
Vgl. Vinzenz-Porträt von Simon François im Schloss Bussy-Rabutin
„Liebe sei Tat!“
„Barmherzigkeit ist das innerste Geheimnis Gottes. Gott schenke uns diesen Geist des Mitfühlens und Erbarmens in Fülle und halte ihn in uns lebendig.“
„Die Krankheit lässt uns viel besser als die Gesundheit sehen, wer wir sind.“
„Ich darf einen Armen oder eine Arme nicht nach ihrem Äußeren betrachten und nicht nach dem, was anscheinend in der Reichweite ihres Geistes liegt. Aber dreht die Münze um, und ihr werdet im Licht des Glaubens erkennen, dass der Sohn Gottes, der arm sein wollte, sich in diesen Armen zeigt.“
Priester, Begründer der organisierten Nächstenliebe und weltweiter Caritasbewegung, Ordensgründer
Namensbedeutung
der Siegende (lat.)
Namensvarianten
Vincenz, Vincent, Vincenzo, Vince, Bence, Zenz
Gedenktag
27. September
Lebensdaten
geboren am 24. April 1581 in Pouy (Gascogne), heute Saint-Vincent-de Paul, gestorben am 27. September 1660 in Paris (Frankreich)
Kontext, Zeitgenossen
Franz von Sales (1567-1622)
Luisa de Marillac (1591-1660)
Petrus Fourier (1565-1640)
Johannes Eudes (1601-1680)
Luisa de Marillac (1591-1660)
Petrus Fourier (1565-1640)
Johannes Eudes (1601-1680)
Blaise Pascal (1623–1662)
Die Armenhilfe war fast ausschließlich Almosengeben, oft durch Adelspatenschaften manchmal durch städtische Organisationen, weniger durch direkte königliche Politik. Die Frage der Armut wurde vor allem als ethische Verantwortung der Christen, der einzelnen Personen gesehen, nicht als Staatspflicht.
Lebensgeschichte
Vincent Depaul, wurde von seiner Familie, Landwirte in Südwestfrankreich, 150 km südlich von Bordeaux, empfohlen Priester zu werden um dann die Familie mit seinen Einkünften zu unterstützen. Er studierte in Toulouse. Obwohl er bereits mit 19 Jahren die Weihe empfing, gelang ihm die geistliche Karriere mangels Anstellung nicht. Vinzenz litt an Geldmangel, machte Schulden. Irgendwie schlug er sich durch. Er wurde 1605 von türkischen Seeräubern gefangen und als Sklave nach Tunis verkauft. 1607 ist er befreit worden und kam 1608 über Rom nach Paris. Hier wurde er Pfarrer und Hausgeistlicher bei der reichen Adelsfamilie de Gondi die Galeerenschiffe betrieb. Als geistlicher Berater der Ex-Königin Margarete von Valois lernte er Luxus und Pracht kennen, als ihr Almosenverwalter begegnete der junge Geistliche in den Spitälern der geballten Armut.
Vinzenz begann, sich zu hinterfragen und suchte geistliche Begleitung. Nicht zuletzt durch die Begegnung mit Bischof Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal erkannte er, dass es seine Lebensaufgabe war, sich für die Schwächsten einzusetzen. Im Lauf der Jahre wurde aus ihm ein Mann von innerer Tiefe und hoher Selbstlosigkeit.
Als Pfarrer in Châtillon-les-Dombes in der Nähe von Lyon (1617 - am Beginn des 30-ig jährigen Krieges) hatte er ein Schlüsselerlebnis. Er schreibt:
"Eines Sonntags kam jemand zu mir und meldete, in einem abseits gelegenen Haus, etwa eine viertel Stunde entfernt, herrsche große Not. Alle darin seien krank, keiner könne dem anderen helfen. In der Predigt empfahl ich die notleidenden Leute liebevoll der Gemeinde. Nach der Vesper am Nachmittag machte ich mich selbst auf den Weg. Da sah ich Frauen mit Lebensmitteln hingehen, andere kamen von dort zurück, kurz, es waren so viele unterwegs, dass man von einer Prozession sprechen konnte. Ich musste mir sagen: Welch große Nächstenliebe! Aber sie ist ungeordnet. Haben doch die Armen jetzt zu viel Vorrat auf einmal. Ein Teil davon wird verderben, und bald sind sie wieder der alten Not ausgeliefert. Da brachte mich Gott auf den Gedanken, diese Frauen könnten sich zusammentun, um aus Liebe zu Gott den armen Kranken zu dienen.
So schlug ich in einer Versammlung den Frauen vor, jede möge ihren Beitrag leisten und sich einen Tag zur Verfügung stellen, um das Essen zu bereiten, und zwar nicht allein für diesen einen Fall, sondern für alle, die später Hilfe nötig haben würden."
