Maria Aufnahme in den Himmel, Predigt Leo XIV. 15.8.2025
„Wir sind Maria, wenn wir nicht davonlaufen, wenn wir mit unserem „Ja“ auf ihr „Ja“ antworten.“
Predigt Papst Leo XIV. am 15.8.2025

Die Krönung der Jungfrau und Gottesmutter Maria. Apsismosaik in der Basilika Santa Maria Maggiore, von Jacopo Torriti (1295), mit Teilen des Originalmosaiks (5. Jahrhundert)
Homilie von Papst Leo XIV. bei Heiliger Messe am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel in Castel Gandolfo
15. August 2025
Liebe Schwestern und Brüder,
heute feiern wir auf eine andere Weise das Osterfest Jesu, das die Geschichte verändert. In Maria von Nazaret findet sich unsere Geschichte, die Geschichte der Kirche, die mit der ganzen Menschheit verbunden ist. Indem er aus ihr Mensch geworden ist, hat der Gott des Lebens und der Freiheit den Tod besiegt. Ja, heute betrachten wir, wie Gott den Tod besiegt, niemals ohne uns. Sein ist das Reich, aber unser ist das „Ja” zu seiner Liebe, die alles verändern kann. Am Kreuz hat Jesus das „Ja” aus freien Stücken gesprochen, das dem Tod seine Macht nehmen sollte, jenem Tod, der noch immer um sich greift, wenn unsere Hände kreuzigen und unsere Herzen Gefangene der Angst und des Misstrauens sind. Am Kreuz hat das Vertrauen gesiegt; es hat die Liebe gesiegt, die das sieht, was es noch nicht gibt; es hat die Vergebung gesiegt.
Und Maria war da: Sie war dort, vereint mit ihrem Sohn. Wir können heute ahnen, dass wir Maria sind, wenn wir nicht davonlaufen, dass wir sie sind, wenn wir mit unserem „Ja“ auf ihr „Ja“ antworten. In den Märtyrern unserer Zeit, in den Zeugen des Glaubens und der Gerechtigkeit, der Sanftmut und des Friedens lebt dieses „Ja“ weiter und tritt dem Tod weiterhin entgegen. So ist dieser Freudentag ein Tag, der uns herausfordert, zu entscheiden, wie und für wen wir leben wollen.
Die Liturgie hat für das Hochfest Mariä Himmelfahrt das Evangelium der Heimsuchung vorgesehen. Der heilige Lukas überliefert uns in dieser Textstelle die Erinnerung an einen entscheidenden Moment in der Berufung Mariens. Es ist schön, an diesem Tag, an dem wir den Zielpunkt ihres Lebens feiern, zu jenem Moment zurückzukehren. Jede Geschichte auf Erden, auch die der Gottesmutter, ist kurz und endet. Doch es geht nichts verloren. Wenn ein Leben zu Ende geht, dann leuchtet seine Einzigartigkeit umso heller. Das Magnificat, das die junge Maria im Evangelium spricht, lässt nun das Licht ihres ganzen Lebens erstrahlen. Ein einzelner Tag, der Tag der Begegnung mit ihrer Cousine Elisabeth, enthält das Geheimnis eines jeden anderen Tages, einer jeden anderen Zeit. Und Worte reichen nicht aus: Es bedarf eines Gesangs, der in der Kirche »von Geschlecht zu Geschlecht« (Lk 1,50) beim Sonnenuntergang jedes Tages gesungen wird. Die überraschende Fruchtbarkeit der unfruchtbaren Elisabeth bestätigte Maria in ihrem Vertrauen: Sie kündigte die Fruchtbarkeit des „Ja“ Mariens an, das sich seinerseits in der Fruchtbarkeit der Kirche und der gesamten Menschheit fortsetzt, wenn Gottes erneuerndes Wort angenommen wird. An jenem Tag begegneten sich zwei Frauen im Glauben, dann blieben sie drei Monate lang zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen, nicht nur bei den praktischen Dingen, sondern auch dabei, die Geschichte auf eine neue Art zu lesen.
