Der Majolika Kreuzweg von Grafenhausen
Eine Besonderheit in der Pfarrkirche von Grafenhausen ist der Majolika Kreuzweg von Eduard Stritt aus dem Jahr 1927.
Ursprünglich waren die 14 Kreuzwegstationen in Majolikatechnik für die St. Patrick Kirche in Brooklyn, New York vorgesehen. Auftraggeber war der aus Grafenhausen stammende Prälat Friedrich Schlatter (1878-1927), Generalsekretär des Bonifatiusvereins - Bonifatiuswerk.
Friedrich Schlatter wirkte ab dem Jahr 1921 in den Vereinigten Staaten, in New York unter deutschen Auswanderern. Er startete eine Hilfsaktion unter den Katholiken zugunsten der notleidenden Menschen im Deutschland nach dem 1. Weltkrieg.
1927 gewann er für die Gestaltung eines Kreuzwegs für die St. Patricks Kirche in Brooklyn in New York den Glasmalkünstler Eduard Stritt (1870-1937) aus Freiburg. Eduard Stritt war 7 Jahre älter als Schlatter und stammte ebenfalls aus Grafenhausen. Die Kacheln für die 14 Kreuzwegstationen wurden von der Majolika Manufaktur in Karlsruhe hergestellt. Zu Herstellung der Majolikamasse verwendete Stritt verschiedenartige Tonmaterialien, die bei einer Hitze von 1200 Grad gebrannt wurden. Das entstandene Relief wurde dann in Unterglasurtechnik mit Schmelzfarben behandelt, glasiert und noch einmal bei etwa 1000 Grad gebrannt. Diese Art der Behandlung läßt die Farben ineinander verschmelzen und so sind 14 Passionsbilder entstanden.
Durch den frühen Tod von Friedrich Schlatter am 03.06.1927 aber kam es nicht zur Auslieferung des Kreuzwegs nach Amerika. Die Kacheln blieben in Deutschland. Schließlich wurde Kreuzweg in der Heimatkirche von Friedrich Schlatter und Eduard Stritt, in der Pfarrkirche St. Fides in Grafenhausen eingebaut.
Eine zweite Ausführung des Kreuzweges wurde anlässlich des 68. Katholikentags der 1929 in Freiburg ausgerichtet wurde in der Kirche Maria Hilf in Freiburg-Wiehre erstellt.
Weitere religiöse Kunstwerke von Eduard Stritt - vor allem Glasfenster - finden sich unter anderem in der Pfarrkirche St. Johannes Baptista in Forchheim bei Emmendingen, in Augsburg die Prophetenfenster im Dom, in Herdwangen bei Sigmaringen die Langhausfenster der Kirche, in Kirchzarten-Burg auf dem Markenhof die Fenster für die Synagoge (!) der 1919 eröffneten landwirtschaftlichen Lehranstalt für auswanderungswillige deutsche Juden, sowie in Freiburg die Fenster für den Chor der Kirche St. Martin.
Vergleiche auch den Beitrag zu Grafenhausen, Pfarrkirche St. Fides, und Kapellenweg im Rothauser Land auf der Webseite der Erzdiözese Freiburg.
