Wladimir von Kiew war eine Schlüsselfigur für die religiöse und kulturelle Ausrichtung Osteuropas. Seine Taufe und die Einführung des Christentums in der Kiewer Rus gelten als Geburtsstunde der orthodoxen Kirche in den ostslawischen Ländern. 988 wird daher als Beginn der Christianisierung der Rus und ein Wendepunkt in ihrer Geschichte betrachtet.
Namensbedeutung:
groß in seiner Macht
Namensvarianten
Vladimir, Wolodymyr, Wolodja, Wolodjka, Wlad, Wowa, Wowan, Wowik, Wowka, Wowtschik, Wowotschka, Wladse, Waldemar
Gedächtnis
15. Juli
Lebensdaten
Geboren ca. 958 gestorben 1015 als ein Sohn des Kiewer Fürsten Swjatoslaw I. auch bekannt als Wladimir der Große und war Großfürst der Kiewer Rus von 980 bis 1015.
Lebensgeschichte
Bald nach 962 geboren, gewann Wladimir das Ringen um die Macht mit seinen beiden älteren Brüdern Swjatoslaw und Oleg. Nachdem 977 Swjatoslaw Oleg getötet hatte, konnte aber Wladimir 980, von Swjatoslaw bedroht, diesen bezwingen und die Herrschaft in Kiew übernehmen.
Die Annahme des Christentums nach östlichem Ritus im Jahr 988 wird als das Ergebnis eines planvollen Entscheidungsprozesses zwischen Judentum, Islam, westlichem und östlichem Christentum dargestellt.
Der Chronik zufolge wurde Wladimir in der von ihm eingenommenen byzantinischen Stadt Chersonesos auf der Krim auf den Namen Wasilliy getauft und heiratete Anna, die Schwester des byzantinischen Kaisers.
Der byzantinische Kaiser Basileios II. hatte Wladimir 987 um Hilfe gegen den Usurpator Bardas Phokas ersucht. Wladimir verlangte als Gegenleistung die Kaiserschwester zur Frau, und gleichzeitig war er bereit, das Christentum anzunehmen.
Nach einer anderen Chronik hat die Taufe und Heirat aber in Kiew stattgefunden haben. Unabhängig vom konkreten Anlass entsprach die Taufe dem Streben nach Integration des Reiches in die christliche Welt. Ebenso nahmen ungefähr gleichzeitig Ungarn und Polen das Christentum des westlichen Ritus an.
Verehrung
Wladimir starb im Jahr 1015 und wurde in der von ihm gestifteten Kirche des Entschlafens der Gottesmutter (Maria Himmelfahrt) in Kiew begraben.
Wladimir wird als apostelgleicher Großfürst und neuer Konstantin verehrt. Er war der erste christliche Herrscher aus der Dynastie der Rjurikiden, die im Kiewer Reich und später im Moskauer Reich bis 1596 regierten, während die südwestlichen Gebiete des einstigen Kiewer Reiches seit dem Spätmittelalter zu Polen-Litauen gehörten. Alte Listen der Großfürsten und Zaren, derer im Gottesdienst zu gedenken ist, beginnen oft mit Wladimir.
Als Vorbereitung auf den 900. Jahrestag der Taufe der Rus im Jahr 1889 wurde die neobyzantinische Wladimir-Kirche in Kiew errichtet, ursprünglich verstanden als Zeichen für die Einheit des Reiches durch die Religion, doch sekundär auch als Erinnerungsort der ukrainischen Geschichte.
Anlässlich des 1000. Todestages von Wladimir wurde auf Initiative der Russländischen Militärhistorischen Gesellschaft 1989 in Moskau in Kreml-Nähe ein Standbild für ihn errichtet.
Wladimir gilt als Patron sowohl Russlands, der Ukraine und von Belarus.
In Anlehnung an Münzprägungen aus der Zeit Wladimirs wird der Dreizack im ukrainischen Wappen in der ukrainischen Verfassung als „Zeichen des Fürstenstaates Wladimirs des Großen“ beschrieben.
In Russland steht Wladimir für einen starken, orthodox geprägten Staat. In einer Rede im November 2014 auf der Krim verwies Putin auf Wladimirs Taufe angeblich auf der Krim und begründete mit ihr die „Sakralität“ der Halbinsel für den russischen Staat.
Quellen
vgl. 2.bistum-augsburg.de; wikipedia; heiligenlexikon.de; katholisch.de; vaticannews.va; praedica.de; orthopedia.de und andere
