Karl Leisner, 12. August


„Segne auch, Höchster, meine Feinde!"
 
Jungendlicher, Seminarist, Märtyrer

Lebensdaten
geboren am 28. Februar 1915 in Rees bei Kleve an der Grenze zu den Niederlanden, 50 km östlich von Nijmegen; gestorben am 12. August 1945 in Planegg bei München nach Befreiung aus dem KZ Dachau (30 Jahre). 

Gedenktag
12. August
 
Lied / Gebet
  1. Einmal nur durftest du den Herrn vertreten, in seiner Kraft, an seiner Stelle beten (als Priester), einmal mit Dank das Wort der Worte sprechen, seinen Leib brechen.

  2. Doch deine Kämpfe und dein Überwinden, alles Begeistern, Führen und Verkünden, Leben und Tod war in den Mahlgestalten leuchtend enthalten.

  3. Liebe zu Christus hatte dich geleitet, Liebe Marias dir das Herz geweitet. So warst du Zeichen seines Heils geworden gegen das Morden.

  4. Jahre im Lager konnten dich nicht beugen. Krankheit und Sterben krönten dich zum Zeugen. Starker Karl Leisner, wir sind zeitgebunden. Hilf uns gesunden.

  5. Zeige den jungen Menschen unsrer Tage Christus als Antwort und Gewissensfrage, Christus als Maß in Sicherheit und Sorgen, heute und morgen.
© Peter Gerloff, Melodie: „Lobet den Herren“
 
Lebensgeschichte
Karl Leisner ist in einer katholischen Familie in Kleve am Niederrhein aufgewachsen. Hier bekommt er die Grundlage für sein Leben, das gekennzeichnet ist von einer großen Begeisterung für Christus und einer innigen Liebe zur Gottesmutter Maria.
 
In der katholischen Jugendbewegung findet er eine erste geistige Heimat. Karl übernimmt schon früh Verantwortung und wird ein fähiger und begeisterter Jugendführer.
 
Der Nationalsozialismus fordert den jungen Gymnasiums-Schüler zur geistigen Auseinandersetzung heraus. Mit erstaunlicher Klarheit erkennt er die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Deswegen wird die Geheime Staatspolizei auf ihn aufmerksam.

Von entscheidender Bedeutung wird sein erster Besuch in Schönstatt. In der Karwoche 1933 nimmt er dort an einer Tagung mit Exerzitien teil. Später stellt er fest, dass sein Leben dabei eine "Wende zum Apostolat in der Jugend" erfahren hat. Er baut in Kleve die Jungschar auf. Seine Arbeit zieht weitere Kreise, er wird Bezirksjungscharführer, danach für zwei Jahre Diözesanjungscharführer.
 
Er entscheidet sich für den Priesterberuf und studiert Theologie in Münster. Dort schließt er sich einer Schönstattgruppe an, der er bis zu seinem Lebensende angehören wird.
 
In seinem Ringen um den Priesterberuf, im Freisemester in Freiburg verliebte er sich in die Tochter seiner Gastfamilie (Elisabeth Ruby) und rang bis zum Studienende um seine Berufung zum Priester.

1939 wurde er von Bischof Clemens August Graf von Galen zum Diakon geweiht, konnte aber wegen einer Tuberkuloseerkrankung nicht wie geplant zum Priester geweiht werden. Als er im Sanatorium in St. Blasien vom missglückten Elser-Attentat auf Hitler hörte, rutschte ihm ein bedauerndes „Schade!“ heraus, woraufhin ihn ein Mitpatient der Gestapo meldete, die ihn umgehend verhaftete.
 
Der Gefängnishaft in Freiburg folgte die Verbringung ins Konzentrationslager Sachsenhausen und im Dezember 1940 nach Dachau. Er nimmt diese neue Situation an im Geiste der Ganzhingabe an Gottes Willen. Auch ist er bestrebt, den Hass seiner Gegner nicht in derselben Weise zu beantworten. Er notiert im Gefängnis: „Von Herzen bitte ich Dich für alle, die mir nicht gut gesinnt sind, und bitte Dich um Verzeihung für sie.“
 
In Dachau beginnt er zusammen mit P. Fischer im KZ Dachau eine Schönstatt-Interessentengruppe. Später gehört er zur Gruppe „Victor in vinculis – Sieger in Fesseln“, die mit dem ebenfalls inhaftierten Gründer der Bewegung, Pater Josef Kentenich in Kontakt steht.
 
