Robert Schuman, 4. September
Gründerfigur für Europa Zusammen mit Caspari, Adenauer und Spaak.

“Die Demokratie verdankt ihre Existenz dem Christentum. Jeder Mensch ist daher verpflichtet, im täglichen Engagement die Würde der menschlichen Person in ihrer individuellen Freiheit umzusetzen, unter Achtung der Rechte eines jeden und in der Ausübung der brüderlichen Liebe zu allen“.
„Die Demokratie wird christlich sein oder sie wird nicht sein. Eine antichristliche Demokratie wäre eine Karikatur, die in Tyrannei oder Anarchie versinken würde.“
„Das Christentum hat die Gleichheit der Natur aller Menschen gelehrt: Kinder desselben Gottes, erlöst durch denselben Christus …“
Gedenktag
4. September
Lebensdaten
Geboren: 29. Juni 1886 in Clausen, heute Stadtteil von Luxemburg; Gestorben: 4. September 1963 in Scy-Chazelles, Vorort von Metz, Frankreich.
Zeitgenossen
• Edith Stein / Teresia Benedicta vom Kreuz (1891–1942) – Philosophin, Karmelitin, Märtyrin.
• Maximilian Kolbe (1894–1941) – polnischer Franziskanerpater und Märtyrer.
• Maria Goretti (1890–1902) – italienische Märtyrin.
• Charles de Foucauld (1858–1916) – französischer Eremit und Missionar.
• Therese von Lisieux (1873–1897) – französische Karmelitin.
• Maximilian Kolbe (1894–1941) – polnischer Franziskanerpater und Märtyrer.
• Maria Goretti (1890–1902) – italienische Märtyrin.
• Charles de Foucauld (1858–1916) – französischer Eremit und Missionar.
• Therese von Lisieux (1873–1897) – französische Karmelitin.
Lebensgeschichte
Robert Schuman wurde in Luxemburg geboren wuchs aber im deutschsprachigen Lothringen auf. Zusammen mit Jean Monnet, Alcide De Gasperi, Paul-Henri Spaak und Konrad Adenauer gilt er als einer der Gründerväter der europäischen Einheit.
1903 legte er in Metz das deutsche Abitur ab und studierte anschließend Rechtswissenschaften. Nach dem Unfalltod seiner Mutter im Jahr 1911 erwog Schuman, Priester zu werden. Schließlich entschied er sich jedoch für ein Leben als Laie; er heiratete nie und lebte zeitlebens zölibatär.
1912 eröffnete er in Metz eine Anwaltskanzlei. Bereits ein Jahr später war er Vorsitzender der Organisation des Deutschen Katholikentages in Metz, in enger Zusammenarbeit mit Bischof Willibrord Benzler.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Schuman als Reservist im Schreibdienst eingezogen. 1918 zog er in den Stadtrat von Metz ein – sein politischer Einstieg. Nach der Annexion von Elsass-Lothringen durch Frankreich im Jahr 1919 erhielt Schuman die französische Staatsangehörigkeit und wurde für die Republikanische Union Lothringen (Union Républicaine Lorraine) in die Abgeordnetenkammer gewählt, deren Vizepräsident er zeitweise war. Dieses Mandat behielt er auch in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs, bis er 1941 von der Gestapo verhaftet wurde. 1942 gelang ihm die Flucht; bis zur Befreiung Frankreichs fand er Zuflucht im Kloster Notre-Dame-des-Neiges in Saint-Laurent-les-Bains (Département Ardèche).
Nach dem Krieg war Robert Schuman erneut Abgeordneter der Nationalversammlung und Vorsitzender des Finanzausschusses. 1946 wurde er Finanzminister, 1947 Ministerpräsident Frankreichs.
Berühmt wurde er vor allem durch den Schuman-Plan. Am 9. Mai 1950 veröffentlichte er seine historische Erklärung zur Neukonstruktion Europas, beginnend mit der Montanunion, die politisch zur Föderation Europas führen sollte. Am 18. April 1951 wurde in Paris der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) unterzeichnet.
