Manuel Lozano Garrido – Lolo, 4. November

Manuel Lozano Garrido – „Lolo“ (1920–1971)
 
Spanischer Laie - Journalist und Schriftsteller · Mitglied der Katholischen Aktion. 
 
Manuel Lozano Garrido, genannt „Lolo“, gehört zu den eindrucksvollen Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts. Er war Journalist, Schriftsteller und engagierter Laie in der Kirche. Trotz einer fortschreitenden, schließlich zur vollständigen Lähmung und Erblindung führenden Erkrankung bewahrte er seine Freude am Leben und seinen tiefen Glauben. Von seinem Krankenbett aus blieb er publizistisch tätig und wurde für viele Menschen zu einem geistlichen Begleiter.
Sein Leben zeigt, dass christliches Zeugnis nicht von körperlicher Gesundheit und äußerer Bewegungsfreiheit abhängt, sondern aus einer lebendigen Beziehung zu Christus wachsen kann.
 
Sein Zeugnis lässt sich in drei Gedanken zusammenfassen:
  • Die Eucharistie gibt Kraft, auch in den schwersten Lebenssituationen.
  • Krankheit und Behinderung nehmen einem Menschen nicht seine Würde und seine Berufung.
  • Christliches Apostolat ist auch dort möglich, wo die äußeren Handlungsmöglichkeiten immer kleiner werden.
Gerade sein journalistisches Wirken macht ihn zu einem bemerkenswerten Glaubenszeugen für unsere Gegenwart: Er hat die Wahrheit gesucht, die Hoffnung weitergegeben und den Glauben mitten im Alltag gelebt.
 
Name
Manuel Lozano Garrido, genannt „Lolo“. Sein vollständiger Taufname ist Manuel Román de la Santísima Trinidad.
 
Gedenktag
3. November
 
Lebensdaten
Geboren: 9. August 1920 in Linares, Provinz Jaén, Andalusien, Spanien.
Gestorben: 3. November 1971 in Linares.
Seliggesprochen: 12. Juni 2010 in Linares durch Erzbischof Angelo Amato im Auftrag von Papst Benedikt XVI.

Zeitgenossen
• Josemaría Escrivá (1902–1975) – Spanischer Priester und Gründer des Opus Dei; vermittelte die Berufung zur Heiligkeit im Alltag und im Berufsleben
• Madeleine Delbrêl (1904–1964) – Französische Sozialarbeiterin und geistliche Schriftstellerin; lebte ihren Glauben mitten in einer säkularisierten Gesellschaft
• Thomas Merton (1915–1968) – US-amerikanischer Trappist und Schriftsteller; verband kontemplatives Leben mit der Auseinandersetzung mit den Fragen seiner Zeit.
• Chiara Lubich (1920–2008) – Italienische Gründerin der Fokolar-Bewegung; setzte sich für Einheit, Geschwisterlichkeit und eine Erneuerung des christlichen Lebens ein.
 
