
Clemens von Rom (10-100)
"Herr, laß über uns dein Antlitz leuchten mit dem Gut des Friedens; schütze uns mit deiner mächtigen Hand … Wir danken dir durch den Hohenpriester und Führer unserer Seelen, Jesus Christus, durch den dir sei Ehre und Lob. Amen« (Clemens 60–61)
Papst, Märtyrer, Apostolischer Vater
Namensbedeutung
der Sanftmütige (lat.)
Gedenktag
23. November
Lebensdaten
geboren um 50 in Rom, gestorben um 100 ebendort, oder auf der Halbinsel Krim
Lebensgeschichte
Clemens war der Überlieferung nach ein junger Gelehrter auf Wahrheitssuche und bekehrte sich auf eine Predigt des heiligen Barnabas zum Glauben. Er soll Schüler des Apostel Petrus gewesen sein, der ihn zu seinem Nachfolger bestimmte. Die uneinheitliche Zählungen - Clemens ist der 3. Nachfolger von Petrus als Bischof von Rom - erklärt man dadurch, dass Clemens vor seinem Amtsantritt Linus und Anaklet den Vorrang in der Leitung der römischen Gemeinde ließ.
Von ihm ist der „erste Clemensbrief“ erhalten: ein im Namen der Kirche von Rom an die Kirche von Korinth gerichtetes Schreiben, das autoritativ zu Eintracht, Frieden und Ordnung mahnt und Aufschluss über das kirchliche Leben im 1. Jahrhundert gibt.
Der Brief von Clemens stellt eine erste Ausübung des Römischen Primats nach dem Tod des Apostel Petrus dar. Der Brief greift Themen auf, die dem Apostel Paulus am Herzen lagen, der zwei große Briefe an die Gemeinde in Korinth geschrieben hat: insbesondere die stets aktuelle theologische Dialektik zwischen dem Indikativ des Heils und dem Imperativ des moralischen Bemühens.
Im Vergleich zu Paulus besteht die Neuheit darin, daß Clemens auf den lehrmäßigen und den praktischen Teil, die fester Bestandteil aller Paulusbriefe waren, ein »großes Gebet« folgen läßt, das den Brief praktisch abschließt.
Der unmittelbare Anlaß des Briefes erschließt dem Bischof von Rom die Möglichkeit einer umfassenden Darlegung über die Identität der Kirche und ihrer Sendung. Wenn es in Korinth Mißbräuche gegeben habe – bemerkt Clemens –, müsse der Grund in der Schwächung der Liebe und anderer unverzichtbarer christlicher Tugenden gesucht werden. Deshalb ruft er die Gläubigen zur Demut und zur brüderlichen Liebe auf, zwei wirklich grundlegende Tugenden des In-der- Kirche-Seins: „Wir sind ein heiliger Teil«, so mahnt er, »wir erfüllen also alles das, was zur Heiligkeit gehört“ (30,1). Im besonderen erinnert der Bischof von Rom daran, daß der Herr selber »bestimmt hat, wo und durch wen die liturgischen Dienste vollzogen werden sollen, damit alles, was heilig und mit seinem Wohlgefallen verrichtet wird, seinem Willen angenehm sei … Dem Hohenpriester sind nämlich eigene liturgische Funktionen übertragen, den Priestern ist ein eigener Platz zugewiesen worden, den Leviten obliegen ihnen eigene Dienste. Der Laie ist an die für die Laien geltenden Vorschriften gebunden« (40,1–5):
Man beachte, daß hier, in diesem Brief am Ende des 1. Jahrhunderts, zum ersten Mal in der christlichen Literatur der griechische Begriff »laikós« vorkommt, was »Glied des ›laos‹«, das heißt »des Volkes Gottes«, bedeutet.
Indem sich Clemens auf die Liturgie des alten Israel bezieht, enthüllt er auf diese Weise sein Ideal der Kirche. Sie wird vereint von dem »über uns ausgegossenen einzigen Geist der Gnade«, der in den verschiedenen Gliedern des Leibes Christi weht, in dem alle, vereint ohne jede Trennung, »Glieder untereinander« sind (46,6–7).
