Hildegard Burjan, 12. Juni
Einheit von Glaube und politischem Handeln
Philosophin - Politikerin - Ordensgründerin
„Von den Frauen wird es in erster Linie abhängen, ob und wie die Frauenfrage und zum großen Teil auch die Menschheitsfrage gelöst wird.“ (Hildegard Burjan)
„Das Gewissen des (österreichischen) Parlaments“ und „Mutter der Heimarbeiterinnen von Wien“
Gedenktag
12. Juni in Österreich, Sterbetag 11. Juni
Lebensdaten
Geboren 1883 in Görlitz an der Neisse als zweite Tochter einer jüdischen liberalen Kaufmannsfamilie; Gestorben am 11. Juni 1933 in Wien.
Lebensgeschichte
Hildegard Freund entstammte einer jüdisch-liberalen Familie, ihre Eltern waren der Kaufmann Abraham Adolph Freund und seine Frau Berta. Sie besuchte das Sophie-Charlotte-Gymnasium in Berlin, bis die Familie, bedingt durch den Beruf des Vaters, in die Schweiz zog, wo Hildegard 1903 die Hochschulreife ablegte. Sie studierte als eine der ersten Frauen in Zürich Literatur und Philosophie, promovierte 1908 zum Dr. phil. und studierte dann in Berlin Sozialwissenschaft.
Ein Jahr zuvor heiratete sie den ungarischen Kaufmann / Manager Alexander Burjan, den sie in Zürich kennenlernte. An einer schweren Nierenkolik erkrankt, wurde sie 1908 im Berliner St. Hedwig-Krankenhaus behandelt, wo sie von den Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus gepflegt wurde. Diese beeindruckten sie mit ihrer aufopfernden Hingabe an andere Menschen aus dem Glauben heraus sehr. Nach Monaten vergeblicher Bemühungen sahen die Ärzte keine Hoffnung mehr. Am Ostersonntag 1909 setzte jedoch eine unerwartete Besserung ein. Nach schwerer Krankheit und fast wunderbarer Genesung empfing sie mit 26 Jahren am 11. August 1909 in der Kapelle des Berliner St. Josephs-Krankenhauses das Sakrament der Taufe.
In Zürich war Hildegard Burjan schon durch den Literaturhistoriker und Philosophen Robert Saitschick sowie den Philosophen und Pädagogen Friedrich Wilhelm Foerster mit dem christlichem Glauben in Berührung gekommen. Der lebendige Eindruck jedoch, den die Zuwendung der Pflegeschwestern im Krankenhaus ihr gemacht hatte, sowie die aufwühlende Erfahrung ihrer unerwarteten, zu Ostern einsetzenden Genesung führten sie zum Glauben.
Im Herbst 1909 übersiedelten sie mit ihrem Mann nach Wien, da dieser eine leitende Stelle bei der Österreichischen Telefonfabriks A.G. bekam und nahmen die österreichische Staatsbürgerschaft an
Ihr neu geschenktes Leben wollte sie ganz für Gott und die Menschen einsetzen. Unter Lebensgefahr brachte Hildegard Burjan ihre einzige Tochter Elisabeth zur Welt obwohl man ihr zu einer Abtreibung geraten hatte.
Das Elend und die Not unter den Arbeiterfamilien und das Beispiel der Ordenskrankenschwestern veranlassten Hildegard Burjan zu ihren sozialen Tätigkeiten. In Wien setzte sie sich vor allem gegen Kinderarbeit und für die Rechte alleinerziehender Frauen ein. Hier begann sie, in der katholischen Frauenbewegung mitzuarbeiten und sich in der Armenfürsorge, insbesondere den Nöten der arbeitenden Frauen zu engagieren.
1911 begann sie ihre öffentliche soziale Arbeit mit der Organisation der Heimarbeiterinnen und baute während des 1. Weltkrieges das Hilfswerk für die „notleidenden Erzgebirgler“ und die „Soziale Hilfe“ auf.
1912 gründete sie den "Verein christlicher Heimarbeiterinnen" und fasste 1918 im Verein "Soziale Hilfe" alle Arbeiterinnenverbände zusammen. Sie widmete sie sich den Themen Arbeitnehmerschutz, ungleiche Entlohnung und dem Frauenwahlrecht.
