
Johannes Duns Scotus (1266-1308); Fresko im Franziskanerkloster Bozen um 1500, Bozen, Südtirol.
Grabinschrift von Scotus
Schottland hat mich geboren,
England hat mich aufgenommen,
Frankreich hat mich gelehrt,
Köln hält mich.
Bedeutung
Kirchenlehrer
Kirchenlehrer
Johannes Duns Scotus ist neben Albertus Magnus und Thomas von Aquin der bedeutendste Theologe und Philosoph des lateinischen Mittelalters. Bekannt als Doctor Subtilis – der feine Denker des Glaubens und Sänger der Liebe Gottes. Er sagt: „Nicht der Verstand, sondern die Liebe eint die Seele mit Gott.“ - „Maria wurde erlöst in vollkommener Weise, weil sie nie in die Sünde fiel.“ - „Gott wollte Mensch werden, auch wenn Adam nicht gesündigt hätte.“
Scotus zeigt, dass der Glaube keine Flucht in den Geist, sondern eine Bewegung des Herzens ist. Seine Theologie der Liebe, der Freiheit und der Würde jedes Geschöpfes ist aktueller denn je: Gott ruft uns nicht zuerst zum Wissen, sondern zur liebenden Beziehung.
Name
Johannes Duns Scotus, nach seinem vermutlichen Geburtsort Duns in Schottland (Scotus), nahe der englischen Grenze bei Berwick-upon-Tweed, benannt.
Gedenktag
8. November
Lebensdaten
Geboren: ca. 1266 in Duns in Schottland,
1280 Eintritt in den Orden der Franziskaner
1302 Lehrer in Paris
1307 Lektor an der franziskanischen Ordensschule in Köln
Verfasser zahlreicher theologischer und philosophischer Texte und Bücher.
1302 Lehrer in Paris
1307 Lektor an der franziskanischen Ordensschule in Köln
Verfasser zahlreicher theologischer und philosophischer Texte und Bücher.
Gestorben: 8. November 1308 in Köln im Alter von 42 Jahren.
Zeitgenossen
• Margareta Porete (um 1250–1310) – Mystikerin und Verfasserin des „Spiegels der einfachen Seelen“.
• Agnes von Montepulciano (1268–1317) – Dominikanerin und Mystikerin.
• Meister Eckhart (um 1260–1328) – Dominikanischer Theologe und Mystiker.
• Dante Alighieri (1265–1321) – Dichter und Verfasser der Göttlichen Komödie.
Lebensgeschichte
Johannes empfing die Priesterweihe bei den Franziskanern im Kloster Saint Andrews in Northampton am 17. März 1291. Mehr biografische Informationen sind nicht von ihm überliefert. Aufgrund seiner intellektuellen Begabung wurde er »Doctor subtilis«, das heißt scharfsinniger Denker genannt.
Johannes empfing die Priesterweihe bei den Franziskanern im Kloster Saint Andrews in Northampton am 17. März 1291. Mehr biografische Informationen sind nicht von ihm überliefert. Aufgrund seiner intellektuellen Begabung wurde er »Doctor subtilis«, das heißt scharfsinniger Denker genannt.
Er studierte Philosophie und Theologie an den berühmten Universitäten von Oxford, Cambridge und Paris. In Paris erlebte er starke Feindseligkeiten von Seiten des Königs aufgrund seiner Treue gegenüber Christus, der Kirche und dem Papst und emigrierte deshalb nach Köln. Aufgrund seines frühen Todes hinterließ Scotus kein geordnetes Werk, sondern eine Vielzahl von Manuskripten seiner Vorlesungen. Da er im Ruf der Heiligkeit stand, verbreitete sich seine Verehrung recht schnell.
