Theodora Guerin, 3. Oktober

Theodora Guerin (1798-1856)

„Wir sind nicht aufgerufen, alles Gute zu tun, was möglich ist, sondern nur das, was wir tun können.“ – Theodor Guerin
 
Name
Theodora Guerin (1798–1856) wurde als Anne-Thérèse Guerin in der Bretagne, Frankreich, geboren.
 
Gedenktag
3. Oktober

Lebensdaten
Geboren: 2. Oktober 1798 in Étables-sur-Mer, in der Bretagne, Frankreich;
Gestorben: 14. Mai 1856 in Saint Mary's-of-the-Woods, Indiana, USA, im 58. Lebensjahr. 

Zeitgenossen
• Julie Billiart (1751–1816) – Gründerin der Schwestern von Notre-Dame.
• Elisabeth Ann Seton (1774–1821) – erste in den USA geborene Heilige; Gründerin der Sisters of Charity und Pionierin des katholischen Schulwesens. 
• Johannes Maria Vianney (1786–1859) – Pfarrer von Ars.
• Vinzenz Pallotti (1795–1850) – italienischer Priester und Gründer der Pallottiner.
• Peter Chanel (1803–1841) – Maristenmissionar und Märtyrer in Ozeanien.
 
Lebensgeschichte
Theodora Guerin (1798–1856) wurde als Anne-Thérèse Guerin als Tochter von Laurent und Isabelle Guerin geboren. Die Guerins waren eine angesehene und tiefgläubige Familie. Sie lebten in dem bretonischen Dorf Étables-sur-Mer in Frankreich in einem reetgedeckten Häuschen an einem kleinen Feld nahe dem Meer. Sie war ein sehr frommes Kind, empfing früh die Erstkommunion und äußerte den Wunsch, in einen Orden einzutreten. Isabelle kümmerte sich während der Abwesenheit ihres Mannes allein um die Familie. Bildung war ihr sehr wichtig, und sie verbrachte viel Zeit damit, die junge Anne-Thérèse und ihre Geschwister zu unterrichten. Diese Lektionen im Lesen, Schreiben und in der Bibel sollten ihr ihr ganzes Leben lang von Nutzen sein.

