50 Jahre Kloster Maria Bronnen 1975-2025
Pontifikalamt mit Erzbischof Stephan Burger, Donnerstag, 28.08.2025 - Fest des Heiligen Augustinus - 10.00 Uhr Pfarrkirche St. Marien Waldkirch.

Pontifikalamt
mit Erzbischof Stephan Burger, Donnerstag, 28.08.2025 am Fest des Heiligen Augustinus um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche St. Marien Waldkirch. Im Anschluss Stehempfang, Umdrunk und Fingerfood.
Geschichte Maria Bronnen
Am 15. August 1975 wurde das Haus und Kloster Maria Bronnen in der Gemeinde Weilheim bei Waldshut-Tiengen im Südschwarzwald in der ehemaligen Löchlemühle im Haselbachtal unterhalb dem kleinen Dorf Bierbronnen zwischen Bannholz und Indlekofen, als gemeinschaftliches klösterliches Leben gegründet.
Wie kam es dazu und wie kam es für die Gemeinschaften, die dort heranwuchsen, zu den Namen Brüder vom Gemeinsamen Leben und Schwestern vom Gemeinsamen Leben?
Kirchliche Gemeinschaften unter diesem Namen hatten ihre Blütezeit im 14./15. Jahrhundert, der Reformationszeit. Ausgehend von Gerhard Groote und anderen die eine geistliche Bewegung unter dem Namen Devotio moderna (neue Frömmigkeit) gegenüber der Devotio antiqua (alte Frömmigkeit), von Deventer in den Niederlanden aus, begründeten. Im 19. Jahrhundert erloschen zwar die letzten Zentren dieser bedeutenden geistlichen Bewegung in Europa aber sie ging ein in die Frömmigkeit des Christsein von heute.
Die Initiative zur Gründung von Maria Bronnen lag auf der menschlichen Seite bei Johannes Lehmann-Dronke (1932-2011), der diese aber nicht ergriffen und durchgeführt hätte ohne die wegweisende Inspiration von Johanna Maria Zmudzinski (1931-1981).
Johannes Lehmann-Dronke wurde in Frankfurt am Main geboren. Er studierte von 1952 an zunächst Chemie und konnte 1964 in diesem Fach promovieren. In den 1950er Jahren lernte er in der Frankfurter katholischen Studentengemeinde Alma von Stockhausen kennen die Assistentin des damaligen Studentenpfarrers Ottmar Dessauer war. Als Philosophin verstand sie es junge Leute zu Gesprächskreisen über Grenzfragen der Geistes- und Naturwissenschaften zusammenzuführen. Ab 1962 dozierte Alma von Stockhausen an der neu errichteten Pädagogischen Hochschule in Freiburg, deren erster Rektor (1961-63) ihr verehrter Lehrer Gustav Siewerth war. Zusammen mit einem Freundeskreis bestand das Interesse, sich auch bei privat organisierten Gesprächskreisen mit Gustav Siewerth treffen zu können, der einen Zweitwohnsitz in St. Blasien hatte. Dieser wurde für die Treffen der Teilnehmenden aber zu klein woraufhin ein 300 Jahre altes kleines Bauernhaus in Bierbronnen gefunden wurde. Johannes Lehmann-Dronke erwarb 1962 das Anwesen das später mit Mitteln von Alma von Stockhausen renoviert und hergerichtet wurde. Es ist das in Maria Bronnen unter dem Namen „Altes Haus“ bekannte Anwesen - „s Frickehuus“- oberhalb der später errichteten Fatimakapelle. Das Haus, erhielt in den 1960er Jahren den Namen Gustav Siewerth-Haus. Später ging dieser Name auf das 1970 in Oberbierbronnen von Alma von Stockhausen erworbene Anwesen Café Alpenblick über, das in den 1980er Jahren zum Gründungsort der Gustav-Siewerth-Akademie wurde. Die Bezeichnung Altes Haus setzte sich in den 1970er Jahren zur Unterscheidung des Hauses in Oberbierbronnen durch. Auch nach dem Tod von Gustav Siewerth (1963) behielt das Alte Haus in Bierbronnen seine Bedeutung für studentische Treffen. Zu den Höhepunkten der dort stattgefundenen Veranstaltungen gehören die erstmals 1970 durchgeführten jährlichen Studientage mit den Professoren Joseph Ratzinger und Heinrich Schlier. Bierbronnen wurde mehr und mehr zur Wahlheimat von Johannes. Noch vor der Veröffentlichung seiner Dissertation in Chemie (1964) gibt Johannes seinem Leben eine neue Ausrichtung. Er beginnt im Wintersemester 1964 als spätberufener Seminarist für die Diözese Limburg sein Philosophie- und Theologiestudium an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Seine Externitas beginnt er zum Sommersemester 1966 in München, zum Sommersemester 1967 wechselt er nach Tübingen. Dabei folgt er einer Empfehlung von Karl Lehmann, der damals Assistent bei Prof. Karl Rahner in München war, sich mit seinen von der Naturwissenschaft herkommenden Fragestellungen besser an den Kollegen Joseph Ratzinger zu wenden. Drei Semester später geht er für ein weiteres Jahr des Studiums nach Freiburg und kehrt dann nicht mehr nach Frankfurt zurück. Stattdessen folgt er 1969 Joseph Ratzinger, den er in seiner Tübinger Zeit schätzen gelernt hat, als sein Schüler nach Regensburg.
