Maria Magdalena Postel, 16. Juli

Unbeirrbar auf der Seite der Schwachen - Gründerin der Heiligenstädter Schulschwestern
 

Maria Magdalena Postel (1756–1846)
 
Namen
Maria Magdalena Postel (geboren als Julie Françoise Catherine Postel)

Gedenktag
16. Juli

Zeitgenossen
• Elisabeth Ann Seton (1774–1821), Gründerin der ersten katholischen Schwesternkongregation in den USA.
• Katharina Labouré (1806–1876), Seherin der Wunderbaren Medaille.
Männer
• Johannes Maria Vianney (1786–1859), Pfarrer von Ars und Erneuerer des priesterlichen Lebens.
• Vinzenz Pallotti (1795–1850), Gründer der Vereinigung des Katholischen Apostolates.  

Leben
Geboren: 28.11.1756 in Barfleur in der Normandie (Frankreich); gestorben: 16. Juli 1846 in Saint-Sauveur-le-Vicomte, Normandie (Frankreich)
 
Lebensgeschichte
Maria Magdalena Postel  wurde als erstes Kind des Seilers Jean Postel und seiner Ehefrau Thérèse Levalois 1756 in Barfleur in der Normandie geboren. Wesentliche Tugenden waren für sie Einfachheit, Sanftmut, Nächstenliebe und Demut.
Julie Postel erfährt als junges Mädchen eine gediegene Ausbildung bei den Benediktinerinnen von Valognes. In dieser Zeit wird ihr klar, dass sie ihr eigener Weg nicht über diese Gemeinschaft führen würde. Ihr schwebt das Ideal einer Gemeinschaft vor, deren Schwestern von der Arbeit ihrer Hände leben wollen.
Nach ihrer Rückkehr nach Barfleur gründet sie deshalb ein Internat für Mädchen aus armen Familien. Den Unterricht gestaltet sie nach dem Vorbild des französischen Reformpädagogen Jean Baptiste de La Salle, der großes Vertrauen in die Einsicht der Kinder hatte und auf Disziplinierung durch Schläge  verzichtete.
Als das Volk 1789 aufbegehrt und in der Französischen Revolution mit der Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ die Bastille in Paris erstürmt, wird auch die Kirche ein Opfer des Umsturzes: Klöster und Kirchengemeinden werden aufgehoben, kirchlicher Besitz konfisziert. Allein 1792 fallen den Morden in Pariser Gefängnissen 300 Priester zum Opfer.
In dieser Zeit gewährt Julie Postel Geistlichen Unterschlupf in ihrem Haus. Sie verhilft ihnen mit Fischerbooten zur Flucht nach England und bewahrt das Allerheiligste in einem Verschlag unter ihrer Treppe auf, um Kranken die hl. Kommunion zu bringen. Außerdem unterrichtet sie Kinder und bereitet sie auf die Erstkommunion vor.
In ihrem 51. Lebensjahr sieht sie schließlich die Stunde gekommen, zusammen mit drei weiteren Frauen eine eigene Gemeinschaft zu gründen: die „Armen Töchter der Barmherzigkeit“.
1804, drei Jahre zuvor, hatte ihr ein sterbendes Kind bereits prophezeit, dass ihre Genossenschaft, trotz geringer Beachtung in der Anfangszeit, bei ihrem Tod die stärkste in der Diözese Coutances sein würde.
Immer wieder Rückschläge
Auf der Suche nach einer Bleibe und der Möglichkeit zu unterrichten, erfährt die Gruppe immer wieder Rückschläge: Priester und Ortsbehörden sind sich oft einig in der Ablehnung ihrer Pädagogik, wohl auch, weil sie Konkurrenz in der Begleitung und Ausbildung junger Menschen befürchten. Zudem sterben mehrere Ordensfrauen auf der jahrzehntelangen Wanderschaft – neue Postulantinnen sind nur schwer zu gewinnen. Oft genug wird Maria Magdalena geraten, den Weg aufzugeben. Aber Resignation ist ihr fremd. Davon zeugt auch ihr überlieferter Satz: „Ich würde bis an die Grenzen der Erde gehen, um einen Menschen für Christus zu gewinnen.“
1832 schließlich erwirbt sie, inzwischen 76-jährig, die Ruine der ehemaligen Benediktinerabtei St. Sauveur-le-Vicomte. Wie urchristliche Gemeinschaften machen sich die Frauen daran, aus den Grundmauern heraus ihr eigenes Gebetshaus zu errichten. Maria Magdalena fasst selbst noch mit an. Auch die Wohnhäuser werden wieder aufgebaut und die Gärten urbar gemacht. Dabei lässt sich die Oberin von weiteren Rückschlägen nicht beirren. Als der wieder hergestellte Glockenturm 1842 in einer stürmischen Nacht einstürzt, beginnt die Gemeinschaft mit festem Gottvertrauen den Wiederaufbau. Am 16. Juli 1846 stirbt Maria Magdalena Postel und wird in der Abtei Saint-Sauveur-le-Vicomte begraben. 
 
Nach ihrem Tod wurde Placida Viel (1815–1877) ihre Nachfolgerin, die die erste Niederlassung in Deutschland gründete. Während des Kulturkampfes mussten die Schwestern Deutschland verlassen. Erst 1882 kehrten sie zurück und eröffneten 1887 das Mutterhaus in Heiligenstadt neu.
Während des Ersten Weltkrieges waren die Schwestern gezwungen, die Verbindungen nach Frankreich zu unterbrechen. Aufgrund dessen kam es 1920 zur Gründung einer selbstständigen deutschen Kongregation. In den folgenden Jahren erfolgten Gründungen in den Niederlanden, in Bolivien und Brasilien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Mutterhaus Heiligenstadt von Westdeutschland abgeschnitten, wo der Orden viele Häuser unterhielt; deshalb wurde 1947 das Generalat vorläufig nach Geseke verlegt. Nach dem Bau der innerdeutschen Mauer wurde in Bestwig ein Kloster errichtet, das als Sitz der Generalleitung diente. Fast 25 Jahre nach dem Fall der Mauer wurde das Generalat im Jahr 2003 nach Heiligenstadt zurückverlegt und im Kloster Bestwig die Leitung der europäischen Provinz eingerichtet.
 
Verehrung 
Als Maria Magdalena am 16. Juli 1846 stirbt, zählt die Gemeinschaft schon 37 Niederlassungen, 150 Schwestern und 20 Novizinnen. Die Prophezeiung des Kindes hatte sich somit erfüllt. 

Sie wurde 1908 von Papst Pius X. selig- und 1925 durch Papst Pius XI. heiliggesprochen. Ihr Gedenktag in der Liturgie ist der 16. Juli.
 
Quellen
vgl. 2.bistum-augsburg.de; wikipedia; heiligenlexikon.de; katholisch.de; vaticannews.va; praedica.de; orthopedia.de; https://smmp.de/gemeinschaft/maria-magdalena-postel/; und andere
 
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