
Gregor der Große (540-606); Fresko in San Saba (Rom)
Besser ist, es kommt zu einem Skandal, als dass die Wahrheit zu kurz kommt.
Die Geschöpfe sind die Fußspuren Gottes.
Die Bibel ist wie ein Strom, der so flach ist, dass ein Lamm daraus trinken kann, und so tief, dass ein Elefant darin baden kann.
Der Beweis der Liebe sind die vollbrachten Werke.
Verwaltungsexperte, Mönch, Papst, Kirchenlehrer und Kirchenvater
Name
Gregor; Namensbedeutung: Der Wachsame (griech.-lat.);
Namensvarianten: Gregory, Greg, Greger, Grégoire, Gregorio, Grigur, Grigoli, Joris
Gedenktag
3. September
Lebensdaten
Geboren: um 540 in Rom;
Gestorben: 12. März 604 ebendort
Lebensgeschichte
Gregor wurde als Sohn eines sehr reichen Senators - wohl aus der Patrizierfamilie der Anicii und der Silvia geboren. Sein Elternhaus lag am Südwestabhang des Caelius Hügels. Er war der Urenkel von Papst Felix III. und verwandt mit Papst Agapitus I. Er studierte Grammatik, Rhetorik und Verwaltungswesen und stand bereits im Alter von gut 30 Jahren als Präfekt an der Spitze von Roms Zivilverwaltung.
Mit 33 Jahren wurde Gregor 572 Stadtpräfekt von Rom, das höchste Amt in der Zivilverwaltung. Nach drei Jahren zog er sich für 5 Jahre aus der Verwaltung zurück.
Er verwandelte sein Anwesen auf dem Monte Celio in ein Kloster im Geiste Benedikts, den er sehr verehrte. Er gründete noch weitere Klöster auf seinen Besitztümern.
579 wurde er von Papst Pelagius an den Kaiserhof nach Konstantinopel gesandt, um dort die Belange Roms als Kirchensitz und der verwahrlosten Kaiserstadt zu vertreten.
585 nach Rom zurückgekehrt, diente Gregor von seinem Kloster aus als Berater des Papstes, bis dieser 590 an einer Pestepidemie starb. Gregor wurde zum Nachfolger gewählt. Er schreibt darüber:
„Ein altes und heftig geschütteltes Schiff (die Kirche) habe ich (übertragen bekommen). Selbst bin ich unwürdig und schwach. Von allen Seiten dringt das Wasser (in das Schiff) herein und die morschen Planken, vom täglichen Unwetter erschüttert, verkünden schon ächzend den Untergang. ... Ich seufze, denn ich spüre, dass durch meine Nachlässigkeit die Schiffsjauche der Laster anschwillt und bei heftigem Sturm die schon verfaulenden Planken ächzend vom Untergang künden.“
391 schreibt er mahnend an die Bischöfe: „Wir sind (mehr) äußeren Geschäften völlig verfallen, einiges haben wir ehrenhalber übernommen, anderes aus Pflichtgefühl. Wir geben (aber) den Dienst der Verkündigung auf und zu unserer Schande (Strafe) wie ich es sehe, lassen wir uns Bischöfe nennen, die wir nur den Ehrentitel, nicht aber die entsprechende Vollkommenheit besitzen.
Denn die uns Anvertrauten (Getauften) wenden sich von Gott ab, wir aber schweigen. In schlimmem Tun liegen sie danieder, wir aber reichen ihnen nicht die Hand zur Besserung sondern schauen tatenlos zu, wie sie auf dem Weg zur Hölle sind. Doch wie könnten wir das Leben anderer bessern, wenn wir unser eigenes vernachlässigen? Täglich richten sie sich durch vielerlei Unrecht zugrunde, wir aber schauen tatenlos zu, wie sie auf dem Weg zur Hölle sind.
Auf weltliche Sorgen gerichtet, werden wir nämlich im Innern umso weniger empfindsam (für die Gläubigen), je engagierter wir im äußeren Bereich erscheinen. Häufige Beschäftigung mit irdischen Sorgen verhärtet das (unser) Herz, um noch Himmlisches ersehnen zu können und wenn es (das Herz) durch eben diese Beschäftigung mit weltlichen Aktivitäten hart geworden ist, verfügt es nicht mehr über die Schmiegamkeit für die Belange der Gottesliebe."