Für die hungernde Bevölkerung des Erzgebirges nach dem 1. Weltkrieg startete Hildegard Burjan eine Lebensmittelaktion. Sie rief auch die Familienhilfe im Sudetenland ins Leben.
Auf Grund ihrer hervorragenden sozialen und organisatorischen Fähigkeiten war Hildegard Burjan von 1918 bis 1920 als Politikerin tätig. Sie wurde zuerst in den Wiener Gemeinderat berufen, später wählte man sie als erste christlich soziale Abgeordnete in die neue Österreichische Nationalversammlung.
Hildegard erreichte die gesetzliche Festlegung von Mindestlöhnen für Heimarbeiterinnen und machte sich verdient um die Mädchenschutzarbeit, die Gefährdetenfürsorge und um das Aufleben der Bahnhofsmission.
Vieles, was heute an sozialer Lebensgestaltung und Einrichtung des Staates selbstverständlich erscheint, ist ihrer Mitwirkung zu verdanken. Andere ihrer Initiativen sind auch heute noch nicht realisiert.
Mit Ignaz Seipel, Bundeskanzler von 1919-1932, verband Hildegard Burjan seit 1917 eine Freundschaft. Er unterstützte sie beim Aufbau der Caritas Socialis. Nach seinem Tode 1932 leitete sie den Bau einer Gedächtniskirche für Seipl, der Christkönigskirche im 15. Wiener Gemeindebezirk.
Von Anfang an war Hildegard Burjan bestrebt, in anderen soziales Gespür zu wecken und sie zur Mitarbeit zu motivieren. Mit der Zeit erkannte sie, dass es eine Gemeinschaft von Menschen braucht, die sich für den sozialen Dienst ganz zur Verfügung stellen und die Liebe Christi in die Welt tragen.
Am 4. Oktober 1919 gründete sie die apostolische Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis.
Sie wirkte in der Familienpflege und organisierte zur Unterstützung armer Familien den "St.-Elisabeth-Tisch".
1925 begann Burjan mit dem Einsatz von Pfarrschwestern in der Familienpflege. Aufgrund ihrer erfolgreichen Arbeit wurde sie nach München und Berlin gerufen und schuf dort die Grundlagen für ähnliche soziale Maßnahmen.
1925 begann Burjan mit dem Einsatz von Pfarrschwestern in der Familienpflege. Aufgrund ihrer erfolgreichen Arbeit wurde sie nach München und Berlin gerufen und schuf dort die Grundlagen für ähnliche soziale Maßnahmen.
Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 in großer Zuversicht des Glaubens. (Vgl. Zeugnis zum Seligsprechungsprozess)
Verehrung
Seligsprechung am 29. Januar 2012 im Stephansdom, Wien.
Mit Hildegard Burjan beten
„Gott, wenn du bist, zeige dich mir.“
“Wir müssen immer wieder eine Zeit finden, die wir ganz Gott schenken, Zeit, die ausschließlich dem Gebet gewidmet ist. Keine Arbeit kann so wichtig, so dringend sein, uns
davon abzuhalten.“
„Wenn mir der liebe Gott nur ein Brieferl schreiben würde.“
Hildegard Burjan trug ihr Gebetbuch in losen Blättern bei sich, um bei Gelegenheit im Kaffee, in der
Straßenbahn oder während ihr Mann die Zeitung studiert daraus gebetet hat.
„Je fester ein Mensch von seiner Weltanschauung überzeugt und
durchdrungen ist, je mehr ihm seine Gesinnung heiligste Herzenssache ist, desto ruhiger erträgt er andere Meinungen, desto mehr sucht er überall das Versöhnende, Verbindende heraus und ignoriert bei gemeinsamer Arbeit das Trennende“.
“Lieber – lieber Heiland – mach doch die Menschen alle reich – reich – unermesslich reich – durch dich – nur durch dich!“
Quellen:
vgl. www2.bistum-augsburg.de; wikipedia; heiligenlexikon.de; katholisch.de; vaticannews.va; praedica.de; und andere