zunächst Gaststatus. Am 30.6.1973 wird er zusammen mit seinem Freund Dietrich von Stockhausen, einem Bruder von Alma, für die Diözese Regensburg zum Priester geweiht. Die über die Jahre gewachsene enge Verbundenheit beider mit Bierbronnen führt zur Feier ihren Primiz am 8.7.1973 in Bierbronnen. Diese Feier fand unter großer Anteilnahme von Gläubigen an einem provisorischen Altar auf der Wiese unterhalb des Alten Hauses statt, dort wo heute die Fatimakapelle steht.
Sein Bischof, Rudolf Graber, räumt Johannes die Möglichkeit ein, bei Joseph Ratzinger zu promovieren. Ihm werden als Neupriester nur einzelne priesterliche Vertretungsdienste anvertraut, um ihm damit den nötigen Freiraum für weitere Studien zu geben. Zur Promotion in Theologie kommt es aber nicht mehr, stattdessen widmet er sich immer mehr dem Werk, das 1975 zur Gründung von Maria Bronnen führen wird.
Johanna Maria Zmudzinski wurde in Breslau geboren. Bis zu ihrem Umzug 1976 nach Maria Bronnen nannte sie sich gewöhnlich Hannemie. In schriftlich von ihr festgehaltenen Erinnerungen an ihre Kinder- und Jugendzeit legt sie dar, wie sehr die Wirren und Schrecken des Krieges sich ihrer Seele einprägten. Zugleich werden ihr früh tiefe Gotteserlebnisse geschenkt, die sie zu einem intensiven Gebetsleben führen. Schon in frühen Jahren fasst sie den Entschluss, ihr Leben ganz Gott zu weihen. Von 1946 bis 1950 ist sie zur Ausbildung im Provinzhaus der Hedwigschwestern in Breslau und dem dazugehörigen Kinderheim. Sie ist dort tätig im Sekretariat und in der Pflege und Erziehung von Klein- und Schulkindern. In den Jahren 1950 bis 1952 ist sie Novizin im Karmel von Breslau. Doch aufgrund ihrer schwachen Gesundheit lebt sie von 1952 bis 1956 wieder im Haushalt ihrer Eltern. Von 1956 bis 1958 betreut sie ein Pflegekind. Aus dieser Zeit sind von ihr in polnischer Sprache verfasste Tagebuchaufzeichnungen (1957-61) erhalten. Es sind
ausschließlich geistliche Gedanken, die von einer tiefen mystischen Christusbeziehung Zeugnis geben. 1959 siedelt sie mit ihrer Familie, Eltern und Bruder, in die Bundesrepublik Deutschland nach Karlsruhe über. In den Jahren 1960-76 ist sie in Einrichtungen der „Schwestern vom Guten Hirten" tätig, zunächst 1960- 68 im „Maria-Victoria-Stift", einem Mädchenheim in Rastatt, und von 1968-76 im Jugendsekretariat der Heimstätte für Mädchen „St. Michael" in Waldkirch bei Freiburg. Aufzeichnungen aus den Jahren 1967-69 zeigen, wie sie in ihrem inneren geistlichen Weg ihrer Gottesbeziehung weiter gereift ist.