Denn die uns Anvertrauten (Getauften) wenden sich von Gott ab, wir aber schweigen. In schlimmem Tun liegen sie danieder, wir aber reichen ihnen nicht die Hand zur Besserung sondern schauen tatenlos zu, wie sie auf dem Weg zur Hölle sind. Doch wie könnten wir das Leben anderer bessern, wenn wir unser eigenes vernachlässigen? Täglich richten sie sich durch vielerlei Unrecht zugrunde, wir aber schauen tatenlos zu, wie sie auf dem Weg zur Hölle sind.
Auf weltliche Sorgen gerichtet, werden wir nämlich im Innern umso weniger empfindsam (für die Gläubigen), je engagierter wir im äußeren Bereich erscheinen. Häufige Beschäftigung mit irdischen Sorgen verhärtet das (unser) Herz, um noch Himmlisches ersehnen zu können und wenn es (das Herz) durch eben diese Beschäftigung mit weltlichen Aktivitäten hart geworden ist, verfügt es nicht mehr über die Schmiegamkeit für die Belange der Gottesliebe."
Und weiter schreibt Gregor an die Bischöfe und Priester: „Wenn der Glaubenslehrer merkt, dass er sich gegen etwas verfehlt, darf er nicht aufhören, dies weiterhin zu verkündigen. Seine Stellung fordert, dass er davon spricht. Er möge sich vielmehr seinen eigenen Worten angleichen, und wenn er davon nicht reden will, weil er nicht danach handelt, dann soll er es tun, weil er die Pflicht hat zu reden. Wenn er also sieht, wie er selber in die Tat umsetzt, was er sagt, dann soll er auch die Hörer dazu ermahnen und sie anfeuern, sich um gutes Handeln zu bemühen. Entdeckt er aber, dass er noch nicht erfüllt, wovon er redet, dann soll er zu dem Guten, zu dem er seine Hörer auffordert, gleichermaßen auch sich selbst anspornen."
„Als Prinzip für die Verkündiger gilt, im eigenen Leben das zu verwirklichen, wovon sie mit dem Wort überzeugen wollen. Die Autorität des Wortes geht verloren, wenn die Stimme nicht durch das Tun unterstützt wird. Wird ein anderer etwa auf seine Worte hören, wenn sein Handeln verneint was die Stimme verkündet, wenn er selber nicht auf das hört wovon er spricht?“
Das Leben eines Seelsorgers bedarf eines ausgewogenen Verhältnisses von Kontemplation und Aktion:
„Ein Vorsteher muss das Volk in seinem Leben und Handeln um soviel überragen, als sich das Leben eines Hirten von dem seiner Herde unterscheidet. Er muss sich also ernstlich darüber klar zu werden suchen, in welch besonderem Grade er zu einem rechtschaffenen Wandel verpflichtet ist, da im Verhältnis zu ihm das Volk als seine Herde bezeichnet wird. Er muss also lauter sein in seinen Gedanken, musterhaft in seiner Handlungsweise, taktvoll im Schweigen, tüchtig im Reden, jedem Einzelnen durch Anteilnahme der Nächste, mehr als alle durch Betrachtung nach oben ausgerichtet, denen, die ein sittlich gutes Leben führen, ein demütiger Gefährte, den Fehltritten der Sünder gegenüber ein unbeugsamer Eiferer für die Gerechtigkeit; er darf bei aller Beschäftigung mit den äußeren Dingen die Sorge für das Innere nicht zu kurz kommen lassen und bei allem Eifer für das Innere die Sorge für das Äußere nicht aus dem Blick verlieren. …
Der Seelsorger darf [also] weder über der Sorge für die äußeren Dinge das Innenleben vernachlässigen, noch in seinem Eifer für das Innenleben die äußeren Dinge übersehen; denn andernfalls wird er ganz veräußerlichen und sein Innenleben einbüßen; oder er wird ausschließlich nur dem Inneren leben und den Mitmenschen nicht bieten, was er ihnen in Bezug auf äußere Dinge schuldet. Manchmal hat es nämlich den Anschein, als würden Seelenhirten ganz darauf vergessen, dass sie um der Seelen der Brüder willen zu Vorstehern gemacht wurden, so sehr hängen sie ihr Herz an die zeitlichen Geschäfte; gibt es gerade solche Geschäfte, so erledigen sie dieselben mit Begeisterung; gibt es keine, so suchen sie solche und grübeln Tag und Nacht in aufgeregten Gedanken darüber nach. Müssen sie einmal, weil die Gelegenheit fehlt, in dieser Beziehung sich ruhig verhalten, so werden sie durch diese Ruhe ganz müde und matt. Denn es ist ihnen eine Lust, von Geschäften schier erdrückt zu werden, und sie halten es für eine Strapaze, wenn sie nicht bei irdischen Geschäften strapaziert werden. Daher kommt es dann, dass sie vor lauter Freude am Geräusch des Weltlärmes nichts wissen vom inneren Leben, das sie doch andere hätten lehren sollen. Ohne Zweifel wird dadurch das Leben der Untergebenen lau; denn ihr Verlangen nach geistigem Fortschritt stößt im Beispiel des Vorstehers auf ein Hindernis auf ihrem Lebensweg.
