Johannes Leonardi, 9. Oktober

Johannes Leonardi (1541–1609); Gemälde im Geburtshaus in Diecimo. 
 
Apotheker - Priester - Ordensgründer 

Namen
Johannes Leonardi

Gedenktag
9. Oktober

Lebensdaten
Geboren: 1541 in Diecimo in der Provinz Lucca. 
Gestorben: 9. Oktober 1609 in Rom an einer Grippe, die er sich zugezogen hatte, während er sich im römischen Stadtviertel Campitelli um all jene kümmerte, die von der Epidemie befallen worden waren.

Zeitgenossen 
• Karl Borromäus (1538–1584) – Erzbischof von Mailand, wichtiger Reformer nach dem Konzil von Trient.
• Philipp Neri (1515–1595) – Priester und Gründer des Oratoriums, bekannt für geistliche Freude und persönliche Begleitung.
• Teresa von Ávila (1515–1582) – Mystikerin und Reformerin des Karmel, Kirchenlehrerin.
• Katharina von Ricci (1522–1590) – Dominikanerin und Mystikerin, deren geistliches Leben stark von der Passion Christi geprägt war.
 
Zusammen mit dem Prälaten Juan Bautista Vives und dem Jesuiten Martin de Funes plante er die Einrichtung einer eigenen Kongregation des Heiligen Stuhls für die Mission, die Kongregation »Propaganda Fide«, und trug zu ihrer Errichtung sowie auch zur künftigen Entstehung des »Collegium Urbanum de Propaganda Fide« bei, das im Laufe der Jahrhunderte Tausende von Priestern, viele von ihnen Märtyrer, hervorgebracht hat, um die Völker zu evangelisieren. 
 
Lebensgeschichte
Als Letzter von sieben Geschwistern hatte er eine Kindheit, die von den Rhythmen des Glaubens, wie sie in einer arbeitsamen uns einfachen Landwirtsfamilie geprägt war. Mit 17 Jahren ging er in die Provinzhauptstadt Lucca, um den Apothekerberuf zu erlernen in einem Gewürz- und Medikamentenladen. Für ungefähr ein Jahrzehnt war der junge Johannes ein aufmerksamer und fleißiger Besucher der Drogerie, aber als er die offizielle Anerkennung erlangt hatte, die ihn dazu berechtigt hätte, eine eigene Apotheke zu eröffnen, begann er zu überlegen, ob nicht der Augenblick gekommen wäre, ein Vorhaben zu verwirklichen, das er seit jeher im Herzen trug. Nach reiflichem Nachdenken beschloß er, den Weg zum Priestertum einzuschlagen. Und so wurde er, nachdem er den Laden des Drogisten verlassen und eine angemessene theologische Ausbildung erworben hatte, zum Priester geweiht und feierte am Festtag der Erscheinung des Herrn 1572 seine erste Messe. Die Leidenschaft für die Arzneimittelkunde gab er jedoch nicht auf, da er spürte, daß die Mittlerfunktion des Apothekers ihm erlaubt hätte, voll und ganz seine Berufung zu verwirklichen, nämlich den Menschen durch ein heiliges Leben »die Arznei Gottes« zu überbringen: den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus, »Maß aller Dinge«.
Beseelt von der Überzeugung, daß diese Medizin alle Menschen nötiger brauchen als alles andere, machte Johannes, die persönliche Begegnung mit Jesus Christus zum grundlegenden Sinn seines Lebens. »Es ist notwendig, wieder bei Christus anzufangen «, wiederholte er immer wieder gern. Der Vorrang Christi über alles wurde für ihn zum konkreten Kriterium seines Urteils und Handelns und zum hervorbringenden Prinzip seiner priesterlichen Tätigkeit, die er ausübte, während in der Kirche eine weite und verbreitete Bewegung der geistlichen Erneuerung in Gang war, was dem Erblühen neuer Ordensinstitute und dem leuchtenden Zeugnis von Heiligen wie Karl Borromäus, Philipp Neri, Ignatius von Loyola, Giuseppe Calasanzio, Camillo de Lellis und Aloysius Gonzaga zu verdanken war.
 