Die Familie Guerin erlitt einen verheerenden Schicksalsschlag, als Anne-Thérèse erst zwei Jahre alt war. Ihr ältester Bruder starb bei einem Hausbrand. Er war gerade einmal drei Jahre alt. Einige Jahre später, als Anne-Thérèse 15 Jahre alt war, traf die Familie Guerin erneut eine Tragödie. Ihr vierjähriger Bruder schlief nahe dem Kamin, um sich zu wärmen, als ein Funke des Feuers seine Decke entzündete. Die Familie musste abermals den schmerzlichen Verlust eines Kindes durch ein Feuer verkraften. Später im selben Jahr kehrte Laurent nach drei langen Jahren in seine Heimat zurück. Auf seiner Reise wurde er von Banditen überfallen und ermordet. Zu allem Übel hatte er seine Ersparnisse der letzten drei Jahre bei sich.
All das war mehr, als Isabelle ertragen konnte. Ihre Trauer war so tief, dass sie den Alltag nicht mehr bewältigen konnte. So fand sich Anne-Therese mit 15 Jahren plötzlich in der Verantwortung für den Haushalt wieder. Sie erledigte die Hausarbeit, unterrichtete ihre Schwester, pflegte ihre kranke Mutter und kümmerte sich um den Garten. Als ihre Schwester alt genug war, um im Haushalt mitzuhelfen, nahm Anne-Therese Näharbeiten und Fabrikjobs an, um die Familie zu unterstützen.
Dieses Unglück, ihren Vater zu verlieren, brachte alle Kräfte von Anne Therese zum Vorschein. Sie war nun die Hilfe und Gefährtin ihrer Mutter; sehr wahrscheinlich formte dieser Schicksalsschlag jene Entschlossenheit und Charakterstärke, die sie im späteren Leben auszeichneten und mit denen sie die Hindernisse, die sich ihr bei der Erfüllung ihrer Pflichten manchmal in den Weg stellten, so gut überwinden konnte.
Anne-Therese sehnte sich weiterhin danach, ihrem Herzen zu folgen und ihr ganzes Leben Gott als Ordensschwester zu widmen. Obwohl sie ihre eigenen Träume viele Jahre lang zurückstellte, um für ihre Familie zu sorgen, vergaß sie nie das Versprechen, das sie sich selbst und Gott als kleines Kind gegeben hatte. Mit 20 Jahren bat sie ihre Mutter inständig, sie in das Kloster der Schwestern der Vorsehung in Ruillé-sur-Loir eintreten zu lassen. Isabelle zögerte, sie gehen zu lassen. Es vergingen weitere fünf Jahre, bis ihre Mutter schließlich nachgab. Weniger als zwei Monate vor ihrem 25. Geburtstag – am 18. August 1823 – konnte sie bei den Schwestern der Vorsehung bei, einer jungen Ordensgemeinschaft von Frauen, die als Lehrerinnen wirkten und sich um Kranke und Arme kümmerten eintreten. Sie hieß fortan nicht mehr Anne-Therese, sondern war unter ihrem Ordensnamen Schwester Theodora bekannt. Kurz nachdem sie dem Orden beigetreten war, erkrankte sie an einer chronischen Magenkrankheit, die sie ihr Leben lang begleiten sollte.
Der Bedarf an qualifizierten Ordensschwestern, die die Armen und Ungebildeten unterrichten sollten, war 1823 groß. Sie hatte erst sechs Monate ihre Ausbildung bei den Schwestern absolviert und war einen Großteil dieser Zeit krank gewesen, als sie zum Unterrichten ausgesandt wurde. Schwester Theodore war voller Eifer, besaß eine Festigkeit und Charakterstärke, die es ihr ermöglichte, jedes Vorhaben erfolgreich umzusetzen, und war zudem von imposanter Erscheinung und gewinnenden Manieren. Dass man einer jungen Ordensfrau, die gerade erst das Noviziat verlassen hatte, eine Aufgabe anvertraute, an der andere gescheitert waren, beweist die hohe Wertschätzung der Oberen für ihre Tugend und Fähigkeiten sowie das große Vertrauen, das sie in sie setzten. 
Im Jahr 1834 wurde sie von ihrer Position als Oberin in Rennes entfernt und in eine abgelegene ländliche Pfarrei in Soulaines versetzt. Die Aufgabe bestand darin, die Kinder des Landes zu unterrichten und Kranke zu besuchen. Schwester Theodore war eine erfahrene Lehrerin, wusste aber wenig über Krankenpflege. Sie begann, bei einem einheimischen Arzt Medizin und Heilmittel zu studieren. Mit der Zeit konnte sie viele Krankheiten genauso gut behandeln wie der Arzt. All dies trug dazu bei, sie auf ihre nächste Mission in den Vereinigten Staaten vorzubereiten. 1839 bat der neue Bischof von Vincennes, Indiana, ein gebürtiger Franzose, die französische Kongregation um eine Gruppe von Schwestern, die eine Mission zur Erziehung der Pionierkinder in der Wildnis Indianas gründen sollten. Die Oberinnen der Schwestern der Vorsehung in Frankreich suchten Freiwillige für die Mission in die Vereinigten Staaten. Mehrere Schwestern meldeten sich. Theodora war nicht darunter. Sie befürchtete, ihr angeschlagener Gesundheitszustand würde die Mission schwächen. Doch die zuständige Schwester ließ sie rufen. Sie sagte ihr, sie halte sie für die Einzige, die die Mission erfolgreich leiten könne. Wenn sie es nicht täte, würde keine Schwester gehen.
Schwester Theodora fasste den Entschluss im Gebet. Trotz ihrer angeschlagenen Gesundheit und ihres Widerwillens, sich von ihrer Ordensgemeinschaft in Frankreich zu trennen, vertraute sie auf Gottes Vorsehung und erklärte sich bereit, die Mission zu leiten.
Am 12. Juli 1840 verließen die sechs Schwestern ihre Heimat in Frankreich und brachen zu ihrer neuen Mission in die Vereinigten Staaten auf. Nach einer langen und beschwerlichen Reise über Land und Meer erreichten sie am 22. Oktober 1840 ihr Ziel, ein neues Land. Sie sprachen weder die Sprache noch kannten sie die Sitten. Das ihnen versprochene Zuhause war noch nicht fertig. Die Schwestern waren auf die Gastfreundschaft der Nachbarn angewiesen. Die Schwestern lebten unter schwierigen Pionierbedingungen in einem zugigen Haus mitten im Winter in Indiana. Sie waren in Frankreich an Temperaturen gewöhnt, die selten unter den Gefrierpunkt sanken. Die junge Gemeinschaft litt unter Nahrungsmittelknappheit, Geldmangel und unzureichender Heizung. „Alles ist gefroren, sogar das Brot“, schrieb eine Schwester in den ersten Jahren.
 