Die klare Unterscheidung zwischen dem »Laien« und der Hierarchie bedeutet keineswegs einen Gegensatz, sondern nur diese organische Verbindung eines Leibes, eines Organismus, mit den verschiedenen Funktionen. Die Kirche ist in der Tat nicht ein Ort von Verwirrung und Anarchie, wo einer in jedem Augenblick tun kann, was er will: Jeder übt in diesem Organismus, der mit einer klar gegliederten Struktur ausgestattet ist, entsprechend der empfangenen Berufung seinen Dienst aus.
Was die Vorsteher der Gemeinden betrifft, bringt Clemens klar die Lehre der apostolischen Sukzession zum Ausdruck. Die Normen, die sie regeln, stammen im letzten von Gott selbst. Der Vater hat Jesus Christus gesandt, der seinerseits die Apostel ausgesandt hat. Diese entsandten dann die ersten Vorsteher der Gemeinden und legten fest, daß ihnen andere würdige Männer nachfolgen sollten. Alles erfolgt also »geordnet vom Willen Gottes« (42).
Mit diesen Worten, mit diesen Sätzen hebt der hl. Clemens hervor, daß die Kirche eine sakramentale und keine politische Struktur hat. Das Wirken Gottes, das uns in der Liturgie entgegenkommt, geht unseren Entscheidungen und unseren Ideen voraus. Die Kirche ist vor allem Gabe Gottes und nicht unser Geschöpf, und deshalb gewährleistet diese sakramentale Struktur nicht nur die gemeinsame Ordnung, sondern auch diesen Vorrang der Gabe Gottes, derer wir alle bedürfen.
Schließlich verleiht das »große Gebet« den vorhergehenden Argumentationen einen kosmischen Atem. Clemens lobt und dankt Gott für seine wunderbare Vorsehung der Liebe, die die Welt erschaffen hat und fortfährt, sie zu retten und zu heiligen. Besondere Bedeutung nimmt die Anrufung für die Regierenden an.
Nach den Texten des Neuen Testaments stellt sie das älteste Gebet für die politischen Institutionen dar. Kurz nach der Verfolgung hören somit die Christen, obwohl sie wissen, daß die Verfolgungen weitergehen würden, nicht auf, für jene Obrigkeiten zu beten, die sie ungerechterweise verurteilt hatten. Der Grund dafür ist vor allem christologischer Natur: Man muß für die Verfolger beten, wie es Jesus am Kreuz getan hat.
Aber dieses Gebet enthält auch eine Lehre, die über die Jahrhunderte hinweg die Haltung der Christen gegenüber der Politik und dem Staat leitet. Indem Clemens für die Obrigkeiten betet, erkennt er die Legitimität der politischen Institutionen in der von Gott festgelegten Ordnung an; gleichzeitig äußert er die Sorge, daß die Obrigkeiten Gott gegenüber fügsam sein und »die Macht, die Gott ihnen gegeben hat, in Frieden und Milde fromm ausüben mögen « (61,2). Der Kaiser ist nicht alles. Es zeigt sich eine andere Hoheit, deren Ursprung und Wesen nicht von dieser Welt sind, sondern »von dort oben«: Es ist die Hoheit der Wahrheit, die auch gegenüber dem Staat das Recht einfordert, gehört zu werden.
Verehrung
Clemens wird als Märtyrer verehrt. Eine Legende aus dem 4. Jahrhundert berichtet, Kaiser Trajan hätte ihn in die Marmor-Steinbrüche auf die Halbinsel Krim verbannt, wo man ihn zuletzt mit einem Anker um den Hals ins Meer geworfen hätte.
In der Vita der Slawenmissionare Cyrill und Methodius steht, sie hätten seine Reliquien an der Schwarzmeerküste geborgen und Papst Hadrian II. zum Geschenk gemacht.
Clemens wird im Ersten Eucharistischen Hochgebet genannt „Kanonheiliger“.
Darstellung
als Papst, mit einem Lamm oder mit einem Anker um den Hals
Patron
von Sevilla, Velletri, Århus, Compiègne, der Krimhalbinsel, des Bistums Saratow, der Steinmetze, Marmorschleifer, Hutmacher
Quellen
Benedikt XVI. Generalaudienz 2008; praedica.de; www2.bistum-augsburg.de; wikipedia; heiligenlexikon.de und andere.