Johanna Maria Zmudzinski und Johannes Lehmann-Dronke lernen sich im Jahr 1973 kurz vor der Priesterweihe von Johannes und Dietrich kennen. Im Sommer 1974 (vielleicht auch bereits im Herbst 1973) nimmt Johannes sie das erste Mal mit nach Bierbronnen. Sie hatte ihm anvertraut. dass sie schon seit einigen Jahren für einen bestimmten Ort im Südschwarzwald beten müsse, für der ein besonderer Auftrag Gottes bestehe. Pater Johannes erzählte später gern, wie Johanna Maria bei ihrem Spaziergang ins Tal und ihren ersten Blick auf die Löchlemühle in freudigem Erstaunen genau die Stätte erkannte, die sie wahrgenommen hatte und für die sie beten sollte. Sie vermisste lediglich den „brennenden Dornbusch", den sie in ihrer Schau an diesem Ort gesehen hatte.
Seitens der Chorherren von Windesheim ist von Anfang an die Gründung zweier Gemeinschaften in Maria Bronnen gedacht. Dies lässt sich an den Errichtungsdekreten erkennen. Mit Datum des 15.8.1975, dem Tag der Einweihung von Maria Bronnen, stellt Abt Dieter Kanduth als Höherer Oberer das Errichtungsdekret für das Bruderhaus aus. Er kann sich hierbei auf die im Juni zuvor erhaltene Zu- stimmung des Erzbischofs von Freiburg zu dieser Gründung und auf einen Kapitelbeschluss des Ordens im Juli beziehen. Das Dekret ist in lateinischer Sprache abgefasst und gesiegelt.
Im Januar 1976 stellt Abt Karl, der seitens des Chorherrenordens der maßgebliche Initiator für die Wiederbelebung der Schwestern wie der Brüder vom Gemeinsamen Leben war, ein Gesuch an Erzbischof Hermann Schäufele von Freiburg zur Errichtung der Schwestern vom Gemeinsamen Leben als „pia unio". Am 20. April 1976 erhalten die von ihm erarbeiteten und hierbei eingereichten Statuten die Approbation des Erzbischofs. Zugleich gibt er seine Zustimmung zur Gründung der Schwestern am „Oratorium des Brüderhauses Maria Bronnen".
Am Pfingsttag, dem 6. Juni 1976, legt Johanna Maria ihre ewigen Versprechen als erste Schwester vom Gemeinsamen Leben ab. Am gleichen Tag beginnt Gertraud Amler ihre Einübungszeit (Noviziat). Am gleichen Pfingsttag im Jahr 1976 legen fünf Tansanierinnen und Sr. Maria Stieren ihre zeitlichen Versprechen für ein Leben als Schwestern vom Gemeinsamen Leben in Tansania ab und brechen kurz darauf nach Tansania auf. Am 15. August 1976 beginnt Beate Maria von Pestalozza ihre Einübungszeit. Sie wird am 15. August 1977 ihre ersten Versprechen ablegen. Der nächste Eintritt bei den Schwestern, der bis zur Ablegung von Versprechen führt, ist der von Sr. Amelie von Fürstenberg, die zusammen mit Sr. Waltraud Marian 1979 ihre Versprechen ablegt.
Bei den Brüdern folgt auf Pater Johannes Lehmann-Dronke als nächster Pater Dietrich von Stockhausen, der am 8.9.1976 sein Noviziat beginnt und am 11. September 1977 seine ewigen Versprechen ablegt. Fast zeitgleich beginnt Bernhard Gerwe am 12. September 1976 sein Noviziat. Er legt seine zeitlichen Versprechen am 12. September 1977 ab. Die nächsten Eintritte bei den Brüdern, die bis zur Ablegung von Versprechen führen, sind Manfred Amann im September 1977 und Johannes Maria Leubin im Oktober 1979,
Im Orden der Augustiner Chorherren gibt es wie in manchen andern Ordensgemeinschaften auch die Form der geistlichen Verbundenheit als Familiare der Gemeinschaft, ohne dabei Versprechen abzulegen. Ohne ein klösterliches Leben zu führen sind sie Brüder und Schwestern in der Welt, die sich von der Spiritualität des Ordens getragen wissen und diese in das Umfeld ihres Lebens tragen.
Maria Bronnen und die Augustiner Chorherren.
Wie können Brüder vom Gemeinsamen Leben zugleich Augustiner Chorherren sein?