Christlicher Glaube und politisches Handeln bildeten bei Schuman eine untrennbare Einheit. Als Ausnahmeerscheinung in der französischen Politik fühlte er sich weniger einer Partei als vielmehr dem Glauben verpflichtet. Während seiner Laufbahn stand er Mitte-rechts- und christlich-demokratischen Parteien nahe, da diese seine Werte am stärksten widerspiegelten.
Schuman war überzeugt, dass die Demokratie ihre Existenz dem Christentum verdanke. Deshalb sei der Mensch verpflichtet, „im täglichen Engagement die Würde der menschlichen Person in ihrer individuellen Freiheit umzusetzen, unter Achtung der Rechte eines jeden und in der Ausübung der brüderlichen Liebe zu allen“.
Für ihn war Europa nach den beiden verheerenden Weltkriegen die Verwirklichung einer allgemeinen Demokratie im christlichen Sinn – weniger ein bestimmtes System der Vertretung oder Regierung. Seine Mitwirkung an der Gründung der Europäischen Union verstand er als einen Akt des Glaubens. Vor dem Europäischen Parlament betonte er 1958: „Alle Länder Europas sind von einer christlichen Kultur durchdrungen. Sie ist die Seele Europas, die ihm wiedergegeben werden muss.“
In seinem politischen Vermächtnis, dem Buch „Pour l’Europe“, heißt es: „Europa wird nur dann eine Zukunft haben, wenn es sich seiner Verantwortung bewusst wird und zu den christlichen Grundwerten von Solidarität und Brüderlichkeit zurückfindet.“
Verehrung
Schumans spirituelle Ausstrahlung und der Einfluss christlicher Werte auf sein politisches Handeln führten dazu, dass er bereits kurz nach seinem Tod 1963 als „Heiliger“ betrachtet und verehrt wurde. Nur wenige Monate nach seinem Ableben äußerte Konrad Adenauer (1876–1967) in einer kleinen abendlichen Gesprächsrunde über ihn: „Das ist ein heiligmäßiger Mann.“ Auch sein enger Freund, der große Gelehrte, Theologe und Philosoph Romano Guardini (1885–1968), bestätigte: „Ja, ich halte Robert Schuman für einen Heiligen in unserer Welt.“
Papst Johannes Paul II. bezeichnete Schuman 1988 vor dem Europäischen Parlament als ein „ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas“.
Gerade vor dem Hintergrund aktueller nationalistischer Tendenzen und antieuropäischer Ressentiments in einigen Mitgliedsländern der Europäischen Union sollte Robert Schumans Ideal von geteilter Verantwortung und Brüderlichkeit verstärkt Beachtung finden. Als Vorbild und Christ, der sich in den Dienst der Gesellschaft und des politischen Lebens stellte, mahnt uns der „Architekt der europäischen Versöhnung“, politisches Handeln stets am Wohl des Menschen auszurichten.
Schumans Seligsprechungsprozess wurde 1990 im Heimatbistum Metz eingeleitet, 2004 ging die Akte nach Rom.
Papst Franziskus genehmigte 2021 die Verkündung des Dekrets zur Anerkennung des heroischen Tugendgrades des französischen Staatsmannes Robert Schuman. Damit ist der Weg zur Seligsprechung eröffnet. Der heroische Tugendgrad bedeutet, dass ein Mensch die christlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in seinem Leben in vorbildlicher Weise verwirklicht hat. Liegt kein Martyrium vor, ist dies die Voraussetzung für Selig- und Heiligsprechungen. Für eine Heiligsprechung muss zudem ein Wunder als Gebetserhörung auf die Fürsprache des Seligen nachgewiesen werden.
Quellen
vgl. Vatican News und Wikipedia und andere Seiten
vgl. Vatican News und Wikipedia und andere Seiten