
Lioba (ca. 710-782); Ikone in der Krypta der Kirche St. Peter in Fulda
Lioba, gib uns von Deiner Sehnsucht nach Gott, von Deinem Mut das Alte zu verlassen, von Deiner Überzeugung, dass Gott immer neu zu finden ist, von Deiner Fähigkeit andere zu Gott zu führen, von Deiner Weisheit anderen zu raten, von Deiner Unbefangenheit im Umgang mit allen, von Deiner Liebe zur Kirche; erbaue uns mit Deinem Glauben, Deiner Hoffnung, Deiner Liebe.
Lehrerin, Missionarin, Äbtissin, (Mitarbeiterin von Bonifatius)
Name
Truthgeba
Rufname: Leobgytha (Lioba); Bedeutung: Liebe, Liebling (got./slaw.)
Namensvarianten: Ljuba, Ljubow, Luba
Gedenktag
28. September
Lebensdaten
Geboren: um 705 in Wessex (England);
Gestorben: 782 oder 789 in Schornsheim bei Mainz, begraben in Fulda.
Gestorben: 782 oder 789 in Schornsheim bei Mainz, begraben in Fulda.
Zeitgenossen
• Tetta († ca. 772) – Äbtissin von Wimborne und Förderin der kontinentalen Mission.
• Walburga (710–779) – Schwester des Willibald, Äbtissin von Heidenheim, ebenfalls aus England stammend, Weggefährtin im angelsächsisch-fränkischen Reformkreis.
• Walburga (710–779) – Schwester des Willibald, Äbtissin von Heidenheim, ebenfalls aus England stammend, Weggefährtin im angelsächsisch-fränkischen Reformkreis.
• Bonifatius (ca. 675–754) – „Apostel der Deutschen“, enger Freund und Förderer Liobas, der sie aus England nach Germanien berief.
• Karl der Große (747–814) – König der Franken, später Kaiser, der nach Liobas Tod die kirchlichen und monastischen Strukturen im Reich festigte.
Lebensgeschichte
Truthgeba oder mit Nickname Leobgytha „Liebling“ war das spätgeborene Einzelkind angelsächsischer Adliger. Ihr Vater hieß Dynne (665-725), die Mutter Ebba (665-730). Über diese war sie mit Winfried/Bonifatius verwandt. Die Legende erzählt, dass die Ehe der Eltern lange kinderlos war. Da träumte die Mutter einmal sie trage eine Glocke in ihrem Schoß, die beim Herausnehmen einen Ton von sich gab. Sie erzählte diesen Traum einer Vertrauten, die ihr daraufhin erklärte, das sie noch eine Tochter gebären werde, die sie Gott weihen solle. Tatsächlich gebar die Frau ein Mädchen das auf den Namen Truthgeba „Gottesgabe“ getauft und Lioba (Liebling) genannt wurde. Mit etwa sieben Jahren kam Lioba in die Obhut der Äbtissin des Doppelklosters Wimborne gegeben. Dort und bei der Äbtissin des Klosters Minster erhielt sie eine umfassende literarische und theologische Bildung, die sie anschließend als Lehrerin selber weitergab.
Die Legende erzählt, dass Lioba einmal einen Traum hatte, bei welchem ein Purpurfaden aus ihrem Munde hervorging. Da sie denselben herausziehen wollte wurde er immer länger, als wenn er aus ihren Eingeweiden hervorkäme. Als sie ihn endlich aufgewickelt hatte, hatte sie einen großen Knäuel in der Hand. Der Traum bedeutet: Der Purpurfaden ist die Lehre der Weisheit, welche aus Liobas Herzen hervorgehen wird. Der aus diesem Faden aufgewickelte Knäuel in ihrer Hand bedeutet, das sie das was sie mit dem Munde lehrt auch in der Tat ausführe.
Lioba gehörte zu den Frauen wie Walburga, die auf Bitten Bonifatius’ mit zur Missionsarbeit nach Deutschland zogen. Sie leitete das neugegründete Kloster, die Siedlung im heutigen Tauberbischofsheim und durchdrang durch die Erziehung der jungen Frauen der Oberschicht das untere Maintal mit christlichem Geist.
Mit Hilfe des fränkischen Adels entwickelte sich das Kloster zum kulturellen Zentrum der Region, die Äbtissin wurde zur gefragten Ratgeberin von Fürsten und Bischöfen in weltlichen und kirchlichen Angelegenheiten.
Für Liobas enorme Wertschätzung spricht die Schenkung ihres Alterssitzes Schornsheim durch Karl den Großen und die Bestimmung Bonifatius’, sie nach ihrem Tod in seinem eigenen Grab zu bestatten.
Verehrung
Nach ihrem Tod auf ihrem Hofgut Schornsheim wurde Lioba tatsächlich nach Fulda überführt und beim Grab Bonifatius’ bestattet.
