Josef und Wiktoria Ulma mit ihren 7 Kinder, 7. Juli
Die Familie gilt als Symbol der Hilfe für Juden und des Märtyrertums während der deutschen Besatzung. Seit 2018 ist der Jahrestag ihrer Ermordung ein nationaler Gedenktag für die polnischen Judenretter. Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem verlieh den Ulmas 1995 den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“. Papst Franziskus sprach die Familie am 10.9.2023 selig.

Józef und Wiktoria Ulma, sowie ihren sieben Kindern: Stanisława, Barbara, Władysława, Franciszka, Maria, Antoni und einem ungeborenen Kind, das während der Ermordung am 24.3.1944 geboren wurde
„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13)
Gedenktag
7. Juli (Hochzeitstag); der Todestag ist der 24.3.1944
Das Martyrium
Mutter, Vater, sieben kleine Kinder. Wie kam es dazu? Was war passiert? Was bedeutet das für uns?
Es geht um das junge polnische Ehepaar Józef und Wiktoria Ulma, 44 und 32 Jahre alt, die zusammen mit ihren sechs Kindern und ihrem siebten noch ungeborenen Kind als Märtyrer für den Glauben seliggesprochen werden.
1942 wurden in Markowa (25 km östlich von Rzeszów und westlich der Grenze zur Ukraine) von einem deutschen Polizeikommando einhundert polnische Juden erschossen. Die Bewohner des Dorfes mussten diesem Grauen zusehen, als Abschreckung. Die gläubigen Katholiken Józef und Wiktoria Ulma entscheiden daraufhin, Juden, die noch lebten, bei sich zu verstecken. Sie hatten fast anderthalb Jahre lang in ihrem etwas vom Ort abgelegenen Haus acht Juden aus ihrem Dorf bzw. der Umgebung vor den Deutschen verborgen: Saul Goldman und seine vier Söhne, die zwei Schwestern Gołda Grünfeld und Lajka Didner sowie ein namentlich nicht bekanntes Mädchen, wahrscheinlich die Tochter von Lajka Didner. Es war natürlich unglaublich schwierig, so viele Menschen auch zu ernähren. Ulmas waren Bauern, Józef Ulma war auch leidenschaftlicher Photograph; sie gibt es schöne Photos von der jungen, gläubigen, frohen Familie.
Aus Habgier wurden sie verraten. Das Haus wurde umstellt. Sie wurden alle zusammen im 24. März 1944, von dem deutschen Polizeikommando vor ihrem Haus erschossen, auch die Kinder. Zuerst die Juden, dann Vater und Mutter, die mit dem siebten Kind schwanger war, schließlich die Kinder.
Zusammen mit ihnen bzw. zuerst wurden die acht Juden aus den Familien Szall und Goldman ermordet, darunter auch die kleine Tochter der Letzteren.
Verehrung
In dem Schreiben, das vor der Seligsprechung veröffentlicht wurde, betonen die polnischen Bischöfe, dass die Familie Ulma «eine Inspiration für moderne Ehen und Familien ist. Ihre heroische Haltung ist ein Zeugnis dafür, dass die Liebe stärker ist als der Tod».
Lebensgeschichte
Lebensgeschichte
Die Familie von Józef und Wiktoria Ulma lebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Markowa in den Unterkarpaten (. Sie hatten sieben Kinder. Als Familienoberhaupt verband Józef die Fürsorge für seine Lieben mit harter Arbeit auf dem Bauernhof. Zugleich war er offen für Entwicklung und Wissen. Trotz der Anstrengung, die die Führung des Bauernhofs verlangte, fand er Zeit, seiner Leidenschaft für die Fotografie, die Imkerei, die Seidenraupenzucht, die Buchbinderei und den Gartenbau nachzugehen. Er baute sich einen Fotoapparat und ein Windrad, das er zur Stromerzeugung nutzte.
Józefs Leidenschaft für die Fotografie nutzte er, um nicht nur das Leben seiner Lieben, sondern auch lokale Ereignisse, Kirchen und Familienfeiern festzuhalten. Er machte auch Auftragsfotos, Porträts für Dokumente, dank derer er in der ganzen Gegend bekannt wurde. Er inspirierte andere nicht nur mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten, sondern auch mit seiner ständigen Bereitschaft zu helfen und Ratschläge zu erteilen.
Wiktoria Ulma, geborene Niemczak, war eine vorbildliche Ehefrau und Mutter, die sich mit grosser Sorgfalt und Liebe um die gute katholische Erziehung ihrer Kinder kümmerte. Sie stammte aus einem Elternhaus, in dem der Grundsatz galt, dass niemandem, der um Hilfe bat, diese verweigert werden durfte. Sie war immer eine Stütze für ihren Mann, und in dem entscheidenden Moment, als sie sich entscheiden mussten, vom Tod bedrohte Juden aufzunehmen, legte sie Zeugnis von ihrer Liebe zu anderen ab. Sie bemühte sich, eine freundliche Atmosphäre im Haus zu schaffen und betonte, dass die Familie auf gegenseitigem Respekt, Freundlichkeit und Hingabe beruhen sollte.
Józef und Wiktoria wurden am 7. Juli 1935 in der örtlichen Kirche getraut.
Hilfe für Juden in der Naziverfolgung
In der Datenbank des Instituts des polnischen Gedenkens sind die Namen von etwa sechstausend Menschen gespeichert, die während des Zweiten Weltkriegs für das Verstecken von Juden mit ihrem Leben bezahlt haben. Die Familie Ulma ist also keine Ausnahme.
Hervorzuheben ist die christlich inspirierte Rolle der Bauernbewegung bei der Prägung der Einstellungen von Józef und Wiktoria (Józef war u. a. Vorsitzender des Ausschusses für landwirtschaftliche Bildung des Kreisjugendausschusses der Republik Polen «Wici»).
Es gibt eine Liste von Personen aus Markowa, die jüdische Familien versteckten. Neben der Familie Ulma beteiligten sich etwa 9 weitere Familien an der Hilfe. Auf diese Weise konnten wahrscheinlich 21 Juden in Markowa gerettet werden. Die Zahl der Familien, die Juden aufnahmen, einschliesslich der Kinder, belief sich auf fast 36 Personen.
Einige beschrieben Marków als «die Stadt der Gerechten unter den Völkern». Es ist besser zu sagen, dass es eine Stadt war, in der viele Gerechte lebten. Diejenigen, die sich aktiv an der Hilfe für die verfolgten Juden beteiligten, bildeten jedoch nicht die Mehrheit der Einwohner, denn die Stadt zählte damals etwa 4000 Menschen, von denen zehn Prozent Juden waren. Das ist natürlich nicht verwunderlich, denn Heldentum ist kein Attribut der Mehrheit der Gesellschaft. Die grossen Helden sind immer diejenigen, die in der Minderheit sind, und gerade deshalb werden sie so geschätzt.
Auch unter den Polen gab es Menschen, die Juden an die Deutschen auslieferten, polnische Familien, die Juden versteckten, verrieten oder sich sogar an diesen Morden beteiligten. Die Besatzer haben sie ermutigt.
Doch es gab viele Polen, die es wagten zu helfen. Die Familie Ulma ist die bekannteste, aber es gab noch viele andere. Dank dieser Seligsprechung soll die Welt entdecken, dass menschliches und christliches Verhalten bis hin zum Heldentum nicht nur einigen wenigen vorbehalten ist.
Quellen
vgl. www.swiss-cath.ch; 2.bistum-augsburg.de; wikipedia; heiligenlexikon.de; katholisch.de; vaticannews.va; praedica.de; orthopedia.de und andere Alle Tagesheiligen