Barbara Maix, 6. November

Barbara Maix (1818-1873)
 
Einführung
Frühwaise - Ordensfrau - Ordensgründerin und Anwältin der Armen
 
Barbara Maix war eine österreichische Ordensgründerin, die sich für arme und benachteiligte Menschen einsetzte. 1849 gründete sie in Brasilien eine Ordensgemeinschaft, die sich besonders der Bildung, der Krankenpflege und der Fürsorge für Waisenkinder widmete.

Name
Maria Barbara von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit
Geburtsname: Barbara Maix.

Lebensdaten
Geboren: 27. Juni 1818 in Wien, Österreich.
Gestorben: 17. März 1873 in Catumbi bei Rio de Janeiro, Brasilien.
Alter: 54 Jahre.
Rolle: Gründerin der Kongregation der Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens.

Zeitgenossen
Sie stehen beispielhaft für die religiösen, sozialen und gesellschaftlichen Aufbrüche des 19. Jahrhunderts.
 
• Pauline von Mallinckrodt (1817–1881) – Deutsche Ordensgründerin. Sie widmete sich der Bildung und Betreuung blinder und benachteiligter Kinder und gründete die Kongregation der Schwestern der christlichen Liebe.
• Mary MacKillop (1842–1909) – Australische Ordensgründerin. Sie setzte sich für die Bildung armer Kinder ein und gründete die Kongregation der Sisters of St Joseph of the Sacred Heart.
• Johannes Bosco (1815–1888) – Italienischer Priester und Ordensgründer. Er widmete sein Leben der Erziehung und Förderung benachteiligter Jugendlicher und gründete die Salesianer Don Boscos.
• Papst Leo XIII. (1810–1903) – Papst von 1878 bis 1903. Mit seiner Enzyklika Rerum novarum (1891) gab er wichtige Impulse für die katholische Soziallehre und den Einsatz der Kirche für die Rechte der Arbeiter.

Lebensgeschichte
Barbara Maix wurde am 27. Juni 1818 in Wien als Tochter von Josef Maix und Rosalia Mauritz geboren. Sie war das jüngste von neun Kindern aus der zweiten Ehe ihres Vaters. Dieser arbeitete als kaiserlicher Hofbediensteter, unter anderem als Kammerdiener im Schloss Schönbrunn. Dadurch kannte Barbara schon früh die Gegensätze ihrer Zeit: den Glanz des kaiserlichen Hofes ebenso wie die Armut und die sozialen Schwierigkeiten ihrer eigenen Familie. Die Familie war von Krankheiten, darunter Typhus, und materieller Not betroffen. Bereits 1833, im Alter von 15 Jahren, verlor Barbara beide Eltern. Gemeinsam mit ihrer Schwester Maria musste sie sich eine neue Lebensgrundlage schaffen.
Barbara erlernte daraufhin das Schneiderhandwerk und qualifizierte sich zur Lehrerin für Schneiderei, Stickerei und Handarbeiten. Damit erwarb sie eine berufliche Selbstständigkeit, die für Frauen ihrer gesellschaftlichen Stellung keineswegs selbstverständlich war. Sie kannte die Schwierigkeiten, mit denen Frauen ohne familiären Rückhalt und gesichertes Einkommen konfrontiert waren, aus eigener Erfahrung.
In Wien begegnete sie besonders der Not junger Arbeiterinnen, Dienstmädchen und arbeitsloser Frauen. Viele von ihnen lebten unter unsicheren Bedingungen und waren wirtschaftlicher Abhängigkeit und Ausbeutung ausgesetzt. Barbara erkannte, dass diese Frauen nicht nur materielle Hilfe, sondern auch Schutz, Bildung und eine Perspektive für ihr Leben brauchten.
1843 gründete sie deshalb eine Unterkunft und Bildungsstätte für junge Arbeiterinnen und arbeitslose Frauen. Die Einrichtung bot ihnen Schutz, Gemeinschaft und die Möglichkeit, praktische Fähigkeiten zu erwerben. Barbara wollte Frauen befähigen, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu verdienen und ein Leben in Würde zu führen. Aus diesem sozialen Engagement entwickelte sich gemeinsam mit anderen Frauen der Wunsch nach einer religiösen Gemeinschaft. Geistlich begleitet wurde sie dabei von dem Redemptoristenpater Johann Nepomuk Pöckl. Ihr Vorhaben verband von Anfang an Gebet, gemeinschaftliches Leben und konkrete Hilfe für Menschen in Not.
Die Gründung einer neuen Ordensgemeinschaft stieß in Österreich auf erhebliche kirchliche und staatliche Hindernisse. Die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des Jahres 1848 verschärften die Situation. Ihre Einrichtung wurde schließlich von den Behörden geschlossen. Barbara ließ sich davon jedoch nicht entmutigen. Gemeinsam mit 21 Gefährtinnen entschloss sie sich zur Auswanderung. Ursprünglich wollten sie nach Nordamerika reisen. Nach längerer Wartezeit im Hamburger Hafen entschieden sie sich für eine Überfahrt nach Brasilien. Am 9. November 1848 erreichten sie Rio de Janeiro – ohne ausreichende finanzielle Mittel, ohne Sprachkenntnisse und ohne gesicherte Lebensgrundlage. Ihr Vertrauen auf Gottes Vorsehung gab ihnen Kraft für den Neuanfang.
In Brasilien setzte Barbara Maix ihre sozialen und geistlichen Vorstellungen in die Tat um. Bemerkenswert war dabei auch ihr Verständnis von Selbstständigkeit und Menschenwürde: Während ihres Aufenthalts im Kloster Nossa Senhora da Ajuda, in dem die Frauen zunächst aufgenommen worden waren, bat sie die Äbtissin darum, dass ihre Gefährtinnen ihre alltäglichen Arbeiten selbst übernehmen dürften. Sie wollten selbst kochen, ihre Wäsche waschen und durch Handarbeiten zum Unterhalt der Gemeinschaft beitragen. Damit grenzte sie sich bewusst von einer gesellschaftlichen Praxis ab, in der Hausarbeit häufig versklavten Frauen übertragen wurde. Ihre Haltung war Ausdruck eines Lebensstils, der persönliche Verantwortung und die Achtung der Menschenwürde miteinander verband.
Am 8. Mai 1849 gründete Barbara Maix in Rio de Janeiro offiziell die Kongregation der Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens. Sie nahm den Ordensnamen Maria Barbara von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit an. Die Gemeinschaft widmete sich besonders der Bildung und Erziehung von Mädchen, der Betreuung von Waisenkindern und verlassenen Kindern sowie der Unterstützung armer Frauen. In einer Zeit, in der Mädchen und Frauen nur eingeschränkte Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten hatten, schuf sie konkrete Angebote, die ihnen Schutz, Bildung und neue Lebensperspektiven eröffneten.
Die Schwestern übernahmen unter anderem die Betreuung von Waisenhäusern und Schulen in Niterói, Pelotas und Porto Alegre. Sie engagierten sich auch in der Krankenpflege. Während der Cholera- und Gelbfieberepidemien sowie des Paraguay-Krieges (1864–1870) leisteten sie Hilfe in Krankenstationen und Lazaretten. Barbara verstand die soziale Arbeit ihrer Gemeinschaft nicht als gelegentliche Wohltätigkeit, sondern als dauerhaften Auftrag christlicher Nächstenliebe.
1852 reiste sie nach Rom, um die Ordensregeln ihrer Gemeinschaft zur Anerkennung vorzulegen. Dort wurde sie am 18. Oktober von Papst Pius IX. empfangen und in ihrem Vorhaben bestärkt. Mit neuen Kandidatinnen kehrte sie nach Brasilien zurück und setzte den Ausbau der Gemeinschaft fort.
Ihr Weg war jedoch von schweren Auseinandersetzungen begleitet. Neben gesundheitlichen Problemen und finanziellen Schwierigkeiten musste sie auch Konflikte innerhalb der eigenen Ordensgemeinschaft ertragen. Besonders schmerzhaft war eine Spaltung unter den Schwestern in Pelotas und Porto Alegre. Barbara reagierte auf die gegen sie erhobenen Vorwürfe und die daraus entstandenen Verletzungen nicht mit Vergeltung. In ihren Briefen brachte sie vielmehr ihre Bereitschaft zur Vergebung zum Ausdruck. Ende 1870 verließ sie Porto Alegre und übernahm Anfang 1871 gemeinsam mit weiteren Schwestern die Leitung einer Schule für Waisenmädchen in Petrópolis.
Am 17. März 1873 starb Barbara Maix im Alter von 54 Jahren in Catumbi bei Rio de Janeiro.
 