Johannes Duns Scotus hat vor allem über das Geheimnis der Menschwerdung Gottes nachgedacht und im Gegensatz zu vielen anderen christlichen Denkern die Auffassung vertreten, dass der Sohn Gottes auch dann Mensch geworden wäre, wenn die Menschheit nicht gesündigt hätte. „Zu glauben, daß Gott auf dieses Werk verzichtet hätte, wenn Adam nicht gesündigt hätte, wäre völlig unvernünftig! Ich sage daher, daß der Sündenfall nicht die Ursache für die Vorherbestimmung Christi war und daß Christus auch unter dieser Annahme – wenn also niemand, weder Mensch noch Engel, zu Fall gekommen wäre – noch immer in gleicher Weise vorherbestimmt gewesen wäre“ (in III Sent., d. 7,4).
Dieser überraschende Gedanke kommt daher, daß er erkennt, dass die Menschwerdung Christi, die Gottvater in seinem Liebesplan von Ewigkeit her vorgesehen hatte, die Vollendung der Schöpfung ist, die es jedem Geschöpf ermöglicht, in Christus und durch ihn von der Gnade erfüllt zu sein und Gott bis in alle Ewigkeit Lobpreis und Ehre zu erweisen.
Natürlich weiß Scotus, daß Jesus Christus uns aufgrund der Erbsünde durch sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung erlöst hat, doch er betont, dass die Menschwerdung das größte und schönste Werk der ganzen Heilsgeschichte ist: Sie entspricht dem ursprünglichen Plan Gottes, am Ende die ganze Schöpfung in der Person und im Fleisch des Sohnes mit sich zu vereinen.
Als treuer Schüler des Heiligen Franziskus liebte Duns Scotus es, das Geheimnis des heilbringenden Leidens Christi zu betrachten, den Ausdruck der unermeßlichen Liebe Gottes, der seine Güte und seine Liebe mit äußerster Großherzigkeit um sich herum ausstrahlt (vgl. Tractatus de primo principio, Kap. 4).
Diese Liebe offenbart sich nicht nur auf bei der Kreuzigung Jesu auf dem Hügel Golgota, sondern auch in der heiligsten Eucharistie. Er betrachtete sie als das Sakrament der Realpräsenz Jesu und als das Sakrament der Einheit und der Gemeinschaft, das uns dazu führt, einander zu lieben und Gott als das gemeinsame höchste Gut zu lieben (vgl. Reportata Parisiensia, in IV Sent., d. 8, q. 1, n. 3).
„Wie diese liebende Zuwendung, diese Liebe, am Anfang von allem steht, so wird auch unsere Glückseligkeit allein in liebender Zuwendung und Liebe bestehen: ‚Das Wollen in Form der Liebe ist das ewige, seligmachende und vollkommene Leben‘ (AAS 101 [2009].
Nicht nur die Rolle Christi in der Heilsgeschichte, sondern auch die von Maria ist Gegenstand der Reflexion von Duns Scotus. Er entdeckte das Argument der »Vorauserlösung«, der zufolge die Unbefleckte Empfängnis Mariens das schönste Werk der von Christus gewirkten Erlösung darstellt, weil durch die Kraft seiner Liebe und seiner Mittlerschaft die Mutter vor der Erbsünde bewahrt wurde. Maria wurde also von Christus vollkommen erlöst, aber bereits vor ihrer Empfängnis.
Duns Scotus hat, was das Gottesvolk bereits von sich aus in Bezug auf die Allerseligste Jungfrau glaubte und in Werken der Frömmigkeit, in der Kunst und ganz allgemein im christlichen Leben zum Ausdruck brachte, wie der Glaube sowohl an die Unbefleckte Empfängnis als auch an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel durchdacht. Das Gottesvolk geht also den Theologen voraus, und zwar dank jenes übernatürlichen „sensus fidei - Glaubenssinn -, jener vom Heiligen Geist eingegossenen Fähigkeit, die in die Lage versetzt, die Wirklichkeit des Glaubens mit demütigem Herzen und Verstand anzunehmen wie zum Beispiel Bernadette Soubirous, Therese von Lisieux und andere.