Als katholische Anführerin in der Wildnis Indianas in den 1840er Jahren stellte sich Mutter Theodora einem ungerechten System entgegen, das ihre junge Kongregation zu schwächen drohte. Mutter Theodora geriet früh mit Pater Buteux aneinander. Dieser war Kaplan der Schwestern. Pater Buteux glaubte, über alle Lebensbereiche der Schwestern bestimmen zu können. Schließlich wurde er als Kaplan abgesetzt. 
Unterdessen geriet Mutter Theodora in Konflikt mit dem Bischof. Beide respektierten einander, doch beide hatten starke Persönlichkeiten. Mutter Theodora schrieb über Bischof de la Hailandière: „Er hat eines jener Temperamente, die diejenigen, die ihn besitzen, zu Märtyrern machen und noch mehr diejenigen, die ihn von Zeit zu Zeit ertragen müssen. … Er ist eifersüchtig auf seine Autorität und will alles selbst tun.“
Ihre Probleme als weibliche Führungskraft waren sowohl gesellschaftlicher als auch religiöser Natur. Sie fuhr fort: „Es ist nicht verwunderlich, dass er (Bischof de la Hailandière) alles selbst erledigen will. Hier haben Oberinnen lediglich den Titel ‚Mutter‘ und nichts weiter. Man sieht in diesem Land keine Frau, die sich auch nur in die kleinsten Geschäftsangelegenheiten einmischt, weder im kirchlichen noch im religiösen Bereich. In Terre Haute und anderswo werde ich angestarrt, wenn ich Geschäfte mache, bezahle, einkaufe …“
Die Auseinandersetzungen mit dem Bischof eskalierten. Schließlich sperrte er Theodora einen ganzen Tag lang in ein Zimmer ein. Als die Situation ihren Höhepunkt erreichte, exkommunizierte der Bischof Mutter Theodora. Er schloss sie aus der Kongregation aus, die sie so sehr liebte, und verbot ihr jeglichen Kontakt zu den Schwestern. Sie erkrankte daraufhin mehrere Wochen lang schwer. Die Kongregation bereitete sich darauf vor, Mutter Theodora zu folgen und in einen anderen Bundesstaat umzuziehen.
Der ganze Streit aber endete abrupt. Es kam die Nachricht, dass der Papst den Rücktritt des Bischofs angenommen hatte. Mutter Theodora kehrte in ihre Leitungsfunktion innerhalb der Kongregation zurück und die Gemeinschaft wuchs von sechs Schwestern auf fast 100 bis zu ihrem Tod.
Mutter Theodora war zu Lebzeiten sehr beliebt. Sie und ihre Gemeinschaft hielten trotz Bränden, Missernten, Vorurteilen gegenüber katholischen Ordensfrauen, Missverständnissen und der Trennung von ihrem ursprünglichen Ordensverband durch. Einmal sagte sie zu ihren Mitschwestern: „Vertraut auf die Vorsehung, die uns bisher nie im Stich gelassen hat. Der Weg ist noch nicht klar. Geht langsam voran. Drängt nicht; seid geduldig, seid vertrauensvoll.“ Ein anderes Mal fragte sie: „Was haben wir mit Jesus zu fürchten?“
 
Verehrung 
Mutter Theodora wurde in der Kirche der Unbefleckten Empfängnis, dem heutigen Schrein der Heiligen Mutter Theodora, in Saint Mary-of-the-Woods, Indiana, beigesetzt. Sie wurde 1998 von Papst Johannes Paul II. selig- und 2006 von Benedikt XVI. als Heilige Theodora Guérin heiliggesprochen.
Ihr Gedenktag ist der 3. Oktober.
 
Quellen
Wikipedia, heiligenlexikon.de; orthpedia und andere. 
 
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