Lebensgeschichte
Manuel Lozano Garrido wurde am 9. August 1920 in Linares geboren. Er war das fünftes von acht Kindern; die biografische Überlieferung seiner Schwester Lucía spricht von sieben Kindern. Seine Eltern waren Agustín Lozano López und Lucía Garrido y Garrido. Er wuchs in einer zunächst wirtschaftlich gut situierten, religiös geprägten Familie auf. Sein Großvater mütterlicherseits spielte eine wichtige Rolle in seiner Erziehung. Seine Kindheit war von mehreren schweren Schicksalsschlägen überschattet:
Sein Vater Agustín starb, als Manuel ungefähr sechs Jahre alt war. Er hinterließ seine Frau und die sieben Kinder. 1935 starben seine Mutter Lucía und sein Großvater mütterlicherseits. Damit verlor Manuel im Alter von 15 Jahren die beiden Menschen, die der Familie Halt und wirtschaftliche Sicherheit gegeben hatten.
Am 9. August 1936, an seinem 16. Geburtstag, wurde sein älterer Bruder Agustín während der religiösen Verfolgungen im Spanischen Bürgerkrieg in Madrid ermordet.
Die Familie verlor damit innerhalb weniger Jahre ihren familiären und wirtschaftlichen Rückhalt. Diese Erfahrungen prägten Manuels Leben nachhaltig.
Bereits 1931, im Alter von elf Jahren, trat Manuel der Katholischen Aktion (ehrenamtliche Gruppierung in der Pfarrei) in Linares bei. Die Verbindung von Gebet, religiöser Bildung und apostolischem Engagement wurde für ihn bestimmend.
Während des Spanischen Bürgerkriegs 1936–1939 war die katholische Kirche massiven Verfolgungen ausgesetzt. Manuel übernahm in dieser Zeit einen gefährlichen Dienst: Ein Priester beauftragte ihn, heimlich die heilige Kommunion zu Kranken und anderen Gläubigen zu bringen, die keinen Zugang zu den Sakramenten hatten.
Im Februar 1938 wurde Manuel wegen seines religiösen Engagements verhaftet. Er verbrachte etwa drei Monate im Gefängnis. Besonders bewegend ist das Geschehen am Gründonnerstag 1937: Seine jüngere Schwester Lucía konnte ihm die Eucharistie, verborgen in einem Blumenstrauß, ins Gefängnis bringen. So konnte er selbst in der Gefangenschaft vor dem Allerheiligsten beten.
In einem späteren Interview berichtete sein langjähriger geistlicher Begleiter, Rafael Higueras Álamo, von diesen Erlebnissen. Manuel habe rückblickend über die Zeit der Verfolgung geschrieben:
„Warum war ich bevorzugt und nicht die anderen?“
Diese Frage zeigt seine tiefe Dankbarkeit für die Eucharistie, die er trotz der Gefahr empfangen durfte.
Krankheit, Leiden und schriftstellerisches Wirken
Im Jahr 1942, als Manuel 22 Jahre alt war, erkrankte er an einer schweren entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung (Spondylitis). Die Krankheit führte zu einer fortschreitenden Verformung seines Körpers und schließlich zur vollständigen Lähmung. Er war dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen. In seinen letzten zehn Lebensjahren verlor er auch vollständig sein Augenlicht.
Sein körperlicher Zustand hinderte ihn jedoch nicht daran, seine geistige und publizistische Arbeit fortzusetzen. Er diktierte seiner Schwester Lucía und Freunden seine Texte und Bücher.
Er arbeitete als Journalist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter Ya, Telva, Vida Nueva und Signo. Er verfasste zahlreiche Artikel und insgesamt neun Bücher. Für seine journalistische Arbeit erhielt er später den spanischen Journalistenpreis „Bravo!“.
Besonders wichtig war ihm die Würde kranker und behinderter Menschen. 1956 gründete er die Zeitschrift „Sinaí“, die sich an Kranke und Menschen mit Behinderungen richtete. Darüber hinaus gründete er eine Gebetsgemeinschaft, in der sich kranke Menschen gegenseitig unterstützten und für die katholische Presse beteten.
Seine Arbeit war nicht nur eine Beschäftigung gegen die Einsamkeit. Er verstand sie als apostolischen Auftrag: Auch vom Krankenbett aus wollte er Menschen erreichen, ihnen Hoffnung geben und die christliche Botschaft in die Gesellschaft tragen.
 
Die Eucharistie war das geistliche Zentrum seines Lebens. Nach den Aussagen seines langjährigen Begleiters Rafael Higueras Álamo wollte Lolo während seiner gesamten Zeit im Rollstuhl keinen einzigen Tag ohne den Empfang der heiligen Kommunion verbringen.
Die Priester von Linares wechselten sich ab, um ihm täglich die Eucharistie zu bringen. Vor dem Besuch bereitete er sich im Gebet vor und blieb auch nach dem Empfang lange in der Anbetung.
Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte von der ersten heiligen Messe, die in seinem Haus gefeiert wurde.
Lolo bat darum, seine Schreibmaschine unter den Tisch zu stellen, der als Altar dienen sollte. Später erklärte er diesen Wunsch mit einem Bild, das seine gesamte Berufung zusammenfasst:
„Der Stamm des Kreuzes sollte auf den Tasten festgenagelt werden und dort seine Wurzeln schlagen.“
Seine journalistische Arbeit sollte aus der Verbindung mit Christus wachsen. Kreuz, Eucharistie und tägliches Arbeiten gehörten für ihn zusammen.
Als der Bischof von Jaén einmal in seinem Haus die Messe feierte, begrüßte Lolo ihn mit den Worten:
„Herr Bischof, das ist wirklich ein runder Tisch mit Gott.“
Dieser Satz wurde zum Titel eines seiner Bücher: Mesa redonda con Dios (Runder Tisch mit Gott).
Der Priester Rafael Higueras, der ihm neun Jahre lang die Eucharistie brachte, die Heilige Messe in seinem Haus feierte und ihn in seiner letzten Stunde begleitete, berichtete darüber im Interview von 2004.
Trotz seiner fortschreitenden Lähmung und späteren Erblindung verlor Lolo nicht seine Lebensfreude. Er empfing Menschen, führte Gespräche, gab Rat und ermutigte andere Kranke.
Sein Lebenszeugnis beeindruckte auch Menschen außerhalb der katholischen Kirche. Besonders bekannt wurde die Begegnung mit Bruder Robert von Taizé. Dieser besuchte Lolo in seinem Haus, sah seine körperliche Gebrechlichkeit und erlebte zugleich seine innere Ausstrahlung.
Auf die Lampenschirmfläche über Lolos Arbeitsplatz schrieb er die Worte:
„Lolo, sacramento del dolor“ – „Lolo, Sakrament des Schmerzes“.
Damit brachte er zum Ausdruck, dass in Lolos Leben etwas von der Gegenwart Christi im Leiden sichtbar wurde.
Auch der Priester und Schriftsteller José Luis Martín Descalzo, ein Freund Lolos, schilderte nach dessen Tod eine bewegende Erfahrung: Er hatte in Lolos Wohnung die heilige Messe gefeiert und war von der Freude und geistlichen Lebendigkeit des schwer kranken Mannes tief beeindruckt.
Ein weiterer bemerkenswerter Ausspruch Lolos, der von der Diözese Jaén überliefert wird, lautet:
„Pesa, pero tiene alas.“ – „Es wiegt schwer, aber es hat Flügel.“
Damit beschrieb er sein Leiden: Es war real, schwer und schmerzhaft. Aber es nahm ihm nicht die Hoffnung und die Fähigkeit, das Leben als Geschenk Gottes anzunehmen.
Die Diözese Jaén charakterisiert seine Spiritualität als eine Lebenshaltung, die immer stärker von der österlichen Wirklichkeit Christi geprägt wurde.
 