Verehrung
Der Seligsprechungsprozess für Barbara Maix wurde 1993 eröffnet. Am 3. Juli 2008 erkannte Papst Benedikt XVI. ihre heroischen Tugenden an.
 
Für ihre Seligsprechung wurde eine medizinisch nicht erklärbare Heilung anerkannt, die ihrer Fürsprache zugeschrieben wird.
Im Juli 1944 erlitt der vierjährige Honorino Ecker in Brasilien schwerste Verbrennungen. Sein Zustand war lebensbedrohlich. Angehörige und Schwestern der von Barbara Maix gegründeten Ordensgemeinschaft begannen, um die Fürsprache der Ordensgründerin zu beten. Nach sieben Tagen erwachte der Junge überraschend aus seinem lebensbedrohlichen Zustand. Nach etwa 15 Tagen konnte er das Krankenhaus ohne bleibende Schäden verlassen. Die medizinischen Untersuchungen bestätigten die außergewöhnliche und wissenschaftlich nicht erklärbare Heilung.
 
Am 6. November 2010 wurde Barbara Maix in Porto Alegre (Brasilien) im Auftrag von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.  
Ihr liturgischer Gedenktag ist der 6. November.
Die von ihr gegründete Kongregation der Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens führt ihr geistliches und soziales Werk bis heute fort. Die Gemeinschaft engagiert sich insbesondere in Bildung, Erziehung, Seelsorge und der Unterstützung benachteiligter Menschen. Die sterblichen Überreste von Barbara Maix befinden sich in der Kapelle São Rafael in Porto Alegre.
 
Quellen
und weiterführende Informationen
 
Erzdiözese Wien: Selige Barbara Maix – eine Wienerin an der Seite der Armen (6. November).
https://www.erzdioezese-wien.at/
Vatikan – Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse: Maria Barbara della Santissima Trinità.
https://www.causesanti.va/
Papst Benedikt XVI.: Apostolisches Schreiben zur Seligsprechung Barbara Maix vom 6. November 2010.
https://www.vatican.va/
Brasilianische Bischofskonferenz (CNBB): Brasil tem uma nova beata: Madre Bárbara Maix (8. November 2010).
https://www.cnbb.org.br/
Kongregation der Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens: Biografie und Geschichte der Ordensgründung.
https://www.icm-sec.org.br/
 
Website