Auf eine solche Weise, Schwestern und Brüder, tritt die Auferstehung auch heute in unsere Welt ein. Die Worte und die Entscheidungen des Todes scheinen die Oberhand zu haben, doch das Leben Gottes durchbricht die Verzweiflung durch konkrete Erfahrungen der Geschwisterlichkeit, durch neue Gesten der Solidarität. Denn bevor sie unsere letzte Bestimmung ist, verändert die Auferstehung unser Dasein – Leib und Seele – auf Erden. Der Gesang Mariens, ihr Magnificat, stärkt die Demütigen, die Hungrigen, die arbeitsamen Diener Gottes in ihrer Hoffnung. Es sind die Frauen und Männer der Seligpreisungen, die bereits in der Bedrängnis das Unsichtbare sehen: die Mächtigen vom Thron gestürzt, die Reichen mit leeren Händen, die Verheißungen Gottes erfüllt. Es handelt sich um Erfahrungen, von denen wir in jeder christlichen Gemeinschaft sagen können müssen, dass wir sie gemacht haben. Sie scheinen unmöglich, doch das Wort Gottes kommt stets ans Licht. Wenn Bindungen entstehen, mit denen wir dem Bösen das Gute, dem Tod das Leben entgegensetzen, dann erkennen wir: »Für Gott ist nichts unmöglich« (Lk 1,37).
Leider kann dieser Glaube manchmal dort schwinden, wo menschliche Sicherheiten, ein gewisser materieller Wohlstand und jene Laxheit, die das Gewissen einschläfert, vorherrschen. Dann tritt der Tod in Form von Resignation und Klagen, Wehmut und Unsicherheit ein. Statt die alte Welt enden zu sehen, sucht man noch deren Rettung: die Rettung durch die Reichen, durch die Mächtigen, die gewöhnlich mit der Verachtung der Armen und Bescheidenen einhergeht. Die Kirche jedoch lebt in ihren zerbrechlichen Gliedern, sie verjüngt sich dank deren Magnificat . Auch heute sind es die armen und verfolgten christlichen Gemeinschaften, die Zeugen der Güte und Vergebung in Konfliktgebieten, die Friedensstifter und Brückenbauer in einer zerbrochenen Welt, die die Freude der Kirche sind, ihre immerwährende Fruchtbarkeit, die Erstlingsfrüchte des kommenden Reiches. Viele von ihnen sind Frauen wie die betagte Elisabeth und die junge Maria: österliche Frauen, Verkünderinnen der Auferstehung. Lassen wir uns von ihrem Zeugnis bekehren!
Brüder und Schwestern, wenn wir in diesem Leben „das Leben wählen“ (vgl. Dtn 30,19), dann haben wir Grund, in Maria, die in den Himmel aufgenommen wurde, unsere Bestimmung zu erkennen. Sie ist uns als Zeichen gegeben, dass die Auferstehung Jesu kein Einzelfall, keine Ausnahme gewesen ist. In Christus können wir alle den Tod verschlingen (vgl. 1 Kor 15,54). Gewiss, dies ist ein Werk Gottes, nicht unser Werk. Doch Maria ist jene Verflechtung von Gnade und Freiheit, die einen jeden von uns zu Vertrauen, zu Mut und zu Engagement im Leben eines Volkes anspornt. »Der Mächtige hat Großes an mir getan« (Lk 1,49).
Mögen wir alle diese Freude erfahren und sie mit einem neuen Lied bezeugen. Lasst uns keine Angst haben, das Leben zu wählen! Das kann oft gefährlich und unklug erscheinen. Wie viele Stimmen flüstern uns ständig zu: „Warum tust du das? Lass es sein! Denk an deine Interessen.“ Das sind Stimmen des Todes. Wir sind hingegen Jünger Christi. Seine Liebe ist es, die uns, mit Leib und Seele, in unserer Zeit anspornt. Sowohl einzeln als auch gemeinschaftlich leben wir nicht mehr für uns selbst. Und eben dies – und nur dies – ist es, was das Leben weitergibt und das Leben siegen lässt. Unser Sieg über den Tod beginnt schon heute.
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Verehrung Mariens
Mit über 70 Ehrentitel würdigt und wertschätzt die Kirche Maria in der sogenannten Lauretanischen Litanei.
Dieses Gebet hat seinen Namen abgeleitet vom Wallfahrtsort Loreto (25 km südlich von Ancona, Italien) wo die Litanei seit mindestens 1531 bekannt ist und 1587 durch Papst Sixtus V. als offizielles kirchlichen Gebet genehmigt wurde. Als Ursprung gilt eine mittelalterliche Litanei in Reimen, die von der östlichen Marienverehrung besonders vom berühmten Hymnus Akathistos, beeinflusst ist.
2020 hat Papst Franziskus drei neue Anrufungen aufgenommen:
- "Mutter der Barmherzigkeit" ("mater misericordiae"),
- "Mutter der Hoffnung" ("mater spei") und
- "Trost der Migranten" ("solacium migrantiae").
Die Lauretanische Litanei
Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich.