Vinzenz entdeckte, dass Helfen auch dauerhaft sein muss. Dass die spontanen guten Taten nicht reichen. Dass die Nächstenliebe organisiert und nachhaltig strukturiert werden muss. Innerlich klar und entschlossen verschrieb er sich dieser Aufgabe: Er wollte für die Bedürftigen da sein und Organisationen schaffen, um deren Not zu lindern. "Lieben wir Gott in den Armen im Schweiße unseres Angesichts" wurde sein Motto.
Vinzenz gewann Helferinnen und schloss sie in Caritasvereinen zusammen. Das war etwas ganz neues: eine organisierte Sorge um Kranke und Arme vor Ort. Als Seelsorger für Galeerensträflinge setzte er sich auch für Hafterleichterungen und einen menschlicheren Umgang mit den Sträflingen ein. Er sorgte für Obdachlose und Bettler. Mädchen vom Land quartierte er in Pariser Mietswohnungen ein und schickte sie als "Töchter der Caritas" in Spitäler und Armenquartiere. Daneben betreute Vinzenz Häuser für Findelkinder, leitete die Flüchtlingsfürsorge, organisierte Suppenküchen, gründete Anstalten für Geisteskranke, Pilgerhäuser und in Marseille ein Spital für Strafgefangene. Vinzenz galt als Autorität auf dem Gebiet der Psychiatrie. Er wurde in Hinblick auf die von ihm geleiteten Pflegeanstalten und die dort praktizierte systematische Fürsorge für psychisch Kranke als „Reformator des Irrenwesens“ bezeichnet.
Die helfende Gemeinschaft war für Vinzenz der Schlüssel zur Bewältigung sozialer Not. Zahlreiche Vereinigungen und Bruderschaften gehen direkt auf ihn zurück, etwa der Volksmissionsorden der "Lazaristen" oder die gemeinsam mit Louise de Marillac gegründeten "Barmherzigen Schwestern", auch "Vinzentinerinnen" genannt. Ihre Ausrichtung beschrieb Vinzenz so: "Ihr habt als Kloster die Häuser der Kranken, als Zelle eine Mietkammer, als Kapelle die Pfarrkirche, als Kreuzgang die Straßen der Stadt, als Klausur den Gehorsam, als Gitter die Gottesfurcht und als Schleier die heilige Bescheidenheit." Das Geld dafür bettelte der rastlose und leidenschaftliche Priester zusammen.
Diese Ausrichtung diente vielen als Vorbild für ihr soziales Engagement und zur Gründung viele Ordensgemeinschaften. Vinzenz wurde der "Großstratege kirchlichen Bruderdienstes" und "Pionier der Moderne", wie er später genannt wurde. Er starb am 27. September 1660 im Alter von 79 Jahren in Paris. Auf dem Sterbebett segnete Vinzenz zum letzten Mal die Bedürftigen und alle, die mit ihm im Dienste der Armen standen. Er starb in Frieden und gemäß seinem Ausspruch: "Wer im Leben die Armen geliebt hat, wird im Augenblick des Todes ohne Furcht sein."
Verehrung
Vinzenz von Paul wurde 1737 heiliggesprochen und von
Papst Leo XIII. im Jahr 1855 zum Patron der Nächstenliebe und Schutzpatron aller caritativen Vereine erhoben.
Sein Herz wird in der Kathedrale von Lyon verehrt, sein unverwester Leichnam in der Pariser Kirche Saint-Lazare.
Seine Ordensgemeinschaften und viele von ihm inspirierte Einrichtungen betreiben weltweit soziale Organisationen.
Darstellung
im Priestergewand Soutane, inmitten von Schutzbefohlenen, oft mit einem flammenden Herzen
Patron
aller karitativen Einrichtungen, der Priester, Kranken- und Waisenhäuser, Waisen und Gefangenen,
Lied
(Melodie: Lobet den Herren)
Heiliger Vinzenz, Helfer aller Christen,
die sich zum Weg in Gottes Zukunft rüsten, reicher als Reiche, die sich selbst verlieren und Gott nicht spüren:
Heiliger Vinzenz, dich hat Gott verwandelt, hat wie ein guter Arzt an dir gehandelt. Du musstest leiden und dein Herz entleeren, seinen Ruf hören.
Heiliger Vinzenz, deine Saat erblühte,
überall reiften Werke deiner Güte.
Arme und Kranke fanden Rast am Wege, Stärkung und Pflege.
Heiliger Vinzenz, hilf, dass wir dir gleichen, dem, der in Not ist, Herz und Hände reichen. Selig, die Christus in den Schwachen dienen:
Er ist mit ihnen.
© Peter Gerloff
Quellen:
2BistumAugsburg.de, Caritas Eichstätt (Autor Karl Ferstl), Wikipedia, heiligenlexikon.de und andere