Mirjam von Abellin, 26. August
Erste Heiliggesprochen Palästinenserin, Patronin des Friedens

Sie war die erste moderne palästinensische Frau, die von Papst Franziskus 2015 heiliggesprochen wurde — ein Symbol der Hoffnung für die verfolgten Christen ihrer Heimat und für alle, die sich im Nahen Osten für Frieden einsetzen.
„Herr Jesus Christus, im Schweigen dieses anbrechenden Morgens komme ich zu Dir und bitte Dich mit Demut und Vertrauen um Deinen Frieden, Deine Weisheit, Deine Kraft. Gib, dass ich heute die Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind. Lass mich begreifen, dass alle Herrlichkeit der Kirche aus Deinem Kreuz als deren Quelle entspringt. Lass mich meinen Nächsten als den Menschen empfangen, den Du durch mich lieben willst. Schenke mir die Bereitschaft, ihm mit Hingabe zu dienen und alles Gute, das Du in ihn hineingelegt hast, zu entfalten. Meine Worte sollen Sanftmut ausstrahlen, und mein ganzes Verhalten soll Frieden stiften. Nur jene Gedanken, die Segen verbreiten, sollen in meinem Geiste haften bleiben. Verschließe meine Ohren vor jedem übelwollenden Wort und jeder böswilligen Kritik. Möge meine Zunge nur dazu dienen, das Gute hervorzuheben. Vor allem bewirke, o Herr, dass ich so voller Frohmut und Wohlwollen bin, dass alle, die mir begegnen, sowohl Deine Gegenwart als auch Deine Liebe spüren. Bekleide mich mit dem Glanz Deiner Güte und Deiner Schönheit, damit ich Dich im Verlaufe dieses Tages offenbare. Amen." (Mirjam)
Ordensfrau, Friedensstifterin, erste Heiliggesprochen aus Palästina
Namen
Mariam Baouardy, Mirjam von Abellin (Maria von Jesus dem Gekreuzigten)
Lebensdaten
Geboren: 5. Januar 1846 in Abellin, einem Dorf 20 Kilometer nordwestlich von Nazareth;
gestorben: 26. August 1878 in Bethlehem, Israel-Palästina.
Lebensgeschichte
Die Eltern von Mirjam stammten ursprünglich aus Damaskus und aus dem Libanongebirge. Sie waren mit unerschütterlichem Glauben der griechisch-katholischen Kirche der Melkiten verbunden. Wegen ihres Glaubens wurden sie mehrmals ihres Besitzes beraubt, inhaftiert und verbannt. Zwölf Söhne hatten sie bereits im Säuglingsalter verloren. Während eines ihrer Exilaufenthalte wurde die Mutter von einer Eingebung bewegt, Gott um eine Tochter zu bitten. „Lass uns zu Fuß nach Bethlehem gehen“, sagte sie zu ihrem Mann, „um dieses Kind von der heiligsten Jungfrau zu erbitten. Versprechen wir, sie – wenn unsere Gebete erhört werden – Mariam zu nennen.“ Das Gebet wurde erhört.
Am 5. Januar 1846 wurde Mirjam Baouardy in I’billin (Abellin) in Galiläa geboren. Drei Jahre später starben ihre Eltern. Vorher hatten sie noch einen weiteren Sohn bekommen: Paul.
Nach dem Tod der Eltern wuchs Mirjam bei einem Onkel auf. Schon mit sieben Jahren wünschte sie inständig, die heilige Kommunion empfangen zu dürfen, was damals noch nicht üblich war. Ihr Beichtvater vertröstete sie mit den Worten, sie werde die Kommunion „ein wenig später“ empfangen.
Mit acht Jahren zog sie mit ihrem Onkel nach Ägypten, wo sie mehrere Jahre in Alexandria lebte. Kurz vor ihrem 13. Geburtstag verlobte der Onkel sie – ohne ihre Zustimmung – mit dem Bruder einer Tante. Doch Mirjam wollte ihr Leben in jungfräulicher Hingabe Gott weihen. Sie erklärte offen, dass sie nicht heiraten wolle, schnitt sich die langen Haare ab und gab das Brautgeschenk zurück. Ihr Onkel reagierte mit Zorn, schlug sie und behandelte sie wie eine Sklavin. Da sie seinem Willen nicht folgte, verweigerte man ihr in der Gemeinde den Empfang der heiligen Kommunion.
Verzweifelt machte sie sich auf den Weg zu ihrem Bruder nach Nazareth. Sie vertraute sich einem früheren Diener der Familie an, der dorthin reisen wollte. Dieser war Muslim und versuchte, Mirjam zum Übertritt zum Islam zu bewegen. Als sie dies entschieden verweigerte, griff er sie mit einem Messer an und stach ihr in die Kehle. Auf wundersame Weise überlebte sie.