Wenn das Haupt krank ist, hilft die Gesundheit der anderen Glieder nichts, und ganz umsonst eilt das Heer beim Aufsuchen des Feindes dem Feldherrn nach, wenn dieser den Weg verfehlt. Da wirkt keine Mahnung mehr auf die Untergebenen, da greift kein Tadel mehr an; denn wenn der Seelsorger nur mehr ein weltlicher Beamter ist, ist bei der Bewachung der Herde von Seelsorge keine Rede mehr.
Es wäre aber auch verkehrt, sich ganz auf das Innenleben zurückzuziehen:
Andere dagegen übernehmen zwar das Amt des Seelsorgers über eine Herde, wollen dabei aber so viele Zeit für ihre eigenen geistlichen Bedürfnisse frei haben, dass für die äußeren Geschäfte gar nichts mehr übrig bleibt. Da sie nun die Sorge für das Leibliche ganz vernachlässigen, werden sie den Bedürfnissen der Untergebenen in keiner Weise gerecht. Die Predigt solcher Seelsorger stößt weithin auf Verachtung; denn da sie nur gegen die Werke der Sünder losziehen, ihnen aber das zum Leben Notwendige nicht verschaffen, leiht man ihnen in keiner Weise das Ohr. Eine weise Lehre dringt nicht in das Herz eines Bedürftigen, wenn diese nicht eine barmherzige Hand seinem Herzen empfiehlt. Dann aber kommt der Same des Wortes leicht zum Keimen, wenn ihn im Herzen des Hörers die Anteilnahme des Predigers bewässert.
Darum muss der Seelsorger, um das innere Leben einpflanzen zu können, sich in lauterer Gesinnung auch der äußeren Dinge annehmen. Die Hirten sollen sich so die Pflege des inneren Lebens bei ihren Untergebenen angelegen sein lassen, dass sie darüber die Sorge für deren äußeres Leben nicht außer Acht lassen.“
Als im Jahre 590 in Rom erneut die Pest ausbrach, ließ Gregor eine vom Apostel Lukas geschriebene (gemalte) Muttergottesikone in einer Prozession um die Stadt tragen. Dabei soll der Erzengel Michael auf dem Grabmal des Kaiser Hadrians erschienen sein und sein blutiges Schwert in die Scheide weggesteckt haben. Von da an hörte die Seuche auf. Das Hadriansgrabmal wird seither Engelsburg genannt. Die wundertätige Ikone aber wird in der Kirche “Maria Maggiore” aufbewahrt und trägt den Namen “Salus populi romani” - „Rettung des römischen Volkes“.
Der kränkliche Gregor entfaltete im italienischen Machtvakuum eine beeindruckende politische und kirchliche Aktivität. Er gilt als der am meisten dem römischen Erbe sich verpflichtet fühlende Richter, der bestrebt war, stets auf das Genauste zu untersuchen und auf das Gerechteste zu richten. Er verhandelte auf Augenhöhe mit den Langobarden, die das Land beherrschten, organisierte die Verwaltung der Ländereien, die später den Kirchenstaat bilden sollten, wies die Machtansprüche Konstantinopels und der Stadt Ravenna zurück und sorgte für den Schutz und die Versorgung der Bevölkerung von Rom.
