
Hl. Ludmilla (860-921), Großmutter des Hl. Wenzel; Tschechische Schule 1865
Erste Heilige Böhmens/Tschechiens, böhmische Fürstin, Großmutter und Erzieherin des heiligen Wenzel.
Impuls
Die Heilige Ludmilla, Großmutter des Heiligen Wenzel von Prag, lebte im 10. Jahrhundert in Böhmen. Sie war bekannt für ihre tiefe Frömmigkeit und ihr Engagement für die christliche Erziehung ihrer Familie. Doch politische Machtkämpfe und familiäre Intrigen führten dazu, dass ihre Schwiegertochter sie als Bedrohung sah – und umbringen ließ.
Großeltern und Eltern sind wie Wurzeln: Von ihnen wächst das Leben der kommenden Generation.
Gedenktag
16. September
Lebensdaten
geboren zwischen 855 und 860 wahrscheinlich in Mělník (40 km nördlich von Prag); gestorben 15. September 921 in Tetín (40 km südwestlich von Prag).
Lebensgeschichte und Legende
Ludmilla wurde als Tochter des slawischen Fürsten Slavibor geboren. Sein Herrschaftsgebiet war die Gegend der heutigen tschechischen Stadt Mělník oder das Gebiet des sorbischen Stammes der Milzener in der Oberlausitz.
Wahrscheinlich wurde Ludmilla im Jahr 874 verheiratete im Alter von etwa 14 bis 19 Jahren mit dem böhmischen Fürsten Bořivoj. Ob sie dessen einzige Ehefrau war, ist unbekannt. Beide waren zum Zeitpunkt der Eheschließung noch nicht getauft, und die Vielehe war unter den Mächtigen üblich. Um 875 wurde der erste Sohn Spytihněv geboren, um 888 Vratislav sowie ein weiterer Sohn und drei Töchter, deren Namen nicht überliefert sind.
Zwischen 882 und 885 wurde das Fürstenpaar durch den heiligen Bischof Methodius getauft in Verbindung mit der sich ausbreitenden Christen in Böhmen unter den östlichen slawischen Völkern. Besonders der Heilige Bischof Methodius und sein Bruder Kyrill waren hierbei maßgeblich, die ab 863 in Mähren missionierten und die bereits vorhandene, auf Regensburg ausgerichtete Kirchenorganisation reformierten.
Kyrill übersetzte das Evangelium und entwickelte die Altkirchenslawische Schriftsprache, Methodius wurde ab etwa 869 Bischof in Mähren.
Kyrill übersetzte das Evangelium und entwickelte die Altkirchenslawische Schriftsprache, Methodius wurde ab etwa 869 Bischof in Mähren.
Ludmilla und ihr Mann wurden aber von ihrem Volk vertrieben und mussten nach Mähren fliehen. Als Bořivoj zurückkehren konnte, baute er eine, der hl. Maria geweihte Kirche in der Prager Burg.
Um 889/890 starb Bořivoj und Ludmilla wurde mit etwa 28 Jahren Witwe. Wie die Erbfolge innerhalb des Landes geregelt wurde, ist unbekannt. Von Ludmilla ist aus dieser Zeit bekannt, dass sie bereits zu Lebzeiten ihres Sohnes Vratislav die Erziehung ihrer Enkel Václav und Boleslav, deren Mutter Drahomira umgetauft war übernahm und diese nach christlichen Grundsätzen ausrichtete. Sie bewohnte ein eigenes Haus in der Prager Burg und verfügte über ein eigenes Gefolge.
Im Sommer 921 kam es zum offenen Konflikt beider Frauen, in dem Ludmilla unterlag. Sie ließ ihrer Schwiegertochter ausrichten:
Im Sommer 921 kam es zum offenen Konflikt beider Frauen, in dem Ludmilla unterlag. Sie ließ ihrer Schwiegertochter ausrichten:
„Ich will nicht über dich herrschen. Nimm deine Söhne, wie es dir beliebt, regiere mit ihnen, gewähre mir aber die Freiheit, dem allmächtigen Christus zu dienen, an einem dir genehmen Ort.“
Im September beschloss Drahomira, aber die Schwiegermutter töten zu lassen, und sandte zwei Männer namens Tunna und Gommon mit dem Auftrag aus. Am 15. September trafen die Mörder in Tetín ein. Ludmilla wusste was passieren würde, ließ ihren Priester Pavel eine Messe lesen und legte die Beichte ab. Nach Anbruch der Dunkelheit, nach damaliger Zeitrechnung also bereits am 16. September, drangen die Täter in das Haus ein. Bewaffneten Widerstand gab es nicht, nur die Fürstin versuchte noch, mit ihren Mördern zu reden. Vergeblich: Die Männer ließen sie ein letztes Gebet sprechen und erwürgten sie.
Verehrung und Brauchtum
Eine der ersten selbständigen Amtshandlungen ihres Enkels Václav nach dem Regierungsantritt war 925 die Übertragung der Gebeine seiner Großmutter nach Prag und ihre Umbettung in die Basilika des heiligen Georg. Mit der feierlichen Überführung war Ludmillas Status als Heilige begründet; eine offizielle Heiligsprechung war im 10. Jh. noch nicht üblich.
Am Ende des 12. Jahrhunderts stieg Ludmilla in den Kreis der Schutzpatrone Böhmens auf und steht in einer Reihe neben Václav, Vojtěch und Prokop und ist damit einer der vier Hauptpatrone des Landes.
Darstellung
In langem herrschaftlichen Kleid mit einem Schleier oder einer fürstlichen Kopfbedeckung, meist mit einem Schal oder ein Strick mit dem sie erdrosselt wurde. Oft wird sie mit dem hl. Wenzel als dessen Lehrerin abgebildet.
Patronin
Böhmens, Tschechien, der Großmütter, Mütter und der christlichen Erzieher.
Quellen
vgl. Wikipedia und andere