Jerzy Popiełuszko, 19. Oktober

Jerzy Popiełuszko (1947-1984)
 
„Das Böse besiegt man nicht mit Bösem, sondern nur mit Gutem.“(vgl. Röm 12,21) 
„Die Wahrheit ist unzerstörbar. Man kann sie unterdrücken, aber nicht vernichten.“
„Christ sein heißt: immer dort stehen, wo die Wahrheit steht, auch wenn es gefährlich ist.“
„Wir müssen das Böse in uns und um uns überwinden – durch die Kraft des Guten, durch Liebe, durch Gebet und durch Wahrheit.“
„Lasst euch nicht vom Hass beherrschen.“
 
Priester - Märtyrer

Name
Alfons Aleksander Popiełuszko; Jerzy ist sein Nickname ist eine polnische Form von Georg und bedeutet „Bauer“

Gedenktag
19. Oktober

Lebensdaten
Geboren: 14. September 1947 in Okopy als Alfons Popiełuszko; Gestorben (erschlagen) am 19. Oktober 1984 bei Włocławek, zwischen Torun und Plock, Polen im Alter von 37 Jahren.  

Bedeutung 
Polnischer Priester, der sich in der kommunistischen Diktatur an die Seite der Arbeiterbewegung Solidarność stellte. In seinen Predigten verband er den Glauben mit Wahrheit, Gewissensfreiheit und Menschenwürde. Er wurde vom polnischen Staatssicherheitsdienst entführt und ermordet. Sein Todestag ist der 19. Oktober; seine Seligsprechung erfolgte 2010.
Er ist eine besonders wichtige Gestalt des 20. Jahrhunderts, weil sein Zeugnis zeigt, wie christliche Verkündigung unter politischer Unterdrückung zur Stimme für die Würde des Menschen werden kann.
 
Zeitgenossen 
• Mary McAleese (1951–) – Irische Juristin und Politikerin, von 1997 bis 2011 Präsidentin Irlands. Sie setzte sich für Versöhnung und den Dialog zwischen katholischer Kirche und Gesellschaft ein.
• Jeannine Gramick (1942–) – US-amerikanische Ordensfrau und Mitbegründerin von New Ways Ministry, bekannt für ihre pastorale Arbeit mit homosexuellen Menschen.
• Lech Wałęsa (1943–) – Polnischer Gewerkschaftsführer und Mitbegründer von Solidarność. Er wurde zu einer zentralen Persönlichkeit des gewaltfreien Widerstands gegen das kommunistische Regime und erhielt 1983 den Friedensnobelpreis.
• Kardinal Robert Sarah (1945–) – Katholischer Geistlicher aus Guinea, ehemaliger Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Er steht für eine stark geistlich geprägte Verkündigung und eine weltkirchliche Perspektiv .
 
Lebensgeschichte
Jerzy wurde in Okopy geboren. Er stammte aus einfachen dörflichen Verhältnissen und wuchs im ländlichen Podlachien im Nordosten Polens auf. Nach dem Gymnasium trat er ins Priesterseminar in Warschau ein.
Den Wehrdienst musste er daher von 1966 bis 1968 in einer gefürchteten Sondereinheit für Priesteramtskandidaten in Bartoszyce ableisten. Nach mehreren Stellen in der Pfarrseelsorge wurde er Studentenseelsorger.
 
Während der 1980 geführten Streiks wurde Popiełuszko, damals im Amt eines Kaplans, als Seelsorger zur Unterstützung der Warschauer Stahlarbeiter eingesetzt. Nach dem Verbot der Gewerkschaft Solidarność wurde seine Sankt-Stanisław-Kostka-Gemeinde zum Sammelbecken für oppositionelle Bürgerrechtler. In seinen Predigten kritisierte er scharf das kommunistische Regime, das 1981 verhängte Kriegsrecht und das Verbot der Gewerkschaft Solidarność.
 
