
Hermann der Lahme, Zeichnung von Gottfried Müller, München 2009
„Ego, minimus et infirmus, tamen in gratia Dei confisus = Ich, der Kleinste und Schwächste, vertraue dennoch auf die Gnade Gottes.“
Ein Behinderter wird heilig. Ein Krüppel als größter Wissenschaftler, Dichter und Musiker seiner Zeit.
„Ut posteritas discat, quae nos docuit historia. = Damit die Nachwelt lerne, was die Geschichte uns gelehrt hat“. (Hermann)
Name
Hermann der Lahme, auch Hermannus Contractus (der Krüppel), Hermann von Reichenau oder Hermann von Altshausen genannt.
Lebensdaten
Geboren: 18. Juli 1013 in Altshausen;
Gestorben: 24. September 1054 auf der Insel Reichenau (Bodensee).
Geboren: 18. Juli 1013 in Altshausen;
Gestorben: 24. September 1054 auf der Insel Reichenau (Bodensee).
Lebensgeschichte
Hermanns Eltern waren Graf Wolfrad II. und Gräfin Hiltrud. Er kam körperlich behindert zur Welt. Heute hätte er wenig Aussicht geboren zu werden. Wenn bei einem Kind im Mutterleib eine Behinderung festgestellt wird, müssen die Ärzte zur Abtreibung raten. Seine Eltern sorgten sich um den kleinen Hermann, ebenso wie um seine anderen 14 Brüder und Schwestern.
Von klein auf wurde er der “Krumme” genannt, weil sein Körperbau so verkrümmt war. Geradestehen war ihm Zeit seines Lebens unmöglich, ebenso wenig konnte er gehen. Seine Finger waren zu schwach und zu verkrümmt zum Schreiben. Lippen und Kinn waren so deformiert, dass man seine Worte kaum verstehen konnte.
Als Siebenjähriger kam Hermann 1020 in die Klosterschule der Benediktiner auf die Insel Reichenau. Damals war die Reichenau eines der kulturellen und wissenschaftlichen Zentren des Abendlandes. Hermanns Aufnahme in die Abtei auf der Reichenau eröffnete ihm die Aussicht auf eine höhere Bildung. Berno, der Abt des Klosters, erkannte schon bald die außerordentlichen Fähigkeiten Hermanns, unterstützte ihn und schuf für ihn die Voraussetzungen für seine geistige Entfaltung.
Es gab keinen Augenblick in seinem Leben, in dem Hermann es sich bequem und gemütlich machen hätte können. Immer begleiteten ihn seine Gebrechen und Schmerzen. Dennoch beschreiben ihn alle zeitgenössischen Chronisten mit erstaunlichen Eigenschaften: freundlich, freundschaftlich, immer lächelnd, tolerant, offenherzig, entgegenkommend, hilfsbereit, höflich mit allen. Alle mochten ihn.
Er wurde von den Mönchen in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Er studierte Mathematik, Griechisch, Latein, Astronomie, Musik und sogar Arabisch. Was anfangs eine Last für das Kloster schien, wurde zu seinem Stolz. Der Ruf Hermanns wurde so groß, dass Kaiser Heinrich III. 1048 und Papst Leo IX. 1049 eigens die Reichenau besuchten, um ihn zu treffen.
Seine große Liebe für die Musik verband er mit tiefer Frömmigkeit und großer Verehrung für die Gottesmutter Maria.
Um das Jahr 1054 hat er die berühmteste marianische Antiphon (Lied) das Salve Regina (Gegrüßet seist du Königin) gedichtet und komponiert. Es ist eines der bekanntesten Werke sakraler Musik.
Er wurde Mönch und im Jahre 1043 erhielt er die Priesterweihe, was eigentlich für einen Menschen mit Behinderung nach dem Kirchenrecht ausgeschlossen war.
Hermann verfasste eine Lehrschrift zum Gebrauch des Abakus, einem mechanischen Rechenhilfsmittel. Als Musikwissenschaftler entwickelte er eine eigene Notenschrift. Er berechnete Sonnen- und Mondfinsternisse, wozu er ebenfalls eine Lehrschrift anfertigte. Er erfand verschiedene Geräte wie beispielsweise die Säulchen-Sonnenuhr. Er baute ein Astrolabium nach, ein Gerät, das sich zur genauen Zeitbestimmung und zur Messung von Himmelsbewegungen eignet, und machte dieses astronomische Gerät als erster im Abendland bekannt.
Hermann gilt als Verfasser der ersten Universalgeschichte, in welcher er regionale Ereignisse mit der Weltgeschichte verknüpfte. Er führe die Bezeichnung vor und nach Christus ein.
Neben seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen vollbrachte Hermann auch Herausragendes in der Poesie und gilt als einer der größten lateinischen Dichter des Mittelalters.
Ihm wird neben dem Lied „Salve Regina“ auch das „Alma redemptoris mater“ zugeschrieben.
Hermann der Lahme starb am 24. September 1054 auf der Insel Reichenau und wurde in der Altshauser St. Ulrichskapelle, der Familiengruft der Grafen von Altshausen, beigesetzt.
Verehrung
In der Altshauser Schlosskirche können im Gang zur Heilig-Grab-Kapelle Besucher auf Text- und Bildtafeln das Wichtigste über Hermanns Leben und sein Wirken erfahren. Auch ist die rechte Seitenkapelle der Kirche Hermann gewidmet, wo unter anderem seine Schädelreliquie zu sehen ist.
(vgl. Elmar Hugger, Gemeinde Altshausen)
Quellen
Wikipedia, heiligenlexikon.de und andere