Im Frühjahr 1942 bricht seine Tbc-Erkrankung wieder aus; er wird nun die meiste Zeit im Krankenrevier zubringen müssen, was den Kontakt zu den Mitbrüdern erheblich erschwert.
 
Er erfährt es als ein großes Gnadengeschenk, dass in der Unfreiheit des KZ die große Sehnsucht seines Lebens in Erfüllung geht: am Dritten Adventssonntag 1944 legt der französische Bischof Gabriel Piguet – ebenfalls KZ-Häftling – dem deutschen Diakon Karl Leisner die Hände auf und weiht ihn zum Priester - für die mitgefangenen Priester ein Zeichen sieghaften Glaubens und starker Hoffnung, für viele Menschen heute – besonders in Frankreich - ein deutliches Zeichen der Versöhnung.
 
Nach der Befreiung des KZ Dachau wird Karl Leisner schwer krank in ein Sanatorium in Planegg bei München gebracht. Seiner Mutter vertraut er an, wie es um ihn steht: „Ich weiß, dass ich bald sterben werde, doch ich bin froh dabei!“ Am 12. August 1945 gibt er sein Leben in Gottes Hand zurück. Drei Wochen zuvor hatte er in seinem letzten Tagebucheintrag geschrieben: "Segne auch, Höchster, meine Feinde!"
 
Verehrung: Karl Leisner wurde in Kleve bestattet und ruht seit 1966 im Xantener Dom, wo er vor allem auch unter den Priestern eine wachsende Verehrung und Bitte um Fürsprache erfährt.
 
Am 26. Juni 1996 wurde Karl von Papst Johannes Paul II. im Olympiastadion in Berlin seliggesprochen. Er ist der erste aus der Schönstattbewegung, dem die Ehre der Altäre zuteil wurde. Von einer innigen Liebe zu Maria und einer tiefgehenden Begeisterung für Christus und die Kirche geprägt ist er eine hervorragende Gestalt der katholischen Jugendbewegung der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.
 
Liturgische Texte
 Tagesgebet
Herr, unser Gott, 
du hast dem seligen Karl Leisner e
   ine leidenschaftliche Liebe zu Christus geschenkt. 
Diese bezeugte er bis zum Martyrium, 
   das er für die Jugend der Kirche auf sich nahm. 
Gib auch uns auf seine Fürsprache die Kraft, 
   als unerschrockene Zeugen für das Evangelium einzutreten 
   und so dein Reich der Wahrheit und der Barmherzigkeit sichtbar zu machen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus...
 
Gabengebet
Gott, unser Vater, 
am Gedenktag des seligen Karl Leisner rufen wir zu dir: 
   gewähre uns jene Treue im Bekenntnis zu deinem Namen, 
   die du ihm geschenkt hast, 
und nimm unsere Gaben an, 
   wie du sein Leben und Sterben angenommen hast. 
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn...
 
Schlussgebet
Barmherziger Gott, 
in dieser hl. Feier durften wir uns das Leben eines Mannes vor Augen halten, 
   der konsequent seinen Weg in der Nachfolge Jesu gegangen ist. 
Auf diesem Weg hat er junge Menschen angesprochen 
   und eingeladen, mitzugehen. 
Wir danken dir für das Beispiel Karl Leisners 
    und bitten dich: 
begleite uns in unserem Alltag 
   und lass uns in der Begegnung mit jungen Menschen die rechten Worte finden,
   Zeugnis von dir zu geben. 
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn...
 
 
2007 wurde der Heiligsprechungsprozess eröffnet.
 
 
Auf der Seite Karl-Leisner-Jugend sind viele Fragen und Antworten über Glauben und Kirche im Geist Karl Leisners präsentiert.
 
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