Christus, höre uns.
Christus, erhöre uns.
Gott Vater im Himmel,
erbarme dich unser.
erbarme dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott
Gott Heiliger Geist
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott
Heilige Maria, bitte für uns.
Heilige Mutter Gottes
Heilige Jungfrau der Jungfrauen
Mutter Christi
Mutter der Kirche
Heilige Mutter Gottes
Heilige Jungfrau der Jungfrauen
Mutter Christi
Mutter der Kirche
Mutter der Barmherzigkeit
Mutter der göttlichen Gnade
Mutter der Hoffnung
Du reine Mutter
Du keusche Mutter
Du unversehrte Mutter
Du unbefleckte Mutter
Du liebenswürdige Mutter
Du wunderbare Mutter
Du Mutter des guten Rates
Du Mutter des Schöpfers
Du Mutter des Erlösers
Du Mutter der Barmherzigkeit
Mutter der göttlichen Gnade
Mutter der Hoffnung
Du reine Mutter
Du keusche Mutter
Du unversehrte Mutter
Du unbefleckte Mutter
Du liebenswürdige Mutter
Du wunderbare Mutter
Du Mutter des guten Rates
Du Mutter des Schöpfers
Du Mutter des Erlösers
Du Mutter der Barmherzigkeit
Du weise Jungfrau
Du ehrwürdige Jungfrau
Du lobwürdige Jungfrau
Du mächtige Jungfrau
Du gütige Jungfrau
Du getreue Jungfrau
Du Spiegel der göttlichen Heiligkeit
Du Sitz der Weisheit
Du Ursache unserer Freude
Du Tempel des Heiligen Geistes
Du Tabernakel der ewigen Herrlichkeit
Du Wohnung, ganz Gott geweiht
Du geheimnisvolle Rose
Du Turm Davids
Du elfenbeinerner Turm
Du goldenes Haus
Du Arche des Bundes
Du Pforte des Himmels
Du Morgenstern
Du Heil der Kranken
Du Zuflucht der Sünder
Du Hilfe der Migranten
Du Trösterin der Betrübten
Du Hilfe der Christen
Du Königin der Engel
Du Königin der Patriarchen
Du Königin der Propheten
Du Königin der Apostel
Du Königin der Märtyrer
Du Königin der Bekenner
Du Königin der Jungfrauen
Du Königin aller Heiligen
Du Königin, ohne Makel der Erbsünde empfangen
Du Königin, in den Himmel aufgenommen
Du Königin des heiligen Rosenkranzes
Du Königin der Familien
Du Königin des Friedens
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr.
Bitte für uns, o heilige Gottesmutter (Gottesgebährerin). / Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.
Gütiger Gott,
du hast allen Menschen Maria zur Mutter gegeben;
höre auf ihre Fürsprache;
nimm von uns die Traurigkeit dieser Zeit,
dereinst aber gibt uns die ewige Freude.
Durch Christus, unsern Herrn.
Amen.
du hast allen Menschen Maria zur Mutter gegeben;
höre auf ihre Fürsprache;
nimm von uns die Traurigkeit dieser Zeit,
dereinst aber gibt uns die ewige Freude.
Durch Christus, unsern Herrn.
Amen.
DIE ZUSAMMENSETZUNG UND DER INHALT DER LITANEI
1) DIE HEILIGKEIT MARIAS
Drei einführende Anrufungen heben die Heiligkeit Marias als Person (Sancta Maria), in ihrer Rolle als Mutter von Jesus Christus (Sancta Dei Genitrix) und in ihrer Berufung als Jungfrau (Sancta Virgo Virginum) hervor. Die Heiligkeit Marias wird hier betont.
2) MARIA, DIE MUTTER
Zwölf Anrufungen verweisen auf Maria als Mutter.
3) MARIA, DIE JUNGFRAU - FRAU
4) SYMBOLE MARIAS
Dreizehn, die größtenteils aus dem Alten Testament genommen und Maria zugeschrieben worden sind.
5) MARIA, DIE HELFERIN
Die Gruppe der vier folgenden Anrufungen preisen die Rolle Marias als Fürsprecherin für geistige und leibliche Werke der Barmherzigkeit:
6) MARIA, DIE KÖNIGIN
Der letzte Teil der marianischen Anrufungen ist aus einer Reihe von dreizehn Titeln zusammengesetzt, die auf Maria als Königin hinweisen, die Gesalbte (Christus/Christin d.h. Dienerin), die die persönliche Heiligkeit, Mariens Auszeichnung und die Rolle der Würde als Mensch unterstreichen.