Wie können Brüder vom Gemeinsamen Leben zugleich Augustiner Chorherren sein?
Augustiner Chorherren sind Kleriker, die das Chorgebet miteinander pflegen und nach der Ordensregel des Heiligen Augustinus ein gemeinschaftliches klösterliches Leben führen. Mit einem anderen Ausdruck werden sie auch Regularkanoniker des heiligen Augustinus genannt. Kanoniker meint hier die Kleriker, die einer Kirche zugeordnet sind und für sie Verantwortung tragen. Als Regularkanoniker leben sie darüber hinaus nach der Regel des Heiligen Augustinus in klösterlicher Gemeinschaft. Augustiner Chorherren sind keine einheitliche, zentral geführte Ordensgemeinschaft wie etwa die Jesuiten. Eine Vielzahl von einzelnen selbständigen Klöstern und von größeren oder kleineren Verbänden tragen diese Bezeichnung und gehören diesem Orden an. Ein wichtiges geschichtliches Datum ist die Synode von 1059 im Lateran (Rom), die die Kanonikergemeinschaften auf die Annahme der Augustinusregel verpflichtete. Augustinus (354-430) lebte als Priester und dann als Bischof in klösterlicher Gemeinschaft. Als Bischof in Hippo (heute Annaba in Algerien) wünschte er sich, dass nach Möglichkeit der ganze Klerus seiner Diözese diese Lebensform annähme und förderte sie. Die Regel, die er schrieb, ist weniger eine detaillierte Lebensordnung als eher eine Darlegung allgemeiner in Gemeinschaft geltender Grundsätze wie das Bemühen um Einheit, Bescheidenheit Gebetseifer, brüderliche Korrektur, Versöhnlichkeit, eine dem einzelnen gegenüber nach seinen Bedürfnissen gerecht werdende Gerechtigkeit, das rechte Verhältnis von Vorgesetztem und Untergebenen … Er selber nennt sie auch nicht Regel sondern einen Spiegel, der die „Freunde geistlicher Schönheit“ durch regelmäßige Lektüre an die Grundsätze klösterlichen Lebens erinnern wird und sie zu bewahren hilft.
Im Jahr 1959 schlossen sich im Gedenken an 900 Jahre Synode vom Lateran vier bestehende Kongregationen von Chorherren zu einer Konföderation zusammen. Dieser Zusammenschluss begünstigte die Wiederbelebung erloschener Kongregationen. In den 1960er Jahren gab es zwei Initiativen, Chorherren in Anknüpfung an ehemalige bedeutende Gemeinschaften aus der Geschichte wieder zu beleben. Dies sind 1961 die Chorherren von Windesheim durch Abt Karl Egger (Chorherr aus der Kongregation vom Lateran) und 1968/69 die Chorherren von St. Viktor durch Maurice Bitz und zwei weitere Mitbrüder aus dem Kloster St. Maurice im Wallis, Schweiz. 1969 gehen beide Initiativen zusammen und werden zur Kongregation der Chorherren von Windesheim-Sankt Viktor. Wie bereits beschrieben entsteht Maria Bronnen in enger Verbindung mit den Chorherren von Windesheim. Es war zunächst so gedacht und blieb die ersten zehn Jahre so, dass die Brüder in Maria Bronnen angeschlossene Ordensmitglieder ohne eigenen Höheren Oberen der Chorherren von Windesheim und von Sankt Viktor waren. Der Höhere Obere für Maria Bronnen war von 1975-1979 Dieter Kanduth (Windesheim) und von 1979-1986 Maurice Bitz (St. Viktor). In diesen Jahren war Pater Johannes als eingesetzter Rektor Hausoberer bei den Brüdern. Die Entwicklung der Brüdergemeinschaft mit zahlreichen Eintritten zu Beginn der 1980er Jahre legte es nahe, dass Maria Bronnen einen eigenen Höheren Oberen erhält. Dazu bedurfte es der Umwandlung der einfachen Ordensversprechen in feierliche Ordensgelübde. Dadurch wurden die Brüder mit ewiger Profess Mitglieder im Kapitel der Kongregation Windesheim St. Viktor. Dem Haus Maria Bronnen wurde Selbständigkeit verliehen, verbunden mit dem Recht, einen eigenen Höheren Oberen zu wählen.
[Fortsetzung folgt]