Mirjam berichtete später, dass sie in diesem Moment tatsächlich gestorben sei: „Ich befand mich im Himmel. Die Muttergottes, die Engel und die Heiligen empfingen mich voller Güte, und ich sah meine Eltern bei ihnen. Auch den strahlenden Thron der heiligsten Dreifaltigkeit durfte ich schauen, und Jesus in seiner Menschheit. Da sagte jemand zu mir: Du bist Jungfrau, das ist wahr, aber dein Buch ist noch nicht vollendet.“ Nach diesen Worten erwachte sie in einer Grotte, wo eine Frau in hellblauen Gewändern sie pflegte – eine geheimnisvolle Ordensfrau, die liebevoll, aber wortkarg war. Nach einigen Wochen der Pflege sagte sie zu Mirjam: „Du wirst nach Frankreich gehen, Karmelitin werden und in Bethlehem sterben.“ Schließlich brachte sie das Mädchen zu einem Franziskaner-Beichtvater. Als Mirjam den Beichtstuhl verließ, war die geheimnisvolle Frau verschwunden.
1875 vertraute Mirjam ihrem geistlichen Vater, Pater Estrade, an: „Ich weiß jetzt, dass die Ordensfrau, die mich nach meinem Martyrium gepflegt hat, die Muttergottes war.“ Nach dieser Erfahrung arbeitete Mirjam zunächst als Hausmädchen in Beirut.
Mit 18 Jahren erhielt sie die Möglichkeit, in einem Haushalt in Marseille zu arbeiten. Nach dem Kommunionempfang in einer heiligen Messe fiel sie dort in eine vier Tage andauernde Ekstase. Danach trat sie in das Postulat bei den Josefsschwestern ein.
Mit 20 Jahren empfing sie die Wundmale Jesu. Innerhalb der Gemeinschaft gab es unterschiedliche Einschätzungen über sie; eine Zulassung zum Noviziat blieb ihr verwehrt. Doch ihre Oberin, die von der Echtheit ihrer mystischen Erfahrungen überzeugt war, schickte sie zu den Karmelitinnen in Pau (Frankreich), wo sie 1867 eintrat und den Ordensnamen „Mirjam von Jesus dem Gekreuzigten“ erhielt. Bald darauf wurde sie nach Indien gesandt, um den Karmel in Mangalore mitzugründen. Dort legte sie ihre Profess ab. 1872 kehrte sie nach Frankreich zurück.
Mirjams Leben war von außergewöhnlichen Gnadenerweisen geprägt: Sie fiel in Ekstasen, schwebte über dem Boden, hatte die Gabe der Bilokation, der Prophezeiung und Visionen.
1875 gründete sie einen Karmel in Bethlehem; auf ihre Anregung hin folgte auch ein Karmel in Nazareth.
Am 22. August 1878 stürzte Mirjam bei Arbeiten in Bethlehem und brach sich den Arm. Sie spürte, dass ihr Ende nahe war. Am Morgen des 26. August 1878 erwachte sie noch einmal. „O ja, Barmherzigkeit!“ – das waren ihre letzten Worte, bevor sie starb.
Mirjam war mit übernatürlichen Gaben reich beschenkt, musste aber auch große Prüfungen durchstehen. Eine innige Verehrung des Heiligen Geistes, die Liebe zur Kirche und tiefe Demut prägten ihr Leben.
Verehrung
Mirjam wurde am 13. November 1983 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen und als Friedenspatronin des Nahen Ostens bezeichnet. Papst Johannes Paul II. sagte:
„Die selige Maria von Jesus dem Gekreuzigten ist in Galiläa geboren. Darum soll unser Gebetsgedenken in besonderer Weise dem Land gelten, in dem Jesus die Liebe gelehrt hat und gestorben ist, damit die Menschheit versöhnt werde … Loben wir gemeinsam mit Christus den Vater, weil er den Augen der Seele von Schwester Maria von Jesus dem Gekreuzigten das Geheimnis der Wahrheit und der Liebe geoffenbart und ihr Anteil an der Herrlichkeit seines Reiches geschenkt hat.“
Am 17. Mai 2015 sprach Papst Franziskus Mirjam in Rom heilig – in Anwesenheit von Tausenden von Pilgern aus dem Heiligen Land, darunter auch Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas.
Filmausschnitt (10‘)
Patronin
Friedenspatronin für den Nahen Osten
Gebete
O Heiliger Geist erleuchte mich,
o Gottes Lieb` verzehre mich,
den Weg der Wahrheit führe mich,
Maria, Mutter, schau auf mich,
mit deinem Jesus segne mich;
vor aller Täuschung und Gefahr,
vor allem Übel mich bewahr!
o Gottes Lieb` verzehre mich,
den Weg der Wahrheit führe mich,
Maria, Mutter, schau auf mich,
mit deinem Jesus segne mich;
vor aller Täuschung und Gefahr,
vor allem Übel mich bewahr!
Heiliger Geist!
Quelle des Friedens, des Lichtes: komm, mich zu erleuchten!
Ich habe Hunger: komm, mich zu nähren!
Ich habe Durst: komm, mich zu tränken!
Ich bin blind: komm, mich zu erleuchten.
Ich bin arm: komm, mich zu bereichern!
Ich bin unwissend: komm und belehre mich!
Quelle des Friedens, des Lichtes: komm, mich zu erleuchten!
Ich habe Hunger: komm, mich zu nähren!
Ich habe Durst: komm, mich zu tränken!
Ich bin blind: komm, mich zu erleuchten.
Ich bin arm: komm, mich zu bereichern!
Ich bin unwissend: komm und belehre mich!
Quelle
vgl. Karmel
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