Giuseppe Toniolo, 7. Oktober

Guiseppe Toniolo (1945-1918)

Name
Guiseppe Toniolo
 
Gedenktag
Liturgischer Gedenktag: 4. September (Hochzeitstag);
Sterbetag: 7. Oktober

Lebensdaten
Geboren: 6. März 1848 in Treviso, Norditalien;
Gestorben: 7. Oktober 1918 in Pisa
 
Lebensgeschichte
Giuseppe Toniolo gilt als einer der bedeutendsten Wirtschaftshistoriker, Ökonomen und Soziologen des Katholizismus. Er widmete sich der Entstehung der Sozialen Frage und beschäftigte sich als Soziologe und Ökonom mit den Fragen der Arbeit, der Kleinbetriebe und der Sozialreformen. Dabei stellte er sich gegen den Materialismus von Kapitalismus und Sozialismus und betrachtete Ethik und Glauben als treibende Kräfte der menschlichen Entwicklung. Von 1883 bis zu seinem Tod 1918 war er Professor an der Universität Pisa.

Giuseppe Toniolo wurde am 7. März 1845 in Treviso, etwa 30 Kilometer nördlich von Venedig, geboren und in der Kirche Sant’Andrea getauft. Seine Familie gehörte dem Bürgertum an. Sein Vater war Ingenieur; aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit zog die Familie mehrfach um.
Nach seiner Schulzeit in Venedig studierte Toniolo an der Universität Padua Rechtswissenschaften und schloss sein Studium 1867 ab. Schon früh wandte er sich der wissenschaftlichen Laufbahn zu. Nach einer ersten Lehrtätigkeit in Modena wurde er 1879 an die Universität Pisa berufen, wo er politische Ökonomie lehrte und bis zu seinem Lebensende wissenschaftlich tätig blieb.
Am 4. September 1878, er ist 33 Jahre alt, heiratete er Maria Schiratti. Die Ehe wurde für Toniolo zu einem wesentlichen Ort seiner christlichen Berufung. Maria war eine Frau tiefen Glaubens und großer menschlicher Tugenden. Das Ehepaar hatte sieben Kinder; drei von ihnen starben bereits in jungen Jahren. Die Tochter Emilia trat als Schwester Maria Pia in das Kloster der Heimsuchung in Treviso ein und starb dort im Alter von nur 29 Jahren.
Für Toniolo waren Ehe und Familie nicht von seiner Berufung zur Heiligkeit getrennt. Vielmehr verstand er das Familienleben als einen Weg, auf dem die Gegenwart Gottes konkret erfahren und gelebt werden kann. Seine Spiritualität war geprägt von Gebet, Eucharistie, Rosenkranz, Vertrauen auf die göttliche Vorsehung und der Bereitschaft, den Willen Gottes anzunehmen.
Als Wissenschaftler wollte Toniolo die Wirtschaft nicht allein nach dem Maßstab von Gewinn und Nutzen beurteilen. Im Mittelpunkt stand für ihn die Würde des Menschen. Wirtschaft und gesellschaftliche Ordnung müssen dem Gemeinwohl dienen und sich an sittlichen Maßstäben orientieren. Damit wurde er zu einem wichtigen Wegbereiter der katholischen Sozialbewegung.
1889 gehörte Toniolo zu den Gründern der Katholischen Union für Sozialstudien in Padua und wurde zu ihrem Präsidenten gewählt. Nach dem Erscheinen der Enzyklika Rerum novarum von Papst Leo XIII. (1891) setzte er sich intensiv dafür ein, deren Grundsätze in das gesellschaftliche Leben Italiens zu übertragen. Im sogenannten „Mailänder Programm“ von 1894 formulierte er konkrete Vorstellungen für eine Erneuerung der Gesellschaft auf christlicher Grundlage.
Toniolo engagierte sich auch für die Entstehung einer katholischen Universität in Italien. Er selbst erlebte deren Eröffnung nicht mehr; sein geistiger Einfluss auf das Projekt war jedoch bedeutend. Ebenso setzte er sich während des Ersten Weltkriegs für einen gerechten und dauerhaften Frieden ein. 1917 unterbreitete er Papst Benedikt XV. den Vorschlag, ein katholisches Institut für internationales Recht und für die Förderung des Friedens zu schaffen.
In seinen letzten Lebensmonaten verbanden sich körperliches Leiden und die Sorge um den Frieden Europas. Trotz schwerer Krankheit hielt er an seinem geistlichen Leben fest. Er bat darum, in seinem Krankenzimmer einen Altar aufzustellen, damit dort die Eucharistie gefeiert werden konnte. So wollte er sein persönliches Leiden und sein tägliches Leben mit dem Opfer Christi verbinden. Der Rosenkranz blieb ihm bis zuletzt ein vertrautes Gebet.
Giuseppe Toniolo starb am 7. Oktober 1918 in Pisa, am Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz. Zunächst wurde er in Pisa bestattet; 1919 wurde sein Leichnam nach Pieve di Soligo überführt.
Am 29. April 2012 wurde Giuseppe Toniolo in Rom seliggesprochen.

Verehrung
1933 wurde auf Initiative der Federazione Universitaria Cattolica Italiana (FUCI) der Seligsprechungsprozess für Giuseppe Toniolo eingeleitet. Nach den verschiedenen kirchlichen Untersuchungen und Verfahren wurde am 14. Juni 1971 durch Papst Paul VI. das Dekret über die heroische Tugendhaftigkeit Toniolos promulgiert. Damit wurde er zum Ehrwürdigen Diener Gottes (Venerable) erklärt. (Istituto Toniolo⁠)
Der für die Seligsprechung entscheidende Schritt erfolgte 2011. Papst Benedikt XVI. genehmigte am 14. Januar 2011 die Verkündung des Dekrets über ein Wunder, das der Fürsprache des Ehrwürdigen Dieners Gottes Giuseppe Toniolo zugeschrieben wurde. Es betraf die Heilung des jungen Francesco Bortolini aus Pieve di Soligo, der sich im Juni 2006 bei einem schweren Sturz lebensgefährliche Verletzungen zugezogen hatte. Nach der Anrufung der Fürsprache Toniolos setzte eine medizinisch als nicht erklärbar bewertete Genesung ein. (Vatikanisches Presseamt⁠)
Die sterblichen Überreste Toniolos waren bereits am 30. September 1940 nach Pieve di Soligo überführt worden. Sie ruhen seitdem im Dom Santa Maria Assunta, der mit der Familie seiner Ehefrau Maria Schiratti eng verbunden war. (Istituto Beato Toniolo⁠)
Am 29. April 2012 wurde Giuseppe Toniolo in der Basilika San Paolo fuori le Mura in Rom seliggesprochen. Die Feier wurde im Auftrag Papst Benedikts XVI. von Kardinal Salvatore De Giorgi geleitet. Seitdem wird Toniolo als Seliger verehrt. Sein liturgischer Gedenktag ist der 4. September, der Hochzeitstag. 
 
Quellen
beatotoniolo.it/beato-giuseppe-toniolo/biografia; 2.Bistum-Augsburg.de; Wikipedia, heiligenlexikon.de und andere. 
 
Website