Tarsykia Matskiw, 18. Juli


Sie wurde ermordet nur weil sie eine Nonne, Ordensfrau war. 
 
Namen
Tarsykia (Olha) Matskiw (Mazkiw)

Gedenktag
18. Juli (17. Juli)
 
Lebensdaten 
Geboren: 23. März 1919 in Chodoriw 52 Kilometer südöstlich von Lemberg; gestorben, erschossen: 17. oder 18. Juli 1944 in Scheptyzkyj, bis 1951 Krystynopil, von 1951 bis 2024 Tscherwonohrad, 70 km nördlich von Lwiw, Lemberg, Ukraine. 
 
Lebensgeschichte
Olha Mazkiw war das älteste von vier Kindern einer christlichen Arbeiterfamilie. Bereits in ihrer Kindheit zeigte sie Interesse an einem religiösen Leben. Olhas Mutter war aber gegen ihren Klostereintritt und verbot ihr den Besuch der täglichen Liturgie (Hl. Messe ). Unbeirrt ging Olha frühmorgens heimlich zur Kirche und kehrte rechtzeitig zurück, um Frühstück für die erwachende Familie zu machen. Schließlich bat Olha ihre Eltern um den Segen und trat trotz der Einwände ihrer Mutter am 3. Mai 1938 in die Ordensgemeinschaft der Dienerinnen Mariens der Unbefleckten Empfängnis (SSMIs) in Krystynopil, Scheptyzkyj (70 km nördlich von Lwiw, Lemberg) ein. So begann ein neues Kapitel ihres Lebens, das auf dem „Golgatha“ des zweiten Einmarsches der Bolschewisten in Lemberg endete.
 
Von Anfang an nahm Olha mit ihrer fröhlichen Natur und ihrem hingebungsvollen Dienst das Ordensleben an. Am 4. November 1938 nahm sie das Ordenskleid und den Schwesternnamen Tarsykia an und legte die ersten Gelübde ab. Zu ihren Aufgaben gehörten die Leitung der Klosterwerkstatt, Nähunterricht und die Aufgabe der Pförtnerin. Im September 1939 rückte die sowjetische Armee in Krystynopil ein. Die Frontlinie verlief nahe dem Kloster. In einem Brief an ihre Eltern vom 2. September 1941 schreibt sie: „Wir haben viel erlebt: Krieg, Bomben, Kugeln und die Front. Wir haben schreckliche, endlose Bombenangriffe der Bolschewiki erlebt. Zeitweise waren wir uns des Todes sicherer als des Überlebens.“
 
Als die sowjetischen Armeen 1943–44 durch die Westukraine vorrückten, wurde den Schwestern die Möglichkeit gegeben, die Gemeinschaft zu verlassen und nach Hause zu gehen. Doch keine von ihnen ging. Am Morgen des 17. Juli (nach einer anderen Quelle am 16. Juli) 1944 ahnte man, dass die militärischen Aktionen wieder beginnen würden, und noch am Abend begannen die Bombenangriffe. … Am nächsten Morgen ließen die Kämpfe nach, und die Schwestern bereiteten sich auf die Göttliche Liturgie (Messe) vor. … Ein Augenzeuge berichtet: „Es war früh am Morgen, wir warteten auf den Priester zum Gottesdienst. Wir hörten die Glocke. Jemand war am Tor. Schwester Tarsykia ging dorthin. … Die Bolschewisten erschossen sie. … Sie hatte es noch nicht einmal bis zum Tor geschafft.“
 