Seine monatliche „Messe für das Vaterland“ fand so regen Zulauf, dass sie mit Lautsprechern ins Freie übertragen wurde. Wie viele andere polnische Kirchengemeinden unterstützte Popiełuszkos Gemeinde die Familien der Regimegegner, die ihren Arbeitsplatz verloren hatten oder im Gefängnis saßen. Hilfsgüter erhielt die Gemeinde unter anderem von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Diese Kontakte sah die polnische Staatsführung als „staatsfeindliche Verbindungen“ an. Folgen waren Bespitzelung, Bedrohung und Verhöre.
 
Im Dezember 1983 wurden Popiełuszko bei einer Durchsuchung seiner Wohnung Sprengstoff, Granaten und Munition untergeschoben. Aufgrund dieser fingierten Beweise wurde er wegen Sabotage verhaftet, bald aber auf Druck der Öffentlichkeit und auf Intervention des Bischofs Bronisław Dąbrowski beim Innenminister freigelassen und anschließend im Rahmen einer Amnestie begnadigt.
 
Am 13. Oktober 1984 scheiterte ein Anschlag durch den Sicherheitsdienst mittels eines Steinwurfs auf sein vorbeifahrendes Auto. Am 16. Oktober bot ihm der damalige Primas Józef Glemp einen Studienaufenthalt in Rom an, den er ablehnte. Am 19. Oktober stoppten drei Offiziere des Staatssicherheitsdienstes seinen Wagen bei Toruń (Thorn) und entführten ihn. Sie schlugen ihn mit Fäusten und Holzknüppeln, banden Steine an seine Füße und ertränkten ihn im Weichsel-Stausee bei Włocławek. 

Die Öffentlichkeit reagierte auf den Fund der Wasserleiche aufgebracht. Die Beerdigung am 3. November 1984 in der St.-Stanisław-Kostka-Gemeinde in Warschau, an der 800.000 Menschen teilnahmen, wurde zu einer Demonstration gegen die kommunistische Staatsmacht.
Die Regierung von General Wojciech Jaruzelski ließ den Tätern den Prozess machen. Es gab jedoch nur Urteile zwischen 10 und 25 Jahren Haft, die später gemildert wurden. Zudem erklärten die Richter damals, Hintermänner habe es keine gegeben. Erst im Jahr 2004 wurden Dokumente veröffentlicht, nach denen Jaruzelski bereits 1984 seinen ehemaligen Innenminister und Mitglied des Zentralkomitees General Mirosław Milewski als Drahtzieher verdächtigte, der sich jedoch auf den sowjetischen Geheimdienst KGB stützen konnte. Trotzdem gilt die schnelle Aufklärung der Tat als einer der „letzten Sargnägel für das kommunistische Regime in Polen“.
 
Verehrung
Die Entführung und Ermordung wurde zum Symbol des Widerstandes, der politischen Rolle der katholischen Kirche und der Brutalität des Sicherheitsapparates in der damaligen Volksrepublik Polen.
Seit dem 13. Juli 1986 wird Jerzy Popiełuszko in der Kapelle der „Schwarzen Madonna“ in Illdorf (Bayern) verehrt.
 
Am 8. Juli 1997 leitete Papst Johannes Paul II. den Seligsprechungsprozess ein. Papst Benedikt XVI. sprach sich für eine Beschleunigung des Verfahrens aus und erkannte ihm durch ein Dekret am 19. Dezember 2009 den heroischen Tugendgrad zu. Sein Grab besuchten bis 2009 etwa 24 Millionen Pilger, darunter Johannes Paul II., Benedikt XVI., George H. W. Bush und Margaret Thatcher. Am 6. Juni 2010 wurde Popiełuszko auf dem Piłsudski-Platz in Warschauvor über 100.000 Menschen und in Anwesenheit seiner 100 Jahre alten Mutter Marianna durch Erzbischof Angelo Amato seliggesprochen. 2014 wurde das Verfahren zur Heiligsprechung eröffnet.
Seit 2015 besteht das Museum des Martyriums des Seligen Priesters Jerzy Popiełuszko in Włocławek.
 
Quellen
 www2.Bistum-Augsburg.de, Wikipedia, heiligenlexikon.de, VaticanNews und andere. 
 
Website