Der kränkliche Gregor entfaltete im italienischen Machtvakuum eine beeindruckende politische und kirchliche Aktivität. Er gilt als der am meisten dem römischen Erbe sich verpflichtet fühlende Richter, der bestrebt war, stets auf das Genauste zu untersuchen und auf das Gerechteste zu richten. Er verhandelte auf Augenhöhe mit den Langobarden, die das Land beherrschten, organisierte die Verwaltung der Ländereien, die später den Kirchenstaat bilden sollten, wies die Machtansprüche Konstantinopels und der Stadt Ravenna zurück und sorgte für den Schutz und die Versorgung der Bevölkerung von Rom.
Gregor der erste Mönch auf dem Papststuhl verstand sich als „Diener der Diener Gottes“. Er festigte die Stellung des Bischofs von Rom als Petrusdienst.
Gregor entfaltet auch eine intensive missionarische Tätigkeit. Es gelang ihm mit Hilfe katholischer Herrscher, die Langobarden und Westgoten von der Irrlehre des Arianismus zu lösen. 597 entsandte er Augustinus (später von Canterbury genannt), den Abt des Andreasklosters in Rom zusammen mit 39 Mönchen zur erfolgreichen Missionierung der britischen Insel.
Gregor, auf den die Biographie des heiligen Benedikt und die Überlieferung dessen Ordensregel zurückgehen, reformierte die Liturgie dauerhaft durch ein einheitliches Messbuch, gab dem Mönchtum auf Jahrhunderte sein Gepräge und sicherte sich mit seinen zahlreichen theoretischen Werken den Rang eines Kirchenvaters.
Neben einer reichhaltigen Korrespondenz von über 800 Briefen sind vor allem Werke exegetischer und spiritueller Natur von ihm überliefert: am bekanntesten sind die Predigten zu Ezechiel und zu den Evangelien, die Auslegung zum Buch Hiob, die Pastoralregel und die Dialoge über das Wirken einiger Heiliger besonders über den Hl. Benedikt von Nursia.
Sein Jugendfreund, der Diakon Petrus, berichtet der Legende nach, dass oft der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube dem Hl. Gregor beim Schreiben zugesehen habe bzw. diesem diktierte. Der römischen Bevölkerung war er als betender Wohltäter teuer.
Verehrung
Er wurde „der Konsul Gottes“ genannt, wie seine Grabinschrift in St. Peter besagt und trägt neben Leo I. als einziger Papst den Beinamen „der Große“.
Bischof Salomon von Konstanz brachte anläßlich einer Romwallfahrt das Haupt nach Konstanz, wo diese Reliquie aber nicht mehr vorhanden ist.
1295 wurde der vielleicht meistverehrte Papst aller Zeiten formell heiliggesprochen und mit Ambrosius, Augustinus von Hippo und Hieronymus zum Kirchenvater erhoben.
Sein Gedenktag (Todestag), der immer in die Fastenzeit fiel, wurde im Zuge der Kalenderreform 1969 auf den Tag seiner Wahl zum Papst gelegt.
Benedikt XVI. sagt:
„Gregor will vor allem den Weg aufzeigen, auf dem wir zur Gottesschau im ewigen Leben gelangen. Dazu dient in erster Linie das Wort Gottes, die Heilige Schrift: Wir lesen die Bibel nicht, um unsere Wissbegierde zu stillen; das würde bloß unseren Stolz fördern und uns der Versuchung des Irrtums aussetzen. Nur in intellektueller Bescheidenheit und mit dem Gebet können wir uns der übernatürlichen Wirklichkeit nähern.
Die Bibel sei uns dabei tägliche Nahrung für die Seele. Das gewissenhafte Studium verlange allerdings auch die Deutung des vielfältigen (vierfachen) Schriftsinns. Der tiefere Sinn erschließe sich unter Einbeziehung seiner moralischen Dimension. Das Verständnis sei nichts, wenn es nicht auch zum Handeln führe.“
Darstellung
als Papst mit Tiara (Pastmitra), Kreuz, Buch und Feder, Heilig-Geist-Taube oder bei der Befreiung Kaiser Trajans aus dem Fegefeuer
Patron
der Bergleute, der Musiker, des Choralgesangs, der Lehrer, Studenten, Gelehrten, des kirchlichen Schulwesens
Quelle
vgl. Bistum Augsburg