
François Xavier Nguyên Van Thuân (1928-2002)
Namen
François Xavier Nguyen Van Thuan.
Der Name verbindet die westliche Namenstradition François Xavier als Vorname vor den Familiennamen Nguyên und dem vietnamesischen Namen Van Thuân als persönlicher Name der hinter dem Familiennamen steht.
Der Name verbindet die westliche Namenstradition François Xavier als Vorname vor den Familiennamen Nguyên und dem vietnamesischen Namen Van Thuân als persönlicher Name der hinter dem Familiennamen steht.
Sterbetag
16. September
Lebensdaten
Geboren: 17. April 1928 in Phủ Cam, einem Vorort der Kaiserstadt Huế, Vietnam;
Gestorben: 16. September 2002 in Rom.
Gestorben: 16. September 2002 in Rom.
Lebensgeschichte
François Xavier Nguyên Van Thuân ist das älteste von insgesamt acht Kindern. Die Familie ist fest im katholischen Glauben verwurzelt. Vorbilder sind die Vorfahren mütterlicher- als auch väterlicherseits, die trotz jahrhundertelanger Verfolgung und Repressalien treu zum Glauben stehen. François erinnert sich: Unsere Mutter erzählte uns oft die Geschichte der Verfolgung unter Văn-Thân. Zusammen mit anderen Katholiken wurde die gesamte Familie, bis auf zwei, in die Kirche getrieben und verbrannte bei lebendigem Leibe. Ngô-Đình-Khả [Van Thuâns Großvater] war zu dieser Zeit in Penang. Seine jüngere Schwester, Ngô-Đình thị Tiên, lag geschützt unter anderen Körpern und konnte so überleben. Wenige Jahre später trat sie in einen Orden ein.
Trotz entbehrungsreicher Jahre und vieler Rückschläge bringt es die Familie zu Wohlstand und Ansehen. Van Thuâns Vater, Thaddäus Nguyên Van Am (1900 -1993), ist, wie seine Vorfahren, als Bauunternehmer tätig. Seine Mutter Elizabeth Ngô-Đình Thị Hiệp (1903 -2005) stammt aus einer politisch einflussreichen Familie. Ihr Vater, Ngô-Đình-Khả, bekleidet zunächst wichtige Ämter am kaiserlichen Hof. Er ist äußerst gebildet und steht loyal zum Kaiser, selbst als dieser durch die französische Kolonialbesatzung entmachtet wird. Khả verliert so seine Ämter und wird Landwirt. Er gibt sein tiefgreifendes politisches Verständnis, die bedingungslose Liebe zum Vaterland und die feste Verwurzelung im Glauben an seine neun Kinder weiter. Sein Sohn Thục wird Erzbischof des 1960 neugeschaffenen Erzbistums Huế, sein Sohn Diệm ist von 1955 bis zu seiner Ermordung 1963 Präsident von Südvietnam. Seiner Tochter Hiệp, die ihm gedanklich am nächsten steht, überträgt er die Verantwortung, sein spirituelles und politisches Vermächtnis zu wahren und in die nächsten Generationen weiterzutragen.
Dem Vorbild der Mutter und dem Beispiel seines Onkels Thục folgend, zeichnet sich schon früh ab, dass Van Thuân Priester werden möchte. 1940, mit 12 Jahren, tritt er in das Schülerkonvikt von An Ninh ein, das etwa 100 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt liegt. Geführt wird es von Priestern der Missions Étrangères de Paris (MEP). In An Ninh liest er begeistert die Schriften der Kirchenlehrer und Missionare. Besondere Vorbilder sind ihm sein Namenspatron der Heilige Franz Xaver, die Heilige Thérèse von Lisieux und der Pfarrer von Ars, Johannes Maria Vianney. Vollkommene Hingabe, Vertrauen, unbeugsamer Wille, Demut, Geduld und Beharrlichkeit sowie die innere Unabhängigkeit von Erfolg und Misserfolg lernt er von den Heiligen. Später, in der Gefangenschaft, wird ihm deren Motivation über so manche schlimme Stunde hinweghelfen.
Im Alter von 19 Jahren tritt Van Thuân 1947 in das Priesterseminar Phú Xuân in Huế ein. Dort studiert er Theologie und Philosophie. Am 11. Juni 1953 wird er von Bischof Jean-Baptiste Urrutia MEP zum Priester geweiht. Der erste priesterliche Einsatz führte ihn in die Provinz Quảng Bình, 160 km nördlich von Huế. Bereits nach wenigen Wochen erkrankt Van Thuân schwer an Tuberkulose. Einem Krankenhausaufenthalt in Huế folgt die Verlegung nach Saigon, wo ihm ein Teil der Lunge entfernt werden soll. Unmittelbar vor der Operation stellen die Ärzte fest, dass Van Thuân wie durch ein Wunder von seiner schweren Erkrankung geheilt ist.