Voll Begeisterung widmete er sich dem Apostolat unter den Kindern durch die Gesellschaft der Christlichen Lehre und sammelte um sich eine Gruppe von Jugendlichen, mit denen er am 1. September 1574 die Kongregation der Reformierten Priester der Seligen Jungfrau gründete, die nachher Orden der Regularkleriker der Mutter Gottes genannt wurde. Seinen Schülern legte er nahe, »vor den Augen des Geistes allein die Ehre, den Dienst und die Herrlichkeit des gekreuzigten Christus Jesus« zu haben, und als guter Apotheker, der gewohnt war, die Heilmittel dank eines präzisen Bezugspunktes zu dosieren, fügte er hinzu: »Erhebt ein wenig mehr eure Herzen zu Gott und meßt mit ihm die Dinge«. Von apostolischem Eifer angetrieben sandte er an den soeben gewählten Papst Paul V. eine »Denkschrift«, in der er die Kriterien für eine echte Erneuerung in der Kirche empfahl. Er stellte fest, daß es »notwendig ist, daß jene, die nach einer Reform der Sitten der Menschen streben, besonders und als erstes die Herrlichkeit Gottes suchen«, und fügte hinzu, daß sie »durch die Integrität des Lebens und hervorragende Sitten « erstrahlen müssen, »so werden sie mehr als mit Zwang auf milde Weise zur Reform in Bewegung setzen«. Außerdem stellte er fest: »Wer eine ernsthafte religiöse und moralische Reform bewirken will, muß vor allem wie ein guter Arzt eine sorgfältige Diagnose der Übel erstellen, welche die Kirche quälen, um so imstande sein zu können, für ein jedes von ihnen das am besten geeignete Heilmittel zu verschreiben.« Und er merkte an, daß »sich die Erneuerung der Kirche in gleicher Weise in den Oberhäuptern und in den Abhängigen, oben und unten, vollziehen muß. Sie muß bei dem beginnen, der befiehlt, und sich dann auf die Untertanen ausbreiten«. Während er den Papst anspornte, eine »universale Reform der Kirche« zu fördern, sorgte er sich gerade deshalb um die christliche Bildung des Volkes und besonders der Kinder, die »ab den ersten Lebensjahren … in der Reinheit des christlichen Glaubens und in den heiligen Sitten« erzogen werden sollen.
Johannes Leonardi erfaßte, welches die wahre Medizin für die geistlichen Übel ist, und faßte sie in dem Ausdruck zusammen: »Vor allem Christus«, Christus im Mittelpunkt des Herzens, im Mittelpunkt der Geschichte und des Kosmos. Und – so sagte er kraftvoll – die Menschheit hat ein extremes Bedürfnis nach Christus, weil er unser »Maß« ist. Es gibt keinen Bereich, der nicht von seiner Kraft berührt werden könnte; es gibt kein Übel, das nicht in ihm ein Heilmittel finden würde, es gibt kein Problem, das sich nicht in ihm lösen lassen würde: »Entweder Christus oder nichts!« Das ist sein Rezept für jede Art geistlicher und sozialer Reform.
 
Es gibt einen weiteren Aspekt der Spiritualität des hl. Johannes Leonardi. Zu mehreren Anlässen betonte er, daß die lebendige Begegnung mit Christus in seiner Kirche verwirklicht wird, die heilig, aber gebrechlich ist, verwurzelt in der Geschichte und hinsichtlich ihrer Zukunft bisweilen finster, wo Weizen und Unkraut zusammen wachsen (vgl. Mt 13,30), sie ist jedoch immer Sakrament des Heils. Da er sich klar dessen bewußt war, daß die Kirche der Acker Gottes ist (vgl. Mt 13,24), entrüstete er sich nicht über ihre menschlichen Schwächen. Um dem Unkraut zu widerstehen, entschloß er sich, guter Weizen zu sein, das heißt: Er beschloß, Christus in der Kirche zu lieben und dazu beizutragen, sie immer mehr zu einem Zeichen zu machen, das ihn durchscheinen läßt. Mit großem Realismus sah er die Kirche, ihre menschliche Gebrechlichkeit, aber auch ihr Sein als »Acker Gottes«, das Mittel Gottes für das Heil der Menschheit. Nicht nur. Aus Liebe zu Christus arbeitete er eifrig dafür, die Kirche zu reinigen, sie schöner und heiliger zu machen. Er begriff, daß jede Reform in der Kirche und nie gegen die Kirche geschehen muß. Jede Reform betrifft gewiß die Strukturen, aber an erster Stelle muß sie sich in das Herz der Gläubigen einprägen. 
Neben dem Antlitz Christi heftete er den Blick auf das mütterliche Antlitz Mariens. Sie, die er zur Schutzherrin seines Ordens wählte, war für ihn Lehrerin, Schwester und Mutter, und er erfuhr ihren steten Schutz.
 
Verehrung
Heiliggesprochen am 17. April 1938 und am 8. August 2006 zum Schutzpatron der Apotheker erwählt. 
 
Quellen
www2.Bistum-Augsburg.de, Wikipedia, heiligenlexikon.de und andere. 
 
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