedhofsmauer bei den Kindergräbern. Er erinnert noch an die Schrecken jener Zeit.
1791-1792   Mit der Gründung der Brauerei Rothaus sorgte Fürstabt Martin Gerbert für eine wirtschaftliche Belebung der Gemeinde.
1803   Im Reichsdeputationsbeschluß 1803 und der allgemeinen Säkularisation 1806 wurden in Deutschland alle geistlichen Herrschaften aufgehoben, so auch 1807 das Kloster St. Blasien.
1806   Grafenhausen wird dem Großherzogtum Baden zugeordnet.