Nach seiner Genesung entsendet ihn Bischof Urrutia zunächst in die St. Franziskus-Pfarrei in Huế und ernennt ihn schließlich zum Kaplan an der Pellerin-Schule, dem Zentralhospital und dem Provinzgefängnis dieser zentralvietnamesischen Stadt. Bischof Urrutia ist es auch, der Van Thuân von 1956 bis 1959 zum Studium nach Rom schickt an die Päpstliche Universität Urbaniana.
Seine Promotion im Kirchenrecht zum Thema ‚Die weltweite Organisation der Militärgeistlichen' schließt Van Thuân 1959 mit ‚summa cum laude' ab und kehrt nach Vietnam zurück. Dort unterrichtet er am Schülerkonvikt An Ninh, das nach Huế verlagert worden war, wird schließlich dessen Rektor. 1964 erfolgt seine Einsetzung als Generalvikar der Erzdiözese Huế.
Am 13. April 1967 ernennt Papst Paul VI. Van Thuân zum Bischof von Nha Trang. Er ist dort der erste Einheimische, der einen französischen Würdenträger ersetzt. Die Weihe erfolgt am 24. Juni durch den Apostolischen Nuntius für Vietnam, Laos und Kambodscha, Erzbischof Angelo Palmas. Zu seinem Leitspruch wählt Van Thuân die Anfangsworte der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute: Gaudium et Spes - Freude und Hoffnung, denn er will ein Apostel der Freude und Hoffnung sein.
Während der folgenden achtjährigen Tätigkeit in der Diözese Nha Trang legt Bischof Van Thuân einen Schwerpunkt auf die Unterstützung von Laienorganisationen und geistlichen Gemeinschaften innerhalb der katholischen Kirche, wie beispielsweise die Legio Mariae, die Cursillos de Cristiandad und die Fokolar-Bewegung. Auch der Förderung neuer Berufungen widmet er sich mit vollem Einsatz. Daneben nimmt er verschiedene Ämter innerhalb der vietnamesischen Bischofskonferenz wahr. So ist er beispielsweise Vorsitzender des Komitees für Gerechtigkeit und Frieden sowie des Komitees für die sozialen Kommunikationsmittel. Er setzt sich für die Schaffung einer asiatischen Bischofskonferenz ein (FABC) und wird 1973 Vizepräsident des Förderprogramms COREV, das den Wiederaufbau Vietnams und die Wiederansiedlung von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten unterstützt.
Von 1971 bis 1975 ist Bischof Van Thuân Konsultor des Päpstlichen Laienrates in Rom. Während der Aufenthalte in der italienischen Hauptstadt lernt er auch den Erzbischof von Krakau, Karol Wojtyła, kennen, den späteren Papst Johannes Paul II. Durch ihn erhält er Einblicke in die Pastoralarbeit unter einem kommunistischen Regime.
Am 23. April 1975 ernennt Papst Paul VI. Bischof Van Thuân zum Koadjutor-Erzbischof von Saigon und zum Titularbischof von Vadesi. Er verlässt Nha Trang und macht sich auf den Weg nach Saigon, wohl wissend, dass ihm schwere Zeiten unter dem neuen Regime bevorstehen. Am Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel, am 15. August 1975, wird Bischof Van Thuân in den ehemaligen Präsidentenpalast in Saigon einbestellt und verhaftet. Vorgeworfen wird ihm, dass seine Ernennung zum Erzbischof-Koadjutor ein Komplott des Vatikans und der Imperialisten sei. Man bringt ihn nach Nha Trang zurück und stellt ihn zunächst in der Pfarrei Cây Vông unter Hausarrest. Hier entstehen seine kurzen pastoralen Botschaften, die er auf Kalenderblättern niederschreibt und aus seinem Arrest herausschmuggeln und verteilen lässt.
Mit der Verhaftung am 15. August 1975, mit dieser vorgeblichen Anschuldigung und ohne Gerichtsverhandlung beginnen für Van Thuân 13 Jahre der Gefangenschaft, davon neun Jahre in Einzelhaft. 1976 wird er nach Nordvietnam in das Gefangenenlager Vinh Quang, in den Bergen der Provinz Vinh Phu gebracht. Schließlich folgen der Aufenthalt in einem Gefängnis der Polizei von Hanoi und die erneute Anordnung von Hausarrest, dieses Mal in Giang Xá, einem Vorort der nordvietnamesischen Großstadt. Ab 1982 wird Van Thuân an unterschiedlichen Orten gefangen gehalten, zumeist in Isolationshaft.
