SCHICKSALSTAG 9. NOVEMBER

Verbrennung des Inventars der Synagoge auf dem Tiengener Marktplatz am 10.11.1938 (Foto im Jüdischen Zimmer im Klettgaumuseum Tiengen)
 
Am Datum des 9. November entlang lässt sich die Geschichte der Demokratie in Deutschland erzählen, aber auch wie zerbrechlich diese ist.
 
9. November 1918
Der Matrosenaufstand in Kiel weitet sich aus. Abdankung Kaiser Wilhelms II..
Kurz darauf ruft Philipp Scheidemann (SPD) vom
Reichstagsgebäude die „Deutsche Republik" aus, während Karl Liebknecht (Spartakusbund) die „freie sozialistische Republik Deutschland" proklamiert. Beginn der Weimarer Republik.
 
8./9. November 1923
München: Adolf Hitler und General Erich Ludendorff versuchen, die bayerische Regierung zu stürzen und nach Berlin zu marschieren. Der Putsch scheitert am 9. November in einem Schusswechsel mit der Polizei vor der Feldherrnhalle. Hitler wird verhaftet.
 
9./10. November 1938
In ganz Deutschland und Österreich werden Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte geplündert, Menschen misshandelt und ermordet. Rund 400 Juden getötet, 30.000 in KZs verschleppt. Beginn der systematischen Verfolgung der Juden im 3. Reich.
 
8. November 1939
München: Der Schreiner Georg Elser verübt im Bürgerbräukeller ein Attentat auf Hitler. Hitler verlässt den Saal wenige Minuten vor der Explosion.
 
Im November 1953
beginnt in Ungarn unter Imre Nagy eine Phase der politischen Lockerung - ein früher Vorläufer der späteren Aufstände in Osteuropa.
 
9. November 1989
Nach einer chaotischen Pressekonferenz mit Günter Schabowski öffnen DDR-Grenzposten am Abend überraschend die Berliner
Mauer. Symbolisches Ende der deutschen Teilung und Beginn des Zusammenbruchs des kommunistischen Ostblocks.
- Tschechoslowakei: Samtene Revolution
- Ungarn: Grenzöffnung
- Polen: Solidarność gewinnt Wahlen
 
Vergleiche auch ein Beitrag von Historiker Wolfgang Niess im Deutschlandfunk am 9.11.2022

Waldshut-Tiengen 
Am Sonntag, dem 9. November 2025, gibt es in Tiengen zwei Gedenkveranstaltungen an die Reichspogromnacht. Eine findet um 18.00 Uhr am Synagogenplatz in Tiengen (Fahrgasse 11) statt und wird von der Stadt und den Kirchengemeinden veranstaltet. Zusätzlich gibt es eine besondere Feier um 16 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof Tiengen (Ecke Feldbergstr. - am Bahndamm), die mit der Übergabe von zwanzig Eisenstelen zusammenfällt, um die Erinnerung an den verwüsteten Friedhof zu bewahren. 
 
Tiengen
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, zerstörte eine Gruppe Männer die Synagoge in der Fahrgasse in Tiengen. Mit Äxten zerschlugen sie den achtarmigen Leuchter sowie den Toraschrein und zerhackten die Sitzbänke. Aufgrund der Gefahr des Übergreifens eines Feuers auf die benachbarten Häuser sahen sie davon ab, das jüdische Gotteshaus in Brand zu stecken.
Im Anschluss an die Zerstörung der Synagoge, es war schon dunkel, zog der Mob zum jüdischen Friedhof. Dort zerschlugen sie Grabsteine.
 
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