Tod
Am 3. November 1971 starb Manuel Lozano Garrido in seiner Heimatstadt Linares. Bis zuletzt war die Eucharistie für ihn von zentraler Bedeutung. Nach Aussage seines geistlichen Begleiters hatte er darum gebeten, unmittelbar nach seinem Tod eine heilige Messe für ihn zu feiern.
 
Verehrung
Sein Grab befindet sich in der Basilika Santa María la Mayor in Linares, in der er auch getauft worden war.
Verehrung und Seligsprechung
Der Seligsprechungsprozess wurde am 5. November 1994 in der Diözese Jaén eröffnet. Die Positio, die wissenschaftlich-theologische Dokumentation seines Lebens und seiner heroischen Tugenden, wurde 2002 nach Rom übergeben.
Am 17. Dezember 2007 erkannte Papst Benedikt XVI. seine heroischen Tugenden an. Damit erhielt Manuel Lozano Garrido den Titel „Ehrwürdiger Diener Gottes“.
Für die Seligsprechung wurde eine medizinisch nicht erklärbare Heilung des vierjährigen Rogelio de Haro Sagra aus dem Jahr 1972 untersucht. Das Kind war an einer lebensbedrohlichen Infektion mit schweren Komplikationen erkrankt. Die Familie betete um die Fürsprache Lolos. Die Heilung wurde von den medizinischen Sachverständigen und den zuständigen theologischen Gremien geprüft.
Am 19. Dezember 2009 bestätigte Papst Benedikt XVI. das der Fürsprache Lolos zugeschriebene Wunder.
Am 12. Juni 2010 wurde Manuel Lozano Garrido in Linares seliggesprochen.
Die Seligsprechung war eine besondere Anerkennung seines Lebens als christlicher Laie, Journalist und Glaubenszeuge.
 
Darstellung
Lolo wird vor allem als schwer körperlich behinderter Mann im Rollstuhl dargestellt, häufig an seinem Arbeitsplatz, mit Schreibmaschine oder im Kreis von Besuchern. Die Darstellung macht sichtbar, wie er trotz seiner Einschränkungen bis zuletzt journalistisch und apostolisch tätig blieb.
 
Quellen
Wikipedia, heiligenlexikon.de und andere …
Vatikan – Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse:
Offizielle Biografie von Manuel Lozano Garrido⁠. Maßgebliche kirchliche Kurzbiografie mit Lebensdaten, Spiritualität und Lebenszeugnis.
Diözese Jaén:
Predigt zum Beginn des Taufjubiläums 2020⁠. Besonders wertvoll für die geistliche Deutung seines Leidens.
Basilika Santa María la Mayor in Linares:
Biografie des seligen Lolo⁠.
Besonders wichtig für die Namen seiner Eltern und die Familiengeschichte.
Interview mit Rafael Higueras Álamo, Catholic Online / Zenit, 21. Dezember 2004:
Eucharist Was a Journalist's Secret Weapon⁠.
Ein besonders wertvolles Zeitzeugnis seines geistlichen Begleiters, der ihn neun Jahre lang mit der Eucharistie versorgte und bei seinem Tod anwesend war.
ZENIT – Interview mit seiner Schwester Lucía, 18. Juni 2010:
Beatified Journalist Remembered by His Sister⁠.
Persönliche Erinnerungen aus seiner Familie.
 
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