Die Kraft, die Jahre der Gefangenschaft und besonders die der Isolation zu überleben, diese Kraft zieht Van Thuân aus der Eucharistie. Mit Wein, den ihm seine Angehörigen als ‚Medizin gegen Magenschmerzen' schicken und eingeschmuggelten Hostien, manchmal auch nur einigen Brotkrumen, feiert er täglich die heilige Messe.
Am 21. November 1988, dem Gedenktag „Unsere lieben Frau von Jerusalem", wird Van Thuân aus der Haft entlassen. Unter der Aufsicht des damaligen Erzbischofs von Hanoi lebt er in dessen Haus. Er darf keine pastoralen Dienste ausüben, sich aber innerhalb der Stadt frei bewegen.
Im März 1989 erhält Van Thuân die Erlaubnis, seine hochbetagten Eltern, die mittlerweile in Sydney leben, besuchen zu dürfen. Es ist ihm auch gestattet, nach Rom zu reisen, um den Heiligen Vater zu treffen, und anschließend nach Hanoi zurückzukehren. 1991 wird ihm erneut eine Reiseerlaubnis erteilt, die Rückkehr nach Vietnam aber untersagt. Für ihn beginnen die Jahre des Exils. Im Herzen bleibt er seinem Heimatland und der Kirche Vietnams eng verbunden. Er unternimmt vielfältige Anstrengungen, um soziale Anliegen zu unterstützen und zu fördern, beispielsweise Behandlungszentren für Leprakranke, verschiedene gemeinnützige Organisationen sowie Studienprojekte, die sich mit der vietnamesischen Kultur und der katholischen Kirche in Vietnam beschäftigen. Auch für den Wiederaufbau von Kirchen und für die Ausbildung von Seminaristen sammelt er Spenden. Allen persönlichen Einschränkungen zum Trotz, die ihm seitens der kommunistischen Machthaber auferlegt sind, lebt und verkündet er Vergebung und Versöhnung.
In den ersten Jahren in Rom betreut Van Thuân die vietnamesischen Auslandsgemeinden in Europa. Weltweit wird er eingeladen, um Vorträge zu halten und zu predigen. Für sein beispielhaftes Leben und sein Engagement erhält er zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, so 1996 die Ehrendoktorwürde der Universität der Jesuiten in New Orleans, LA, USA.
Im November 1994 ernennt ihn der Heilige Vater zum Vizepräsidenten des ‚Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden' und schließlich am 24. Juni 1998 zu dessen Präsidenten. Ein Jahr später erhält er von Papst Johannes Paul II. die besondere Einladung, die Fastenexerzitien der Kurie am Beginn des neuen Jahrtausends zu halten. Das Thema dieser Meditationen ist die Hoffnung.
Am 21. Februar 2001 wird Van Thuân durch den Heiligen Vater zum Kardinal erhoben und in das Kardinalskollegium aufgenommen. Gleichzeitig erfolgt die Ernennung zum Titularbischof der Kirche Santa Maria della Scala im römischen Trastevere.
Zu diesem Zeitpunkt weiß er bereits von seiner unheilbaren Krebserkrankung. Seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis hat er sich sieben Operationen unterziehen müssen, der letzten am 8. Mai 2002 in Mailand. Sein Zustand verschlechtert sich zusehends. Bereits schwer gezeichnet von seiner Krankheit, unterschreibt er das Manuskript des ‚Kompendiums der Soziallehre der Kirche', an dessen Verfassung er maßgeblich beteiligt war, dessen Veröffentlichung er aber nicht mehr erleben wird.
Am 16. September 2002 stirbt Kardinal François Xavier Nguyên Van Thuân in Rom. Beigesetzt wird er zunächst auf dem Hauptfriedhof von Rom, dem Campo Verano, dann, am 8. Juni 2012, in eine Seitenkapelle seiner Titularkirche Santa Maria della Scala umgebettet.
Verehrung
2006, während der hl. Messe zum vierten Todestag von Kardinal Van Thuân, verkündet Renato Raffaele Kardinal Martino, sein Nachfolger als Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, man habe Papst Benedikt XVI. den Wunsch vorgetragen, das Seligsprechungsverfahren für den vietnamesischen Kirchenmann zu eröffnen. Der Heilige Vater begrüßt den Vorschlag ausdrücklich.
Am 4. Mai 2017 ermächtigt Papst Franziskus den Vorsitzenden der Kongregation, Angelo Kardinal Amato SDB, ein Dekret zu veröffentlichen, das die heroischen Tugenden und damit die Verehrungswürdigkeit Kardinal Van Thuâns bestätigt. Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg der Seligsprechung ist damit getan.
Quellen
vgl. https://kardinal-van-thuan.de/de/Leben-und-Zeit/Familie-Kindheit-Jugend.php; Wikipedia und andere