Unweit des Klosters befand sich der Friedhof, doch wegen der Kampfhandlungen in der Nähe konnte sie dort nicht begraben werden. Daher begrub man sie im Klostergarten in der Nähe der Statue der Mutter Gottes. Sogar diejenigen, die sie getötet hatten, nahmen an ihrer Beerdigung teil. … Später wurden ihre sterblichen Überreste von Krystynopil nach Lviv überführt, wo sie auf dem Grab der Schwestern im Lytschakiw-Kloster beigesetzt wurde.
So zerstörten die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs das reguläre Klosterleben. … Im Frühjahr 1946 war klar, dass die sowjetischen Behörden den Fortbestand des Klosters nicht zulassen würden, da die Vorbereitungen zur Zerstörung der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche bereits in vollem Gange waren. … Nach dem sogenannten „Lviv Sobor (Bischofskonferenz)“ und der Verhaftung der Bischöfe und Priester gingen die Behörden gegen die Klöster vor. …
Andere Männer- und Frauenklöster ereilte ein ähnliches Schicksal. Das Leben der seligen Tarsykia und ihr Schicksal sahen die Zeit der Verfolgung der Kirche voraus, und ihr Tod war wie ein Zeichen für die sowjetische Absicht, die Kirche zu töten. Das Leben der seligen Tarsykia zeugte von vollkommener Treue zu Christus und seiner Kirche. … In ihrem Tod bezeugte sie ihre Liebe, wie ihr Leben Heiligkeit bezeugte. Sie zeigte, dass Heiligkeit nicht auf einen kleinen Kreis der frühen Christen beschränkt ist, sondern auch in unserer Welt möglich ist.
Ihr Leben sollte ein Vorbild für unser Leben sein; ihr Dienst sollte durch unseren Dienst fortgeführt werden, und ihr Tod und ihre Heiligkeit sollten uns alle zur Heiligkeit aufrufen. Möge Schwester Tarsykias Fürsprache uns allen die Gabe aufopfernder Liebe und einer Leidenschaft für Heiligkeit schenken, die in unserer Welt gelebt wird. Das brauchen wir alle. (vgl. R. Syrotych)
 
Kontext
Die Zeit des Untergrunds der Ukrainischen Griechisch katholischen Kirche (UGCC) offenbart die Liebe und Hingabe von Bischöfen, Ordensfrauen / -männern und Laien zum Evangelium Christi. Ihr Leben und ihr Martyrium zeugen von der Heiligkeit und dem Wirken des Geistes „in“ ihnen und „durch“ sie. Als Johannes Paul II. 2001 in Lemberg 28 ukrainische Katholiken seligsprach, repräsentierten sie die unerschütterliche Treue der Kirche zu Christus. Es gibt noch viele weitere, deren Namen nie bekannt werden, doch die „zum Schweigen gebrachte Kirche“, die „Kirche der Märtyrer“, ist dank ihrer Selbstaufopferung und ihres Engagements aus dem Untergrund hervorgegangen und aus dem fruchtbaren Samen ihrer Heiligen erblüht.
Die Kirche hat die Zerstörung (Liquidierung) als auch die Wiederauferstehung erlebt; sie war eine zum Schweigen gebrachte Kirche in den Lagern Mordwiniens, Sibiriens und Kasachstans, doch sie hat durchgehalten und den „Kranz der Herrlichkeit“ erhalten, der ihre Erneuerung am Ende des 20. Jahrhunderts bedeutete.

Verehrung
Wenn wir von Heiligen sprechen, erwarten wir unbewusst, von außergewöhnlichen Ereignissen oder Leiden zu hören, die zur Heiligkeit führten. Davon gab es im Leben der seligen Tarsykia wenig. Ihr Leben wurde außergewöhnlich, weil sie ihre täglichen Aufgaben verantwortungsvoll erfüllte und bereit war, ihr Leben für Christus zu geben. Sie war ein Vorbild für Heiligkeit im Alltäglichen. Auch wenn wir hier keine Verfolgung erfahren, ist die selige Tarsykia ein Beispiel dafür, wie wichtig es für jeden von uns ist, im Alltag nach Heiligkeit zu streben.

Quellen 
www.sokal.lviv.ua/relihiia-tarsykii_matskiv.htm