Rabanus Maurus übertrug am 28. September 836 ihre Reliquien in die Kirche auf dem Fuldaer Petersberg nebenan, um auch Frauen, die keinen Zutritt zur klausurierten Stiftskirche hatten, ihre Verehrung zu ermöglichen.
1525 wanderten ihre Reliquien wegen der Verwüstungen im Bauernkrieg wieder zurück in den heutigen Dom. Ihr leerer Steinsarkophag in der Peterskirche hieß wegen des Brauchs, kranke Kinder hineinzulegen, später im Volksmund „Schreistein“.
Seit 1995 befindet sich ihre Hauptreliquie wieder auf dem Petersberg, ihre Grabeskirche betreuen die Benediktinerinnen von der Heiligen Lioba.
Tauberbischofsheim erhob Lioba wegen der Verschonung während des Zweiten Weltkriegs auf ihre Fürsprache zur Stadtpatronin und feiert sie mit dem Liobatag am letzten Samstag im September.
Darstellung
Als Äbtissin mit Glocke in der Hand
Patronin
Von Tauberbischofsheim
Eine Legende
Eine arme Bettlerin kam täglich zur Klosterpforte und erhielt regelmäßig Kleidung und Nahrung. Die Bettlerin führte aber einen unzüchtigen Lebenswandel. Als sie einmal schwanger wurde, warf sie das Neugeborene bei Nacht in die Tauber, gerade dort wo diese zwischen den Klostergebäuden hindurchfloß und das Wasser für die Benutzung des innerhalb des Klosters gelegenen Mühle gestaut wurde. Am folgenden Tag sah eine Frau, welche dort Wasser holte, den Leichnam des Kindes, erhob darüber einen großen Lärm und scheute sich nicht gegen das Kloster einen Verdacht auszusprechen. Als die Lioba davon erfuhr, rief sie alle Schwestern des Klosters zusammen zum Fürbittgebet und Prozession um das Kloster von diesem Verdacht zu bewahren. Als sie dieses schon zweimal getan hatten trat Lioba zum Altar, stellte sich vor das Kreuz, welches man jetzt zum dritten Male vorzutragen sich anschickte, hob die Hände zum Himmel und betete unter Tränen und Seufzen und sprach: “Herr Jesus Christus, König der Jungfauen, der Du die Unschuld liebst, unbesiegbarer Gott! zeige Deine Kraft und erlöse uns von dieser Schmach; denn die Schmähungen der Spötter sind über uns gekommen." Kaum hatte sie dieses gesagt, da erhob sich jene Bettlerin, rief den Namen der Äbtissin Lioba an und gesteht laut das von ihr begangenen Verbrechen.
Gebet
Lioba,
Lehrerin und Vorbild im Glauben,
Lehrerin und Vorbild im Glauben,
Gib uns von deinem Geist, den Geist der Sehnsucht nach Gott, der dich angetrieben hat,
ein Leben lang Gott im Gebet und im Dienst an den Menschen zu suchen:
ein Leben lang Gott im Gebet und im Dienst an den Menschen zu suchen:
den Geist der Wahrheit, in dem du die Menschen unterrichtet und
ihnen die Botschaft des Evangeliums erschlossen hast.
Den Geist der Heiligkeit, durch den dein alltägliches Leben zum
Gottesdienst wurde.
Gib uns von deinem Geist, den Geist der Weiblichkeit, der uns für die vielfältige Not unserer Zeit sensibel macht.
Den Geist des Aufbruchs, der uns Grenzen überschreiten lässt und uns Kreativität zur Gestaltung der Kirche am neuen Ufer gibt.
Den Geist des Rates und der Einsicht, der uns befähigt, Menschen zu begleiten und zu erziehen, damit sie zur wahren Freiheit der Kinder Gottes gelangen.
Ermutige uns mit deinem Charisma, das Charisma der Einheit mit Gott, dass wir durch Gebet und Gottesdienst die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums deuten lernen.
Das Charisma der diakonischen Hingabe, damit die vielen Menschen, die in unseren Gemeinden leben, das göttliche Leben in Fülle erschmecken.
Das Charisma des Zeugnisses, dass wir durch unser Denken, Reden und Tun die Herzen der Menschen erreichen und sie dem göttlichen Herzen näher bringen.
Erbitte uns von deinem Geist, heilige Lioba, den Geist der Hoffnung, der uns zuversichtlich in die Zukunft blicken lässt.
Den Geist, der in uns ruft: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, Lobpreis dem Gott des Lebens, der alle Menschen beruft, Zeuginnen und Zeugen seiner Gegenwart zu sein, jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen.
Quellen
2Bistum Augsburg, Wikipedia, heiligenlexikon.de, kath-tauberbischofsheim.de und andere