
Eine der bedeutendsten Frauen des 20. Jahrhunderts. Philosophin, Sozialarbeiterin, Mystikerin des Alltags. Eine Prophetin wie Jeremia.
„Wir glauben, dass Gott in allem ist, aber wir vergessen, dass er auch in allem geliebt werden will.“
“Man kann Christus nicht lieben, ohne die Menschen zu lieben, und man kann die Menschen nicht lieben, ohne Christus zu lieben.“
“Das Evangelium lebt nur dann, wenn man es lebt.“
Namen
Madeleine Delbrêl (1904-1964)
Leben
geboren am 24. Oktober 1904 in Mussidan im Südwesten von Frankreich 80 km östlich von Bordeaux geboren. Ihr Vater ist Eisenbahnbeamter und die Familie folgt ihm an die Orte seiner häufigen Versetzungen. Am 13. Oktober 1964 stirbt sie überraschend an einem Schlaganfall in Ivry-sur-Seine am südlich-östlichen Stadtrand von Paris im Alter von 59 Jahren.
Lebensgeschichte
Im Zuge der Vorbereitung auf ihre Erste Heilige Kommunion lernt sie einen einfachen und tiefen Glauben kennen. In Paris jedoch, wohin die Familie 1916 zog, begannen Persönlichkeiten aus dem atheistischen Freundeskreis ihres Vaters Einfluss auf sie zu nehmen. Sie belegte an der Sorbonne Vorlesungen in Philosophie und Geschichte und widmete sich künstlerischen Studien in Montparnasse. Zu dieser Zeit erhielt, wie sie im Rückblick schildert, „die INTELLIGENZ den ersten Platz auf meiner Stufenleiter der Werte. (...) Sie bezeichnet sich als strikt atheistisch und fand die Welt täglich absurder.
Ihr intellektueller Atheismus gerät durch die Begegnung mit christlichen Freunden ins Wanken, sodass sie die Existenz Gottes nicht mehr von vornherein als unzeitgemäß ablehnte. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Existenz Gottes logischerweise genauso wahrscheinlich ist wie seine Nicht-Existenz. In dieser Situation entschloss sie sich, zu beten und erlebte in dieser Begegnung mit Gott ihre Bekehrung.
Sie erwägt, in ein Karmelkloster einzutreten. Da sie zu Hause bei ihrem blinden Vater gebraucht wird, gibt sie aber den Gedanken daran auf. Als ihr Freund Jean Maydieu sich überraschend von ihr trennte, um in den Dominikanerorden einzutreten, drängt sich die Frage nach Gott endgültig auf.
Ein Wort von Teresas von Avila, man solle jeden Tag fünf Minuten still an Gott denken, gab ihr den entscheidenden Anstoß: „Lesend und nachdenkend habe ich Gott gefunden, indem ich betete, habe ich geglaubt, dass er mich findet und dass er die lebendige Wahrheit ist und dass man ihn lieben kann, wie man eine Person liebt.“ Über das eigentliche Bekehrungserlebnis von 1924 sprach sich Madeleine kaum, und nur mit tastenden Worten aus.
Die äußeren Umstände, vor allem die Erblindung ihres Vaters, führten Madeleine zu dem Entschluss, ein Leben nach den evangelischen Räten inmitten der Welt zu leben. Sie gab ihre Studien auf, engagierte sich als Leiterin einer Pfadfindergruppe in ihrer Pfarrei und begann eine Ausbildung als Sozialarbeiterin.
1933 zieht sie mit zwei Gefährtinnen nach Ivry, einer kleinen Arbeiterstadt südlich von Paris. Es ist die erste Stadt, die von Kommunisten regiert wird. Madeleine findet guten Kontakt zu den Verantwortlichen. Sie ist begeistert von deren Einsatz für die Arbeiter, um deren hartes, entbehrungsreiches Leben zu ändern. Sie spielt mit dem Gedanken in die kommunistische Partei einzutreten. Doch die Erkenntnis, dass die Kommunisten neben der Liebe zu den Arbeitern Hass gegen Andersdenkende säen, hält sie davon ab. Sie unterstützt deren Bewegung „Ausgestreckter Arm,“ in der sich 1936 Kommunisten und Christen gegen die Faschisten zusammenschlossen und gerät dadurch in die Kritik der Kirche und der Traditionskatholiken, die sich von den Arbeitern abschotten.
Als erste Frau nimmt sie Anteil beim Aufbau des überdiözesanen Priesterseminars in Lisieux, aus dem viele Arbeiterpriester hervorgingen. Sie war eine der ersten Frauen, die vor den Priesteramtskandidaten, die aus allen Diözesen Frankreichs zusammengekommen waren, Vorträge über ihre Erfahrungen hält, die sie während der zehn Jahre im kommunistischen Arbeitermilieu von Ivry gesammelt hatte.
Sie wird zur Vorbereitung des Zweiten Vatikanischen Konzils herangezogen.
Sie wird zur Vorbereitung des Zweiten Vatikanischen Konzils herangezogen.
Am 13. Oktober 1964 stirbt sie überraschend an einem Schlaganfall.
Verehrung
Papst Johannes Paul II. leitete 1993 das Seligsprechungsverfahren ein. Papst Franziskus anerkannte 2018 den heroischen Tugendgrad und erhob Madeleine Delbrêl damit zur ehrwürdigen Dienerin Gottes. Als Voraussetzung für die Seligsprechung ist nun noch die Anerkennung eines Wunders auf ihre Fürbitte hin notwendig.
Worte von Madeleine Delbrêl
Das Martyrium galt der alten Kirche als Höchstform der Verwirklichung der Liebe und Christusnachfolge. Aber es gibt auch eine Passion, die in der Geduld beziehungsweise im Ertragen von Situationen, die Geduld erfordern, besteht.
Schon am Morgen suchen sie uns auf: unsere Nerven gehen uns so leicht durch, der Bus ist bereits voll, die Milch läuft über, der Schornsteinfeger kommt, die Kinder verderben alles, der Mann bringt Gäste mit, die Freunde erscheinen nicht, das Telefon läutet ununterbrochen, die, die wir lieben, streiten sich; man möchte schweigen und muss sprechen, man möchte sprechen und muss schweigen, man möchte ausgehen und muss daheim bleiben, man möchte daheim bleiben und muss weggehen, man möchte sich auf den Ehegatten stützen, und der wird schwach wie ein Kind; die tägliche Arbeit wird uns langweilig; es quält uns die Gier nach Dingen, die uns nicht zustehen.
So treten die Geduldsübungen an uns heran. Unser Opfer heißt Früchte bringen in Geduld.