Schließlich hat Duns Scotus einen Punkt entwickelt, dem gegenüber die Moderne sehr sensibel ist: Es geht um das Thema der Freiheit und ihrer Beziehung zum Willen und zum Intellekt. Scotus hebt die Freiheit als grundlegende Eigenschaft des Willens hervor
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und beginnt einen Ansatz voluntaristischer Tendenz, der sich im Gegensatz zum sogenannten augustinischen und thomistischen Intellektualismus entwickelte. Für Thomas von Aquin, der in seinen Argumenten Augustinus folgt, kann die Freiheit nicht als Eigenschaft betrachtet werden, die dem Willen innewohnt, sondern vielmehr als Frucht der Zusammenarbeit von Willen und Intellekt. Die Idee aber einer angeborenen und absoluten Freiheit, die dem Willen innewohnt, der dem Intellekt vorausgeht, sowohl bei Gott als auch beim Menschen, birgt nämlich die Gefahr, zur Idee eines Gottes zu führen, der nicht einmal an die Wahrheit und das Gute gebunden wäre.
Der Wunsch, die absolute Transzendenz und Andersheit Gottes durch eine so radikale und undurchschaubare Hervorhebung seines Willens zu retten, berücksichtigt nicht, daß der Gott, der sich in Christus offenbart hat, der Gottes-»Logos« ist, der liebend für uns gehandelt hat und handelt.
Gewiß übersteigt, wie Duns Scotus auf der Linie der franziskanischen Theologie bekräftigt, die Liebe die Erkenntnis und ist sie in der Lage, immer mehr wahrzunehmen als das Denken, aber es ist stets die Liebe des Gottes-»Logos« (vgl. Benedikt XVI., Ansprache in Regensburg, 12. September 2006; in O.R. dt., Nr. 38 vom 22.9.2006, S. 8).
Auch im Menschen übersieht die Idee der absoluten, im Willen angesiedelten Freiheit, die die Bindung an die Wahrheit vergißt, daß auch die Freiheit selbst befreit werden muß von den Grenzen, die ihr durch die Sünde gesetzt werden. „Die Freiheit war zu allen Zeiten der große Traum der Menschheit – von Anfang an, aber besonders in der Moderne“ (Ansprache im Römischen Priesterseminar, 20. Februar 2009; in O.R. dt., Nr. 10 vom 6.3.2009, S. 8).
Nicht nur unsere persönliche Erfahrung, sondern gerade auch die Neuere Geschichte lehrt uns jedoch, daß die Freiheit nur dann authentisch ist und zum Aufbau einer wirklich menschlichen Zivilisation beiträgt, wenn sie mit der Wahrheit versöhnt ist. Wenn sie von der Wahrheit losgelöst ist, dann wird die Freiheit tragischerweise zum Prinzip der Zerstörung der inneren Eintracht des Menschen, zur Quelle des Mißbrauchs der Macht durch die Stärkeren und die Gewalttätigen und zur Ursache von Leid und Trauer.
Wie alle Fähigkeiten, mit denen der Mensch ausgestattet ist, wächst die Freiheit und wird sie vollendet, so Duns Scotus, wenn der Mensch sich Gott gegenüber öffnet, indem er sich die Veranlagung zum Hören auf seine Stimme zunutze macht. Wenn wir auf die göttliche Offenbarung, das Wort Gottes, hören, um es anzunehmen, dann erreicht uns eine Botschaft, die unser Leben mit Licht und Hoffnung erfüllt; dann sind wir wirklich frei.
Duns Scotus lehrt uns, daß das Wesentliche in unserem Leben darin besteht zu glauben, daß Gott bei uns ist und uns in Christus Jesus liebt, und daher eine tiefe Liebe zu ihm und seiner Kirche zu pflegen. Wir sind Zeugen dieser Liebe in unserer Welt.
Verehrung
Sein Grab befindet sich in der Minoritenkirche in Köln, in der auch Adolph Kolping beigesetzt ist. Papst Johannes Paul II. nahm am 20. März 1993 seine feierliche Seligsprechung vor und nannte ihn „Verkündiger des menschgewordenen Wortes und Verteidiger der Unbefleckten Empfängnis Mariens“.
Quellen
Benedikt XVI. Generalaudienz 2010; www2.bistum-augsburg.de, Wikipedia, heiligenlexikon.de, Heilige und andere.